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Mittwoch, 15. November 2017

Turons Senf zur neunten Folge Discovery



Spoilerwarnung.

Diese Rezension enthält nicht nur ausgiebige Einblicke in die neunte Discovery-Episode "Algorithmus" sondern wagt sich auch noch, einen Ausblick auf die kommende Handlung zu riskieren. Wer also noch nicht alle vorherigen Folgen gesehen hat oder einige Episoden ausgelassen hat, sollte das Weiterlesen besser einstellen.


I. Einleitung.
Halbzeit!
So hart es ist, aber den Fans der Serie steht eine beinahe zweimonatige (harte) Wartezeit bevor, in denen es keinen Nachschub an neuem Star-Trek-Material geben wird. Ich persönlich vermute hinter der Zwangspause die Absicht, potentielle Neukunden von Streamingdiensten wie CBS All Access (USA) und Netflix (so ziemlich der Rest der bekannten Welt) über den obligatorischen Probemonat hinaus an sich binden zu können.
Um dies sicherzustellen gilt es nun, einen Cliffhanger zu fabrizieren, der die potentiellen Zuschauer in puncto Spannung, Handlung und vielleicht auch dem ein oder anderen Hinweis auf die zukünftige Richtung bei der Stange hält. 
Ob es der neunten Folge "Algorithmus" wirklich gelang, diesen hohen Erwartungen gerecht zu werden, verraten wir in und zwischen den kommenden Zeilen.


II. Story.
Im Orbit von Pahvo wird die anstehende Schlacht zwischen der USS Discovery und dem 'Schiff der Toten' beendet, bevor sie überhaupt beginnen kann:
Admiral Terral beordert den Captain des Schiffes wieder zurück in sicheres Föderationsterritorium, um seinen Trumpf im Krieg nicht zu gefährden oder gar völlig aus der Hand zu geben.
Doch Captain Gabriel Lorca wäre nicht er selbst, wenn er vor einem Kampf davonrennen würde. So trödelt er mit gemächlichem Warp seinem Zielort entgegen, während seine Mannschaft fieberhaft an einem Weg arbeitet, die Tarnvorrichtung des Gegners zu umgehen.
Sobald diese tatsächlich eine Möglichkeit findet, dreht Lorca auf halbem Wege um, um sich doch noch dem vermeintlich stärkeren Gegner zu stellen. Mittels ihres Sporenantriebs und zwei auf das Schiff der Toten geschleusten Außenteam-Mitgliedern plant er, das Tarnfeld aushebeln zu können.
Als er sich missmutig den logischen Ausführungen Michael Burnhams beugt, sie zusammen mit Ash Tyler auf diese riskante Mission zu schicken ahnt er noch nicht, dass seine Offiziere die totgeglaubte Admiralin Katrina Cornwell wiederfinden, Tyler beim Anblick seiner früheren Folterin L'Rell seine Nerven verliert und die Meuterin und T'Kuvma-Mörderin Burnham vom Klingonen-General Kol gefangen genommen wird…



III. Lobenswerte Aspekte.

Charaktermomente.
"Algorithmus" ist in erster Linie eine Burnham-Episode, in deren Verlauf ihr beinahe allein die Ehre gebührt, den Tag gerettet zu haben, in einem Showdown ein Duell gegen den fiesen Sheriff Klingonenendboss zu führen und am Ende liebe- und verständnisvoll mit ihrem traumatisierten Traummann zu kuscheln. Sie scheint eine funktionierende Balance zwischen ihrer logischen und emotionalen Hälfte gefunden zu haben und ist auf dem besten Weg, den Makel der Meuterin von sich zu schütteln und ein klassischer Star-Trek-Held zu werden.
Weil so etwas aber vergleichsweise langweilig ist, küre ich an dieser Stelle mal jemand anderen zum klaren Gewinner dieser Folge:
Paul Stamets.
Obwohl er in anderen Folgen wichtiger war, steht er zum ersten Mal seit Ausstrahlungsbeginn wirklich mit beiden Beinen im Zentrum des Geschehens. Er meistert dabei die Gratwanderung zwischen Forscher und Antriebskomponente, gestaltet seine Beziehung zu Culber klischeeärmer als die Romanze zwischen Tyler und Burnham und erblindet schlussendlich ähnlich wie der mythische Autor von "Ilias" und "Odyssee" (nicht unpassend für einen Navigator).
Dabei brillierte Anthony Rapp vor allem im Zusammenspiel mit Wilson Cruz (Dr. Hugh Culber), denn es gelingt ihnen gemeinsam, einen Großteil der Menschlichkeit dieser Episode auf ihren Schultern zu tragen.
Beinahe antithetisch dazu steht Lorca, dessen Wesen allerdings in Gänze zwischen Extremen schwankt.
Auf der einen Seite lernen wir eine wissenschaftliche Seite an ihm näher kennen (er kann sich scheinbar noch gut an jene Zeit erinnern, in der wir alle einfach nur Forscher waren). Dazu schwingt er eine höchst emotionale Rede irgendwo zwischen Kirk und Picard und scheint ganz generell staatsmännisch, wie alle anderen Serien-Captains vor ihm die Crew unter sich zusammenzuschweißen.
Andererseits ist er bereit, alles für einen Sieg der Föderation zu riskieren und auf eine Karte zu setzen, um dieses Ziel zu erreichen. Er manipuliert Untergebene ihre Gesundheit zu riskieren, belügt Vorgesetzte, um dann doch sein eigenes Ding zu drehen und zeigt auch sonst immer wieder, warum er für seine 'unorthodoxen Methoden' berüchtigt ist. Bei dem beinahe fröhlich anmutenden Erfolgserlebnis um die Zerstörung des 'Schiffs der Toten' und der Entzauberung der Tarntechnologie bleibt aber mindestens festzuhalten, dass sich zu seiner zusätzlichen Belastung nun auch Admiral Cornwell wieder an seine Ferse heften wird.


Kenneth Mitchell als Kol lieferte seine bislang beste Vorstellung ab – doof nur, dass sein Charakter das Zeitliche segnete, denn seine Darstellung war stets eine der besseren in einem Volk, dass plötzlich so hölzern und emotionslos wie nie zuvor agierte.
Auf der anderen Seite gibt es auch einige Verlierer zu nennen.
So blieb Saru nicht nur arg blass, sondern in seiner Kriegseuphorie auch noch kaum wiederzuerkennen. Kadett Sylvia Tillys einzige Funktion lag hingegen scheinbar darin, Stamets ohnehin schwierige Lage noch weiter zu verschlimmern und Admiral Cornwells Darstellung stand auf noch wackligeren Füßen als sie selbst.
Doch am Ende störte – trotz der größtenteils positiven Eindrücke bei der Entwicklung der Figuren – eines massiv: 
Es erwächst zu stark der Eindruck, dass die Crew in bester Star-Trek-Tradition zusammenwächst.
Wo sind die im Vorfeld angepriesenen Figurenkonflikte geblieben, die zwar schwer zu erdulden waren, aber einen Großteil der Spannung(en) ausmachten?
Statt dieses Feld weiter abzuernten, raufen sich alle Besatzungsmitglieder schneller zusammen als eine Maquis-Truppe sich in eine Sternenflottencrew integriert.
Oder hat Lorca doch absichtlich an der Sprungkontrolle herumgefummelt, um die Crew dorthin zu bringen, wo sie jetzt gelandet ist?
Ich persönlich finde das (spätestens seit dem dritten Anschauen) glaubwürdiger als die Behauptung, dass Lorca mit der Crew anbändelt, statt sie für seine Pläne zu missbrauchen...


Moralität.
Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe.
Diese weisen Worte helfen nicht nur dabei herauszufinden, in welchen Situation man die Wendungen 'das Gleiche' und 'dasselbe' nutzen sollte, sondern helfen auch dabei, die recht düstere Moral dieser Folge zu erfassen.
Es kommt nämlich nur auf den Ausgang an, ob die eigenen Aktionen von anderen als angemessen gewertet werden oder als unverzeihbarer Fehltritt.
Schauen wir einmal auf die zurückliegende Episode so bleibt festzuhalten, dass Captain Lorca sich eindeutig der Meuterei schuldig gemacht hat:
Obwohl sein Vorgesetzter Admiral Terral ihm einen eindeutigen Befehl gegeben hat (bei dem es eindeutig keinen Interpretationsspielraum gegeben hat), ist er mit seiner Insubordination nicht nur durchgekommen, sondern sogar belobigt worden. Das wirft ein ziemlich schlechtes Bild auf Michael Burnham, deren Absichten im Vorfeld der Schlacht am Doppelstern zwar fraglos bester Natur waren, aber keineswegs von Erfolg gekrönt wurden. Stattdessen half ihr Handeln dabei, einen Krieg auszulösen, ihren Captain töten zu lassen und sie zu einer Art Ausgestoßenen zu machen.
Vergleicht man ihr Handeln mit dem Lorcas, so bleibt einem nur eine Erkenntnis.
Der Zweck heiligt die Mittel.
Bis dato hat er scheinbar alles richtig gemacht. Aus einem Team aus Wissenschaftlern hat er ein kriegsentscheidendes Kampfkommando geschmiedet. Aus seinem vormals widerporstigen Chefingenieur hat er einen Gefolgsmann gezimmert, der sich mit einer dünnen Versicherung im Grunde ein Forscher zu sein dazu bringen ließ, seine Gesundheit schwerwiegend zu gefährden. Und aus einer Meuterin hat er einen Offizier gefertigt, der entscheidend zum Gelingen seiner zählbaren Erfolge beigetragen hat.
Und diese Zweckbezogenheit bleibt keineswegs auf Lorcas glücklicherweise gelungenem Coup begrenzt.
Kols Erfolge bis dato überspielten ebenfalls seine vergleichsweise unehrenhafte Aneignung des 'Schiffs der Toten', seinen zweifelhaften Aufstieg zur Führungspersönlichkeit sowie seine fast schon romulanisch anmutende Entführung Admiral Cornwells.
Auch die Weigerung Stamets', seine Krankheitssymptome zwischen ihn und seine Tätigkeit als Mittelsmann zwischen Sporen und Antrieb geraten zu lassen, werden bis fast zum Ende durch die erzielten Erfolge gedeckt.
Kein Wunder also, dass sich scheinbar auch Burnham von diesem Motiv anstecken ließ, denn ihre an Ungehorsam grenzende Belehrung Lorcas, sie als Teil des Außenteams einzusetzen, schlugen in die gleiche Kerbe.


Episodenbastelbogen.
Es gibt viel zu loben an dieser Episode.
Die Verwendung der Multiperspektive zum Beispiel, bei der dennoch der Fokus auf Burnham nicht verlorenging. Die Konzentration auf übersichtliche zwei Handlungsorte, von denen einer dorthin zurückführte, wo alles begonnen hat und ein anderer die erzählerische Gegenwart repräsentierte. Die Verwendung des Klingonischen wurde (nicht zuletzt durch das überfällige Revival des Universalübersetzers) auf ein erträgliches Maß zurückgeschraubt, die Musik war gleichermaßen dezent wie kraftvoll und die Kameraführung (insbesondere im Schwenk zu Stamets und Lorca im Shuttlebay) trugen zum überwiegend positiven Gesamteindruck dieser so stringent wie flüssig erzählten Episode bei.
Es gibt aber auch einiges zu kritisieren.
Die gesamte Folge wirkte wie nach Schema F aufgebaut und war dadurch viel zu glatt, vorhersehbar und konstruiert. Am Schluss gab es dann noch eine absehbare Komplikation um einen ebenso absehbaren Cliffhanger zu basteln. Der gesamte Pahvo-Handlungsbogen – in der vorherigen Episode mühsam zusammengeschustert - verläuft plötzlich im Sande.
Dass die Folge dennoch so gut funktioniert, liegt vor allem daran, dass sich die Autoren Mühe gaben, die alten Konflikte und Brüche wieder hervorzukehren. So ist Lorcas Kriegsgier und Angst vor Cornwells Rückkehr genauso präsent wie Burnhams andauernder Vertrauensentzug und Schuldeingeständnis. Stamets' Pilzkonsum wirkt sich ebenso aus wie Tylers grausame Gefängniszeit. Und alles kulminiert natürlich in einer entscheidenden Schlacht des Krieges zwischen Föderation und Klingonen.
Als wäre das noch nicht genug traut man sich ebenso (mal wieder) einen Kuss zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Figuren, als (erstmals) auch klingonische Nippel zu zeigen und Details wie die flirrende Atmosphäre auf dem gegnerischen Schiff (weil Klingonen es etwas wärmer lieben) zeigen auf subtile Weise, wie man zwischen der Macht des Kanon und der Neuerfindung der Franchise abwägt.


IV. Kritikwürdige Aspekte.

Handlungslöcher und Kanonbrüche.
Viele Momente lassen den Zuschauer mit angenehmen Flashbacks auf den ein oder anderen Kinofilm zurück.
Ein getarntes Klingonen-Schiff wird in einer gleißenden Explosion zerstört?
Das war schon im sechsten und siebenten Kinofilm großartig (auch wenn es ein und die selbe Explosion war).
Jemand wirft sich einem beamenden Menschen an den Hals?
Der vierte Star-Trek-Film ist ein unterschätztes Juwel!
Man kann Personen beamen während sie ins Transporterfeld springen?
"Beyond" war schon der beste der Abramstrek-Filme…
Viele Momente rufen aber auch die nervigen Unstimmigkeiten zurück in Erinnerung, die diese Serie seit dem Start begleiten; egal ob das Aussehen der Neo-Klingonen, die widersprüchlichen Schiffsdesigns oder technologische Unstimmigkeiten an Bord der eigentlich alten Schiffe.
Daneben gibt es allerdings zu viele ärgerliche Fehler, die diese Folge umkreisen.
Mal ehrlich, die Art und Weise wie Burnham unbemerkt auf der klingonischen Brücken 'Mäuschen' spielt, entspricht einem Versteckspiel, das in Monty Pythons "Das Leben des Brian" immerhin ironisch gemeint war.
Aber das ist ja nur die Spitze des Eisberges.
Woher wissen etwa die Klingonen von den für sie gefährlichen Fähigkeiten des Senders auf Pahvo?
Wieso müssen einerseits Burnham und Tyler ihre menschlichen Lebenszeichen maskieren, wenn die Klingonen scheinbar konsequent ignorieren, dass die menschlichen Lebenszeichen Cornwells an Bord auftauchen?
Und Stichwort Lebenszeichenverschleierung:
Wo ist dieses Stück überaus nützliche Technologie in den zukünftigen Star-Trek-Serien und –Filmen geblieben?
Warum findet niemand die Sensoren, die ihren Job in etwa so diskret verrichten wie die Flagscheinwerfer den ihrigen im 20th Century-Fox-Jingle?
Warum wundert sich keiner, dass die USS Discovery um das getarnte Klingonenschiff herumhüpft wie ein Känguru auf Speed?
Und das ist nur eine Auswahl an jenen Fragen, für die mir partout die Fantasie fehlt, mir eine nachvollziehbare Antwort auszudenken.
Die Nachvollziehbarkeit vieler Aspekte bleibt damit ein Hauptkritikpunkt an dieser Folge.


VI. Ausblick.
Im Zuge der Zwangspause, die wir nun alle einlegen müssen, bleibt die Möglichkeit, etwas über die nächsten Entwicklungen zu spekulieren. Zwei von ihnen sind allerdings so naheliegend, dass ich an dieser Stelle noch einmal kurz gesondert darauf eingehen möchte.

Der Spion der mich liebte.
Sicherlich ist dem ein oder anderen Leser bereits aufgefallen, dass ich Lieutenant Tyler in meinen Ausführungen zu den Charakteren ebenso ausgespart habe wie die Klingonin L'Rell. Zwar blieb letzterer wenig Raum zur Entfaltung und immerhin zeigte ersterer erstmals (menschliche) Fehler, aber dennoch bleibt festzuhalten, dass die Spionagetheorie nach dieser Folge so aktuell wie nie scheint.
Die Idee, dass Tyler nicht nur ein klingonischer Agent und Schläfer ist, sondern sogar der in letzter Zeit arg wenig thematisierte Voq, erhält vor allem mit den merkwürdigen Äußerungen L'Rells in der Brig neuen Zulauf. Zudem ist die Klingonin nun genau dort, wo sie hinwollte und dass Tyler nicht 227 Tage von L'Rell gefoltert worden sein kann, weil die T'Kuvma-Jüngerin den größten Teil dieser Zeit auf dem inzwischen zerstörten 'Schiff der Toten' weilte, dürfte jedem halbwegs aufmerksamen Ohr nicht entgangen sein.
Zudem muss nun erzählerisch die Lücke geschlossen werden, die durch den plötzlichen Tod Kols in die Handlung gerissen wurde. Jemand muss die Führung des klingonischen Imperiums übernehmen und auf der Liste geeigneter Kandidaten stehen die Namen Voq und L'Rell fraglos auf den ersten beiden Plätzen. Zudem bin ich mir 'sicher', dass in den Flashbacks Tylers auch das Gesicht des Klingonen-Albinos auftauchte…


Spieglein, Spieglein…
Als Stamets mit Lorca dessen Projektion seiner bisherigen Sprünge betrachtet, verweist er darauf, dass dieser Weltraumstraßenatlas nach weiteren Sprüngen auch um ein paar Abfahrten in Paralleluniversen bereichert werden kann.
Und hat jemand den etwas deplatzierten Spiegel bei den Arrestzellen bemerkt?
Zudem ist – dank einiger Indiskretionen des zukünftigen Discovery-Regisseurs Jonathan Frakes – bekannt geworden, dass es die ein oder andere Spiegeluniversum-Folge geben wird. Man kann sich in Anbetracht der lediglich sechs verbleibenden Folgen ausrechnen, dass dies ziemlich bald geschehen muss, wenn man wirklich zum Staffelende wie versprochen den Handlungsbogen um den klingonischen Krieg abschließen möchte.
Es liegt daher nahe, dass wir in den Genuss dieses stilprägenden Star-Trek-Elements sehr wahrscheinlich gleich im Januar kommen werden…




VII. Fazit.
"Algorithmus" ist vielleicht kein sensationeller, aber ein würdiger Halbstaffelabschluss. Obwohl er nach dem Baukasten-Prinzip zusammengestellt wirkt, gelingt es ihm am Ende doch, einige Akzente darüber hinaus zu setzen. Er überzeugt vor allem im Hinblick auf die Figurenentwicklung, während  die vielen unnötigen Handlungslöcher im Gegenzug am Gesamteindruck zerren.
Unterm Strich bleibt eine stabile Folge, der es glückt, die Spannung auf zukünftige Abenteuer aufrecht zu erhalten.

Bewertung.
Kein Highlight, aber eine sichere Kiste.





VIII. Schluss.

Bei Lichte besehen hatte Discovery eigentlich nicht viel zu verlieren.
Die Star-Trek-Anhänger schauen Discovery sowieso (egal ob sie es doof finden oder nicht), wahrscheinlich würden Neufans und Binge-Watcher auch wieder reinschauen wenn das (Halb-) Finale qualitativ schlechter ausgefallen wäre und vor allem ist die zweite Staffel nicht nur längst bestellt, sondern auch schon seit einigen Tagen ins Planungsstadium eingetreten.
So gesehen gibt es wohl kaum eine Einflussmöglichkeit.
Zudem wurmt es ein wenig, dass dieses Halbstaffelprinzip an die unrühmliche Zeit erinnert, in der z.B. halbe TNG-Staffeln zu Mondpreisen verkauft wurden, um auch die letzten Taler aus den Portmonees der Fans zu saugen. Ich hoffe inständig, dass die Fans bei den DVDs oder BluRays für diese Serie von derlei Marketing-Possen verschont bleiben.


Denkwürdige Zitate.

"Bei dieser Geschwindigkeit erwartet man uns in drei Stunden bei Sternenbasis 46. Darum fliegen wir mit Warp und nicht mit dem Sporenantrieb. Ich habe nicht die Absicht unser Ziel zu erreichen. Wenn man vorhat, einen direkten Befehl zu missachten, hängt man das besser nicht an die große Glocke."
Gabriel Lorca

"Sie wollten Beweise dafür, dass Ihr Navigator ein Problem hat? Davon gibt es mehr, als Ihnen lieb ist."
Dr. Hugh Culber

"Und das soll Sie aufhalten? Das halte ich für ein Gerücht. Ich weiß was sie antreibt: Sie sind nicht nur Wissenschaftler, sondern ein Entdecker. Sie hätten auch auf der Erde bleiben können, aber sie wollten in Galaxien vordringen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat."
Lorca zu Paul Stamets

"Wir müssen diesen Krieg gewinnen... Aber danach..."
"...geht die Reise noch weiter!"
Lorca und Stamets

"Wenn wir Pahvo retten, die Klingonen besiegen und das hier erreichen können, dann sollen es hundertdreiunddreißig Sprünge sein..."
Stamets

"Sie sind der Captain, aber Sie setzen nicht die vollen Ressourcen Ihrer Crew ein um den Erfolg Ihrer Mission sicherzustellen. Ich erkenne in Ihrem Handeln keine Logik. Es sei denn, es geht hier um mich. Sie haben mir eine Gnadenfrist gewährt und mich gebeten Ihnen zu helfen diesen Krieg zu gewinnen. Durch die Erfahrungen, die ich auf dem klingonischen Schiff gesammelt habe, bin ich am qualifiziertesten für diese Mission. Sonst wüsste ich nicht, was ich hier überhaupt soll... "
Michael Burnham zu Lorca

"Da ist eine Lichtung im Wald. So orientieren sie sich..."
Stamets

"Der Krieg ist noch nicht gewonnen, aber Sie haben einen Sieg wahrscheinlicher werden lassen - trotz Ihrer 'unorthodoxen Methoden'."
"Ich fasse das mal als Kompliment auf..."
Terral und Lorca

"Sorge Dich nicht. Ich lasse nicht zu, dass sie Dir wehtun... "
L'Rell zu Ash Tyler

"Bald. Bald..."
L'Rell


Weiterführende Leseliste.
01. Rezension zu "Leuchtfeuer" und "Das Urteil"
03. Rezension zu "Lakaien und Könige"
04. Rezension zu "Sprung"
05. Rezension zu "Wähle Deinen Schmerz"
06. Rezension zu "Lethe"
07. Rezension zu "T=Mudd²"
08. Rezension zu "Si Vis Pacem, Para Bellum"
09. Rezension zu "Algorithmus"

Dienstag, 7. November 2017

Turons Senf zur achten Folge Discovery



Spoilerwarnung
. In dieser Rezension gibt es massive Spoiler zur achten Discovery-Folge "Si Vis Pacem, Para Bellum". Es empfiehlt sich daher unbedingt, vor dem Lesen diese und am besten auch alle vorherigen Episoden der Star-Trek-Serie gesehen zu haben.


I. Einleitung.
Es gibt gute und schlechte Discovery-Nachrichten.
Die gute ist, dass aufgrund des sich bereits jetzt abzeichnenden Erfolges eine zweite Staffel der siebenten Star-Trek-Serie von CBS bestellt wurde und es die Franchise damit auch weiterhin im (Internet-) Fernsehen geben wird. Tatsächlich beginnen in zwei Wochen sogar die Arbeiten an der kommenden Staffel.
Die schlechte Nachricht lautet allerdings, dass wir auf die nächste Staffel bis mindestens Anfang 2019 warten müssen – und eingedenk des Umstandes, dass schon der anvisierte Ausstrahlungstermin der ersten Staffel mindestens zwei Mal nach hinten verschoben wurde, dürft das Warten wohl Ausmaße annehmen, die mit "Rick and Morty" vergleichbar sind.
Natürlich könnte man nun einwerfen, dass Nicholas Meyer durchschimmern ließ, dass er selbst an einer Khan-zentrierten Nebenserie arbeiten würde. Wann, wie und ob dieses momentan wohl kaum über den Status eines Gedankenspiels hinausgewachsene Projekt allerdings Realität werden wird, steht wohl noch mehr in den Sternen als der voraussichtliche Start der nächsten Staffel Discovery.
So bleibt dem gemeinen Zuschauer nur hilflos mit den Achseln zu zucken und mit dem Vorlieb zu nehmen, was er im Hier und Jetzt vorgesetzt bekommt:
Die achte Discovery-Episode mit dem wunderschönen Titel "Si Vis Pacem, Para Bellum".


II. Story.
Während die USS Discovery verzweifelt versucht, anderen Föderationsschiffen im Kampf gegen die tarnfähigen Klingonenschiffe beizustehen, finden sich Saru, Ash Tyler und Michael Burnham auf einer fremden Welt wieder, deren Beschaffenheit eine Möglichkeit bietet die feindlichen Kreuzer trotz Unsichtbarkeit aufzuspüren.
Doch schnell wird klar, dass der Planet keineswegs so unbewohnt ist, wie die drei Außenteam-Mitglieder gedacht hätten. Eine körperlose Spezies nimmt mit ihnen Kontakt auf und scheint einen Einfluss auf Saru auszuüben, der das Wesen des Kelpianers radikal verändert.
Derweil versucht die T'Kuvma-Anhängerin L'Rell ihr Glück in den Reihen Kols, der sich durch den Diebstahl der Tarntechnologie zum Anführer des Kriegervolkes aufschwingen konnte.
Doch insgeheim verfolgt sie ganz andere Pläne:
Als sie in ihrer Tätigkeit als Verhörexpertin zum gefangen genommenen Admiral Cornwell gelangt, offenbart sie ihr, dass sie mit ihr zusammen fliehen möchte. Die beiden ungewöhnlichen Alliierten entfliehen so zwar ihrer Zelle, doch als sie kurz darauf von Kol ertappt werden, entbrennt zwischen den beiden Frauen ein blutiger Kampf um Leben und Tod…  


III. Lobenswerte Aspekte.

Moralität. Natürlich ist Moralität stets ein sehr subjektives Thema. Für Kirsten Beyer, die Autorin dieser Episode etwa stand die Idee im Mittelpunkt, Frieden inmitten von Krieg zu beleuchten. Andere sehen die Botschaft eher darin, dass man sich nicht untätig zurücklehnen kann, wenn Frieden nicht ohne fremde Hilfe möglich ist.
Ich dagegen sehe eine andere Moral deutlich tiefer und übergreifender angelegt, denn sie ist allgegenwärtig und hier auf so ziemlich jeden Charakter der Serie gemünzt:
In "Si Vis Pacem, Para Bellum" (meine bescheidene Übersetzung "Wer Frieden will, muss sich für den Krieg rüsten") geht es nicht primär um den Krieg zwischen Föderation und Klingonen, sondern um jene Auseinandersetzungen, die wir tagtäglich im Inneren ausfechten. Wir alle haben nämlich kleine Dämonen in uns, denen wir uns auf die ein oder andere Weise stellen müssen. Den Figuren in "Discovery" geht es nicht anders:
Sarus Leben wird so sehr von Angst beherrscht, dass er bereit ist, extreme Maßnahmen zu ergreifen um einen Zustand zu erhalten, der ihn von dieser Last befreit.
Michael Burnham muss sich mit ihrer Zukunft im Gefängnis auseinandersetzen und darüber hinaus nicht nur mit der persönlichen Verantwortung für den Krieg gegen die Klingonen, sondern auch mit dem Kainsmal der Meuterei auf einem Sternenflottenschiff.
Paul Stamets hingegen kämpft nicht nur mit den immer deutlicher zu Tage tretenden Nebenwirkungen seines bewusstseinserweiternden Pilzkonsums, sondern auch mit dem Dilemma, seinen Partner Dr. Hugh Culber nicht in eine ausweglose Situation zu bringen.
Captain Gabriel Lorca kämpft gegen die Angst, die Oberhand im Krieg zu verlieren, Ash Tyler möchte die (vermeintlichen) Gräuel seiner Haft und die damit verbundene Gier nach Rache unter Kontrolle halten und selbst die Klingonin L'Rell hat mit ihrem Hass auf Kol ein Motiv zu bieten, dass von ihren Plänen für Voq abzulenken versteht.
Im Endeffekt zeigt die Folge dabei eines deutlich: Ohne die inneren Dämonen ist man nicht mehr man selbst, verliert den Antrieb, die Selbstregulation oder die Motivation. Die inneren Kämpfe sind so sehr Teil eines jeden Individuums, dass man ohne sie Gefahr läuft, auch sich selbst zu verlieren.


IV. Kritikwürdige Aspekte.
Auch dieses Mal fallen wieder einige der vormals positiven Aspekte in diese Kategorie, weil die überwiegende Tendenz eher negativ ausfiel.

Folgenaufbau. Ausgerechnet der verdiente Star-Trek-Buch-Autor David Mack – selbst eine Koryphäe darin, spannende und bewegende Star-Trek-Geschichten zu verfassen - gab laut Memory Alpha zu dieser Folge zu Protokoll (in meiner bescheidenen Übersetzung):

"Falls die Folge so gut wird wie das Drehbuch… Ich denke ihr Script war großartig. Ihr Drehbuch brachte mich zum Weinen; es war wunderschön. Das Ende des Scripts ist ergreifend. Ich hoffe, dass das Produktionsteam, das Editorenteam, das Nachbearbeitungsteam und überhaupt jeder das Drehbuch so gut auf die Leinwand bringt, wie sie es zu Papier brachte. Wenn jeder seinen Job so gut macht wie sie es tat, bleibt bei der achten Folge der dritten Staffel kein Auge trocken."

In Anbetracht der Tatsache, dass ihr Kollege Ted Sullivan ähnliche Lobeshymnen anstimmte, bleibt nur eine logische Schlussfolgerung:
Da muss ordentlich was schiefgelaufen sein.
Meine Befürchtung ist nur, dass dies nicht allein an den Produzenten, Editoren oder Nachbearbeitern lag, sondern tatsächlich an allen Beteiligten, inklusive Beyer.
Schon allein das Konzept von Pahvo, das irgendwo auf einer Skala zwischen der TOS-Episode "Kampf um Organia" und James Camerons "Avatar" lag, war nicht unbedingt das, was ich an dieser Stelle als eine großartige Kreativleistung bezeichnen würde. Hinzu kommt der hanebüchene Ansatz eines planetaren Echolots, das im gesamten All bei der Jagd auf klingonische U-Boote getarnte Schiffe helfen soll.
In seiner ganzen Anlage passt dieses Stück pseudo-wissenschaftlicher Zauber-Technologie eher ins märchenhaftere Star-Wars-Universum und in Kombination mit dem ellenlangen Marsch durch die kanadische Flora und Fauna erinnerte es nicht minder stark an Stargate, dessen Ableger aufgrund des ebenfalls kanadischen Drehortes erschreckend ähnliche Außen-Sets aufwies.
Letzten Endes ergibt sich ein Gesamtbild, das mit 'aus jedem Dorf ein Köter' noch sehr wohlwollend formuliert ist.
Natürlich kann man dem ganzen zugutehalten, dass es in bester Star-Trek-Manier ein neues Alien-Konzept beschreibt, das nicht nur eine neue Welt und eine neue Lebensform, sondern sogar eine neue Zivilisation miteinbringt. Da sich aber die Pahvaner visuell kaum von den Pilz-Sporen unterschieden, großzügig bei Vorbildern aus Star Trek und anderen Science-Fiction-Franchises bedienten und auch optisch weit hinter ihren Möglichkeiten zurückblieben, kann das jedoch nur bedeuten, dass es sich um ein Versagen auf allen Ebenen handelte.
Und das war ja nur der Planet.


Die Multiperspektive, sonst stets ein willkommener Erzählstil, war in drei verschiedene Handlungsorte geteilt: Die Planetenoberfläche von Pahvo, die USS Discovery und das Sarkophag-Schiff der Klingonen.
Im Endeffekt verfügte durch diese Aufteilung keiner der drei Handlungsstränge über ausreichend Platz zur Entfaltung. Die unterschiedlichen Inhalte hätten bequem in zwei verschiedene Folgen gepasst, was nicht nur den einzelnen Handlungsentwicklungen gut getan, sondern auch die Zuschauer nicht mit so vielen Fragezeichen zurückgelassen hätte.
So aber rast man auf Pahvo wie ein Kelpianern mit gefühlten achtzig km/h durch die Story, während die Klingonen mit jedem einzelnen Wechsel klaffende Lücken ins Erzähltempo rissen.
Die Handlungselemente auf der Discovery hingegen waren plump konstruiert (z.B. diente die Anfangsszene um die Zerstörung der USS Gagarin allein der Verdeutlichung, wie schlecht es um die Föderation im Krieg gegen die Klingonen steht und wie nötig sie ein Gegenmittel gegen die klingonische Tarntechnologie benötigen) und so bruchstückhaft, dass man gleichermaßen auch bequem auf sie hätte verzichten können.
Bei Lichte besehen ist "Si Vis Pacem, Para Bellum" daran aber noch nicht einmal wirklich Schuld. Vielmehr leidet die Episode unter der Erzählfaulheit ihres Vorgängers und muss nun in viel zu kurzer Zeit den immensen Rückstand aufholen, der sich in einer Folge angesammelt hat, die sich dem engen Griff des generellen Handlungsstrangs erfolgreich entzogen hat.
So wurde schließlich aus einer ursprünglich vielleicht sogar gut geschriebenen Folge das, was sie am Ende ist:
Keine elegante, herzerweichende oder gar feinfühlige Episode, sondern eine pragmatische Lückenbüßerin. Sie ist ein funktionales Arbeitstier, das die Handlung vorantreibt und dabei nur wenig Zeit lässt, die gut gemeinten Ansätze von Charakterentwicklung mit ausreichend Verweildauer zu bedenken.
Daher wirkt sie am Ende – nicht zuletzt wegen des ersten richtigen Cliffhangers in der Serie – irgendwie unfertig wie der erste Teil einer Doppelfolge. Vielleicht legt "Si Vis Pacem, Para Bellum" den Grundstein für die Brillanz der nächsten (und vorerst letzten) Folge Discovery, aber für sich allein kann sie kaum etwas bieten, das die himmelhochjauchzenden Jubelarien ihrer Autorenkollegen wirklich verdient hätte.


Charaktermomente. Eigentlich ist Saru der absolute Gewinner dieser Folge, die auch den Titel "Saru rennt" verdient hätte. Seine innere Zerrissenheit, die bei seinem Trip auf dem blauen Planeten stärker als sonst zu Tage tritt, macht ihn zur tragischen Figur dieser Folge, nicht zuletzt weil sein Schauspieler sich bemerkenswerterweise durch die schweren Silikon-Prothesen auf seinem Gesicht hindurchspielt.
Bedenkt man ferner, dass die Figur des Saru ein Kind der Ideen seines Darstellers Doug Jones und der Autoren von Discovery ist, kommt man nicht umhin anzuerkennen, wie schnell diese Kreation zu einem zentralen und unverzichtbaren Teil der Serie geworden ist.
Der Reiz der Folge liegt daher nicht zuletzt in den vielen Informationen, die man über das Volk der Kelpianer erhält und beginnt, die Existenz dieser Spezies mit einer gewissen Wehmut zu betrachten.
Doch am Ende fühlt man sich von der Entwicklung Sarus – so nachvollziehbar sie auch ist – schnell überrumpelt, denn die Drehbuchautoren  lassen sich schlichtweg viel zu wenig Zeit, um etwa Sarus plötzlichen Gewaltausbruch ausreichend zu begründen.
Von allen Klingonen bleibt L'Rell am ehesten in Erinnerung, denn trotz ihrer nicht weniger schweren Maske bot auch Mary Chieffo eine sehr gute Leistung und stach damit unter allen anderen Neo-Klingonen heraus. Dabei trug ihr dubioser Charakter, bei dem man die gesamte Folge nicht wusste, ob sie es ernst meinte oder nur eine weitere Intrige spann, eigentlich zum verwirrenden Gesamteindruck der Folge bei. Doch gerade diese beinahe mystische Aura der Unwägbarkeit macht sie zu einem der wenigen außergewöhnlichen Klingonencharaktere mit einem hohen Wiedererkennungswert.
Der Hauptprotagonist der Serie, Michael Burnham, leidet hingegen am meisten unter der Mulitperspektive, die ihr vor allem wertvolle Screentime kostet. Immerhin springt dieses Mal eine Romanze, ein erster richtiger Kuss und der erste Beziehungsstreit heraus. Während Burnham also die typischen ersten Zeltlager-Erfahrungen macht, muss sie aber zeitgleich auch die Wissenschaftsoffizierin, die Meuterin, den Antagonisten für Saru und die Repräsentantin der Sternenflotte mimen – zu viel für so schmale Schultern, vor allem in so kurzer Zeit.


Die Autorin der Folge gab sich zudem alle Mühe, Ash Tyler vom Status eines Spions reinzuwaschen. Eine Beziehung mit Burnham, Träume über einen Segeltörn am Lake Shasta und so eine Art Gedankenverschmelzung mit Saru können nun auf der ständig wachsenden Liste der Gegenargumente geführt werden. Zudem wird sein Leiden unter der klingonischen Gefangenschaft erstmals zum Gegenstand seiner Ausführungen, wobei er nähere Schilderungen seiner Erlebnisse allerdings noch immer schuldig bleibt.
So reißen die Belege für die Theorie des klingonischen Spions in Menschengestalt keineswegs ab.
Beispielsweise verrät L'Rell vage, dass Voq 'davongejagt' sei, will zielgerichtet auf die USS Discovery (warum bloß?) und ihr entstelltes Gesicht kann unter klingonischen Gesichtspunkten eigentlich nur dann als ehrenhafte Verletzung gelten, wenn ihrer Niederlage gegen flüchtende Sternenflotten-Gefangene etwas anderes zugrunde lag, als die Schande einer gelungenen Flucht.
Admiral Cornwall bleibt, nachdem sie sich in einer Folge mal richtig austoben konnte, wieder so blass wie zuvor. Die spannendste Frage im Zusammenhang mit ihr bleibt wohl, ob sie wirklich tot ist, denn es wirkt zweifelhaft, dass L'Rell wirklich so dumm ist, ihren besten Trumpf einfach so aus der Hand zu geben.
Viel zu wenig zu sehen blieb am Ende vom Chefingenieur Paul Stamets. Zwar wurde der Zuschauer zum ersten Mal Zeuge, wie er während eines Sprunges aussieht, aber seine stärkste Szene war eine andere:
Jedes Wort, das er mit Tilly am Tisch in der Mannschaftsmesse besprach, war tiefsinniger als alles, was man in der vorigen Episode von ihm hören konnte. Am Ende war dies aber nur ein loses Fragment, das sich wie ein Fremdkörper in dieser Episode anfühlte.
Der Rest des Main Casts blieb auf ähnliche Weise im Hintergrund. Lorca war bestenfalls grummelig, Tilly einmal mehr ein besserer Stichwortgeber, Kol neben L'Rell einer der wenigen erwähnenswerten klingonischen Charaktere und Culber beinahe so etwas wie ein Statist mit einem einzigen Satz.


Kanonbrüche und Logiklöcher. Tatsächlich gibt es in "Si Vis Pacem, Para Bellum" durchaus den ein oder anderen Querbezug zum offiziellen Kanon. Diese Anleihen sind nicht sonderlich aufdringlich, aber nichtsdestotrotz eindringlich. So erinnert Sarus Wandlung stark an die Spocks in "Falsche Paradiese". Die Opferungsbereitschaft der Discovery, ein für ein anderes Schiff gedachtes Paar Torpedos abzufangen lässt an eine ähnliche Aktion der USS Excelsior im Orbit von Khitomer denken. Und die Diskussion zwischen L'Rell und Admiral Cornwell um vermeintliche Kriegsverbrechen der Föderation gegen Klingonen ist eine deutliche Anleihe aus "Das Gleichgewicht der Kräfte".
Zudem war der Dialog zwischen Tyler und Burnham über das Wohl der vielen und einzelnen (vgl. 'Denkwürdige Zitate') ein weiteres vergleichsweise dezent eingebautes Sahnehäubchen für die Alt-Fans.
Aber wiederum verliert sich die Folge in einer Vielzahl von Ungereimtheiten, Widersprüchen und Unsinnigkeiten, wobei ich an dieser Stelle gar nicht erst auf die in vorangegangenen Rezensionen bereits hinlänglich thematisierten Themen 'Aussehen der Klingonen', 'ahistorisches Schiffsdesign' oder 'Holokommunikation' eingehen will – schließlich bietet diese Folge allein genug Gesprächsstoff.
Der unsinnigste Teil kreist fraglos um den Planeten Pahvo.


Ich habe noch immer nicht verstanden, warum ausgerechnet die Discovery als 'Rückgrat der Sternenflottenverteidigung' auch noch allen Ernstes das Geheimnis dieses entlegenen Himmelskörpers lösen muss.
Oder ist sie – in bester Star-Trek-Tradition -  wieder das einzige Schiff im Quadranten?
Ebenso interessant ist die Auslegung der Obersten Direktive, die Burnham hier anwendet um zu begründen, dass man ihr hier beim Erstkontakt mit den Pahvanern gerade nicht zuwider handelt. Bei ihrer kreativen Interpretationsfähigkeit mutet es beinahe erstaunlich an, dass sie dem Sternenflottengericht ihre Meuterei nicht als strikte Einhaltung von schiffsinternen Protokollen verkaufen konnte.
Andererseits erklärt ihr lockerer Umgang mit der Hauptrichtlinie der Föderation immerhin, warum bereits Kirk und Co. so häufig Kontakt mit eindeutigen Prä-Warp-Zivilisationen hatten.
Nicht minder fragwürdig scheint, woher die Pahvaner ein Stoffzelt zaubern konnten, wie sie Tyler zum Sender 'beamen' konnten und warum ihre erstaunlich filigrane Kristallantenne, die wie Jacks Bohnenranke in den Himmel des Planeten ragte, sich nicht der Schwerkraft beugte um umzukippen.
Ich kann nur hoffen, dass sich die Pahvaner nicht als eine Art Organier entpuppen, die einige Jahre von den anderen großen körperlosen Wesen der Star-Trek-Geschichte ebenfalls alle Kriegsparteien zu ihrem Friedensglück zwingen werden.
Doch dies scheint in Anbetracht von noch sechs unausgestrahlten Folgen vergleichsweise unwahrscheinlich, auch wenn der Krieg zwischen Föderation und Klingonen so blutig wie ausgeglichen ist. Er wurde nicht zuletzt dadurch wieder ausgewogener, weil die noch nicht ganz ausgereifte, aber dafür allen Häusern offenstehende klingonische Tarntechnologie den einzigen Sporenantrieb der Föderation egalisiert.
Selbst wenn ich etwas Bauchschmerzen mit beiden Technologien zu dieser Zeit habe, liegt es noch immer in der Hand der Autoren, diese vermeintlichen Widersprüche aufzulösen und zum Gegenstand der größeren Handlung zu machen.
Dass sich Admiral Cornwell übrigens so schnell gegen die Todesstrafe ausspricht, hat mich zwar persönlich gefreut, aber ihrer Äußerung stehen anderweitige Aussagen zum Beispiel in "Talos IV - Tabu" oder "Computer M5" entgegen.
Amüsiert hat mich ferner, dass es nach der USS Buran mit der USS Gagarin bereits das zweite Sternenflottenschiff in einer sowjetischen Benennungstradition gab. Ich für meinen Teil freue mich schon auf die USS Potemkin, die USS Aurora und die USS Red October (die mit der Föderationsvariante der Tarnvorrichtung)…


VI. Fazit.
"Si Vis Pacem, Para Bellum" dürfte wohl keine von jenen Episode sein, bei denen irgendwann mal jemand sagen wird "Das war aber die beste Discovery-Folge!".
Auch wenn in Ansätzen der gute Wille durchaus erkennbar war, bleibt die Qualität der Episode weit hinter den Erwartungen zurück. Zu groß sind die Diskrepanz zwischen der Handlung und der Folgendauer, die Lücke zwischen Kreativität und Wiederholung oder die Löcher, die durch zu viele offene Fragen gerissen wurden. Den Figuren gelingt es nicht, die geschickt platzierte Moral angemessen mit Inhalt zu füllen, weil ihnen die Dialogzeit wie Sand zwischen den Fingern davonläuft. Kirsten Beyers ursprüngliches Konzept ist jedenfalls von den angesprochenen Mitarbeitern gegen die Wand gefahren worden – falls es nicht schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.
So lässt die Folge den Zuschauer jedenfalls in zu vielen Belangen unbefriedigt zurück und präsentiert sich eher als erster Teil eines Zweiteilers, dessen Bewertung ohne Kenntnis seines Nachfolgers nur negativ ausfallen kann.

Bewertung. "Es war nicht schmerzhaft. Nur verwirrend."





VII. Schluss.
Nachdem die siebente Star-Trek-Serie "Discovery" nun definitiv in Form einer zweiten Staffel in die Verlängerung geht, gilt es nun, auch auf dem Fernsehschirm nachzulegen.
Bislang deutet die Formkurve kurz vor dem Ausstrahlungsende des ersten Teils der Serie nämlich eher nach unten, als in die entgegengesetzte Richtung und dies war die mit Abstand schlechteste Folge der noch jungen Ausstrahlungseschichte. Es liegt somit an den Produzenten, für die neunte Folge mehr "Wähle Deinen Schmerz" und weniger "Si Vis Pacem, Para Bellum" nachzulegen, um das Interesse an der Serie lebendig und die öffentliche Meinung positiv zu halten.
So wird man nächste Woche nicht umhinkommen, eine spannende Folge mit schlüssiger Handlung nachzuliefern und - wer weiß? – vielleicht sogar eines der vielen Geheimnisse etwa um Stamets Zustand, Cornwells Tod oder Tylers Identität lüften…
So oder so; der Druck auf die nächste Folge ist nach dieser hier ins unermessliche gestiegen…


VIII. Denkwürdige Zitate.

"Mr. Rhys, hätten Sie wohl die Güte und fangen mal an zu feuern?"
Captain Gabriel Lorca zu seinem taktischen Offizier

"Es wird Gelegenheit zum Trauern geben. Aber alles zu seiner Zeit."
Lorca zur Brückencrew

"Ich wusste ja gar nicht, dass Sie so ein Sprinter sind, Mr. Saru."
"Kelpianer können auf der Flucht Geschwindigkeiten von bis zu achtzig km/h erreichen. Sie können auch Jäger wittern aus einer Entfernung von zehn Kilometern."
"Und wir mögen es besonders, wenn von uns in der dritten Person gesprochen wird wenn wir anwesend sind."
Ash Tyler, Michael Burnham und Saru

"Ich grüße Sie! Wir sind Forscher vom Föderationsschiff Discovery. Wir kommen in Frieden."
Saru

"Das Wohl von vielen…"
"Es lohnt sich, dafür zu kämpfen; sogar dafür zu sterben. Aber auch für das Wohl von wenigen."
"Auch das von einzelnen…"
Burnham und Tyler

"Die Föderation kennt keine Todesstrafe."
Admiral Katrina Cornwell

"Es ist doch höchst erstaunlich, dass während wir einen Krieg austragen, hier ein Ort des Friedens und der Harmonie überlebt. Und nicht nur das. Gedeiht!"
Saru

"Ich habe große Angst. SolcheAngst."
Saru

"Ich kenne jedes Schott auf diesem Schiff. Es war einmal mein Zuhause."
L'Rell zu Cornwell

"So sterben Sie wenigstens nicht in einem Käfig, Admiral."
L'Rell zu Cornwell

"Na ja, jeder will die Klingonen besiegen. Ich will… ihnen wehtun."
Tyler

"Sehen so Harmonie und Balance aus? Wo ist der Frieden, den Sie hier gefunden haben wollen?"
"Sie haben ihn mir weggenommen! Immer nehmen Sie mir alles weg!"
"Ich würde alles dafür geben, wenn ich eine Sekunde – eine Milisekunde! – Frieden hätte! Aber so lange der Krieg nicht vorbei ist, wird ihn niemand von uns finden!"
Saru und Burnham

"Ich habe Sie belogen. Und Lieutenant Tyler. Ich habe Sie angegriffen und hätte Sie töten können."
"Das sind nicht Sie gewesen."
"Doch. Das war ich. Wir werden furchtsam geboren, wir Kelpianer. Nur so überleben wir. Infolgedessen habe ich mein Leben lang auch nicht einen einzigen Moment ohne Furcht verbracht oder mich frei gefühlt. Keinen einzigen Moment. Erst auf Pahvo."
Saru und Burnham


Weiterführende Leseliste.

01. Rezension zu "Leuchtfeuer" und "Das Urteil"
03. Rezension zu "Lakaien und Könige"
04. Rezension zu "Sprung"
05. Rezension zu "Wähle Deinen Schmerz"
06. Rezension zu "Lethe"
07. Rezension zu "T=Mudd²"
08. Rezension zu "Si Vis Pacem, Para Bellum"
09. Rezension zu "Algorithmus"

Dienstag, 31. Oktober 2017

Turons Senf zur siebenten Folge Discovery


Spoilerwarnung
.
Diese Rezension enthält detaillierte Informationen zur siebenten Discovery-Episode "T=Mudd²". Daher sollte man nur weiterlesen, wenn man diese und alle vorherigen Folgen von "Star Trek: Discovery" bereits gesehen hat.


I. Einleitung.
Der Komiker Horst Evers berichtete in einer seiner Geschichten einmal davon, wie er vor einer Operation den üblichen Fragenkatalog über sich ergehen ließ und irgendwann einmal einfach mit 'ja' antwortete, nur um seine Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren.
Wenn ich Rezensionen schreibe, geht es mir manchmal ganz genau so.
Ab einem bestimmten Zeitpunkt zweifle ich an mir, ob ich allen Ernstes noch ein Loblied auf Captain Lorca singen muss, wieder gegen die Klingonen und ihr Äußeres wettern will oder ein weiteres Mal auf die kleinen Kanon-Gimmicks verweisen soll, die außer mir sowieso niemanden interessieren.
In solchen Momenten will auch ein Teil von mir einfach mal schwarzmalen, nur um die eigene Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren, zumal mir bereits mehr als einmal bescheinigt wurde, der neuen Serie gegenüber viel zu positiv eingestellt zu sein.
Wie immer nehme ich mir dann aber am Montag wieder routiniert Papier und Stift zur Hand, sehe mir die neue Folge Discovery an und fälle– schlechter Ruf hin oder her – ein eigenes Urteil.
Ich versuche zu begründen, warum ich so denke, bewerte und auch, wenn ich immer wieder von Zweifeln befallen werde, stehe ich natürlich zu meinem Wort.
So auch dieses Mal.


II. Handlung.
Michael Burnham hat sich inzwischen so weit im Besatzungsgefüge der USS Discovery etabliert, dass sie nicht nur ganz alltäglich Dienst auf der Brücke schiebt, sondern darüber hinaus sogar auf Partys der Besatzung eingeladen wird. Doch gerade, als sich zärtliche Bande zwischen ihr und Ash Tyler anbahnen, erschüttert eine Stromschwankung den gesamten Alltag an Bord:
Harry Mudd ist zurück, um den Sporenantrieb zu stehlen.
Harry Mudd ist zurück, um den Sporenantrieb zu stehlen.
Harry Mudd ist zurück, um den Sporenantrieb zu stehlen.
Und:
Harry Mudd ist zurück, um den Sporenantrieb zu stehlen.

III. Lobenswerte Aspekte.


Moralität.
Am Anfang hatte ich vor allem Angst.
Angst davor, dass es schon wieder eine Tierschutzfolge werden könnte (Gormagander Style!).
Angst, dass sich eine tragfähige Botschaft im Dunstkreis der Teenager-haften Gefühlsduselei verlieren könnte (bereits die Party hat mich viel zu stark an die Flurpartys im Studentenwohnheim erinnert).
Und Angst davor, dass die Folge von Mudds gewohntem Pech wie bei all seinen Unternehmungen geprägt würde.
Doch weit gefehlt.
Auch wenn ich die Tanzeinlage Stamets' mit Burnham arg konstruiert fand, waren die Worte des eifrigen Pilz-Forschers von ungleich größerer Wirkung.

"Sie dürfen sich nie verstellen, denn sonst kann eine Beziehung keinen Bestand haben."

Stamets predigt in seinem äußerst intimen Austausch mit Burnham für Ehrlichkeit als Grundfeste einer jeden Beziehung.
Dabei spielt es keine Rolle, ob dies eine partnerschaftliche Beziehung oder eine freundschaftliche ist, denn Ehrlichkeit und Offenheit sind Grundwerte jener Utopie, die Star Trek jenen Anstrich verleihen, dass die Menschheit der Zukunft sich wirklich weiterentwickelt hat.
In seiner Einfachheit war dies ein Moment von schlichter Eleganz, denn auf zwischenmenschlicher Ebene transportiere er einen Gedanken, der mehr als alles andere in der bisherigen Serie die Franchise repräsentierte.
Darüber hinaus bestärkte er einen wesentlichen Charakterzug, über den der Außenseiter Burnham zwar verfügt, aber durch die Begleitumstände ihrer 'Meuterei' längst zu kaschieren gelernt hatte. Nun wird er dank der Hilfe neu gewonnener Freunde wieder zu einem zentralen Bestandteil ihrer Figur – ein wunderbares Beispiel dafür, wie man Science Fiction benutzen kann, um in den unüberschaubaren Weiten des Alls an die eigenen Stärken zu appellieren.
Gerade in Zeiten, in denen Unaufrichtigkeit gesellschaftlich besonders hoffähig ist, erinnert es grandios an den unerschütterlichen Optimismus, der bereits die Originalserie getragen hat.
Daneben fand ich aber auch eine weitere Aussage ungemein ansprechend.
Niemand ist allein.
Selbst wenn sich Burnham hinter ihrer Rolle als Paria verkriecht, hat sie doch Leute um sich herum, die bereit sind, ihr zu helfen, Ratschläge zu geben oder da zu sein, wenn sie jemanden braucht. Manchmal muss man eben einfach nur bereit sein, diese Einmischung zuzulassen.
In dieser Rechnung möchte ich Tyler einmal ausnehmen (weil ich immer noch glaube, dass er ein Spion ist), selbst wenn ihn Burnham als Adressaten dieser Einsicht benennt. Sie hat nämlich ausgerechnet in Paul Stamets einen jener Freunde, von denen sie bis dato gar nichts weiß.
Manchmal wartet eben dass, was man sich immer gewünscht hat, tatsächlich gleich hinter der nächsten Ecke.


IV. Kritikwürdige Aspekte.
In diesem Bereich finden sich einige Elemente wieder, die nicht nur negative Seiten aufzeigen, sondern auch den ein oder anderen positiven Bereich benennen. Weil der Grundtenor dennoch zu negativ ausfiel, um die entsprechenden Punkte in den 'Lobenswerten Aspekten' unterzubringen, fallen sie heute einmal in diese Kategorie.


Charakter-Catwalk.

Lange habe ich überlegt, wer der Gewinner dieser Folge ist.
Die Antwort?
Es gibt keinen eindeutigen Gewinner.
Klar könnte man die Meuterin Michael Burnham anführen, die nicht nur die Hauptlast der Moralität, sondern auch einen guten Teil der Haupthandlung trägt.
Das einzige, was mich massiv gestört hat war, mit welcher der starken Frauenfigur unpassend anmutenden Schnelligkeit sie sich Ash Tyler an die Lippen warf.
Nicht, dass ich Burnham keine Beziehung gönne, aber ihr Liebes-Timing folgt so sehr Schema F, dass es wie ein Häkchen auf der To-Do-Liste eines Drehbuchautoren unter Zeitdruck wirkt. Dass die Meuterei-Sünderin darüber hinaus auch noch eine Jungfrau wie die Heilige Maria ist, trägt nicht unwesentlich zu meinem Bauchschmerz bei.
Mit einem Umstand komme ich allerdings besser zurande als die ein oder andere Internet-Besprechung:
Dass Burnham ausgerechnet ihre sexuelle Unerfahrenheit als Geheimnis an Stamets weitergibt.
Klar wirkt dies im ersten Moment weit hergeholt, aber Burnham hat sich gerade erst von der vulkanischen Philosophie abgewendet, um sich mit ihren verwirrenden Emotionen auseinanderzusetzen. Dass sie dieses Thema und ihre Unerfahrenheit im Moment mehr als alles andere beschäftigt und allein deshalb als glaubwürdiges Signal herhalten kann, finde ich unter den geschilderten Umständen (so sehr sie mir persönlich missfallen mögen) durchaus nachvollziehbar.
War vielleicht jemand anderes in der Lage, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen?


Ash Tyler, der deutlich mehr Screentime als zuvor erhielt, konnte sie nicht nutzen, um seinem aalglatten Image des lieben, guten und idealistischen Sicherheitsoffiziers zu entfliehen. Das seiner so kanten- wie eckenlosen Erscheinung nun auch noch die Gigolo-Rolle und die Paarungsbereitschaft Burnhams angedichtet wird, trägt nicht unbedingt dazu bei, ihn neben ungleich tiefer angelegten Charakteren wie Captain Gabriel Lorca, Saru oder Harry Mudd bestehen zu lassen.
Dahingehend waren Sätze wie "Eines muss ich sagen: Sie sind wirklich erstaunlich gut geerdet für jemanden, der ganze sieben Monate gefoltert wurde." aus dem Munde Paul Stamets' geradezu erfrischend, denn sie erinnerten - nicht zu Unrecht – daran, dass Tyler noch immer stark unter Verdacht steht, ein bestimmter Klingone in Menschengestalt zu sein.


Bliebe noch ebenjener Stamets.
So sehr ich ihn mag, gelingt es mir dennoch nicht, seine tatsächliche Rolle und seinen wirklichen Charakter zu erfassen. Wie ein Fisch, den ein Angler frisch aus dem Wasser gezogen hat, glitscht er mir ständig aus dem sicher geglaubten Griff.
Dies liegt vor allem darin begründet, dass er immer noch nicht über den Status eines Nebencharakters hinausgewachsen ist – und dass, obwohl mit "T=Mudd²" endlich eine Folge ausgestrahlt wurde, in der es eigentlich primär um ihn gehen sollte. Was für eine bessere Möglichkeit gibt es, als sich in einer Geschichte zu profilieren, in der man der einzige ist, der sehen kann, dass an der Zeitlinie manipuliert wird?
Diese Chance erhält Stamets aber nicht. Er wird stattdessen als erzählerisches Ventil verheizt:
Er gibt Burnham Beziehungsratschläge, sucht allein in ihr den universellen Problemlösungsansatz und nimmt sich – trotz vorheriger Beteuerungen, keine Zeit zu haben – eine gefühlte Ewigkeit heraus, um mit ihr das Tanzbein zu schwingen.
Am Ende bleibt Stamets‘ Sichtweise unerzählt, obwohl er wie kein zweiter die brachiale Wucht der Ereignisse abfängt. Eine verpasste Gelegenheit, die zwar zur monoperspektivischen Erzählweise passt, aber auch brutal daran erinnert, dass ihm in "Discovery" keineswegs die gleiche Bedeutung wie anderen zweiten Geigen á la Lorca, Saru oder Ash Tyler zukommt.
Und dann ist da noch Harry Mudd.


Es ist natürlich großartig, dass der flache Charakter aus TOS hier deutlich mehr Tiefgang erhält. Er erscheint geldgierig, gerissen, rachsüchtig, hinterhältig, berechnend, skrupellos, wortgewandt, anarchistisch, frech, manipulativ, verlogen – kurzum vielschichtig. Daneben wird allein von ihm der latente Humor der gesamten Episode getragen.
Doch Mudd ist Gewinner und Verlierer zugleich.
Nicht nur, weil er die sicher geglaubte Beute im letzten Moment verzockt.
Nicht nur, weil aus dem unabhängigen Freigeist ein Sklave in den Ketten der Ehelichkeit wird.
Und nicht nur, weil sich der Betrüger betrügen lässt.
Nein, am Ende ist Mudd wieder genau das, was er nicht sein sollte. Die viele Zeit, die man investiert hat, um die Witzfigur so vielschichtig auszugestalten, hätte man sich auch sparen können, denn am Ende ist Mudd genau wieder da, wo man ihn bei TOS gestohlen hat:
Ein Mann, der in seinem Unglück als Objekt der allgemeinen Belustigung dient.
Auch wenn das sicherlich seinen erzählerischen Reiz hat, wirkt es in Anbetracht der vielen erkennbaren Mühen, ihn zu einem würdigen Antagonisten aufzupäppeln, auch wieder ein wenig traurig, wenn der Psychopath zum Schluss gesenkten Hauptes auf seinen angestammten Platz als bemitleidenswerter Tropf zurückkehrt.
Auf der Liste der unterrepräsentierten Figuren finden sich ferner auch Captain Gabriel Lorca, der erste Offizier Saru, Kadett Sylvia Tilly sowie Dr. Hugh Culber wieder, denen in der Folge viel zu wenig Raum bleibt, um  Akzente irgend einer Art zu setzen. Immerhin war Mudds Ehefrau Stella großartig und passend besetzt.


Neues von der Resterampe.
Ich bin wirklich der letzte, der sich beschwert, wenn man sich stilvoll an alte Star-Trek-Elemente, Kanon-Inhalte oder gar chronologische Hütchenspiele wagt, aber das außer Kontrolle geratene Höhenfeuerwerk der siebenten Discovery-Episode "T=Mudd²" war eindeutig zu viel für meinen Geschmack.
Na klar, waren die Erwähnungen von Alpha Centauri, Anicium-Yurium und Betazed nette Respektbekundungen an alle vorherigen Serien.
Selbstverständlich war es schön, dass Mudd Lorca in bester Q-Manier als 'mon capitain' anredet, mit einem Becher wie in "Der dressierte Herrscher" zuprostet und endlich etwas mehr Background erhält.



Aber davon abgesehen war diese Folge ein wirres Konglomerat aus unpassigen Ersatzteilen, die Plots unschuldiger Star-Trek-Folgen verschiedener Serien grausam entrissen wurden. Es fehlte ganz einfach die subtile Cleverness, mit der sich die Schreiber bislang den Vorbildern genähert hatten.
Ein Weltraumwal?
Hatten wir bereits im TNG-Piloten, "Der Empath", "Die Begegnung im Weltraum", "Elogium" oder "Euphorie".
Eine Person, die im Gegensatz zu allen anderen von den Auswirkungen zeitlicher Veränderungen verschont bleibt?
Könnte man (in deutlichen originelleren Abwandlungen) auch aus "Die alte Enterprise", "Der Visionär", "Temporale Sprüng" oder "Kalter Krieg" kennen.
Das perfekt durch-orchestrierte Verbrechen sah man bereits in "Badda-Bing, Badda-Bang"; die Idee, einen Zeitstrom so lange zu manipulieren, bis es passt, stammt aus dem Zweiteiler "Ein Jahr Hölle"; und die Romanze zwischen Hauptdarsteller und Spion langweilte Star-Trek-Anhänger spätestens seit der Beziehung zwischen Chakotay und Seska.
Aber während ich mit all dem munteren Ideenklau vergleichsweise noch gut leben könnte, stört mich am meisten, dass "T=Mudd²" eine dreiste Kopie der TNG-Folge "Déjà Vu" ist.
Dieser Diebstahl präsentiert sich als so unverhohlen offen, dass selbst der Einbezug von Harry Mudd den Karren nicht mehr aus dem Dreck zu ziehen versteht. Dazu noch ein bisschen "Pulp Fiction" dort, ein wenig "Und täglich grüßt das Murmeltier" hier und ein wenig "Ocean’s Eleven" da – und fertig ist eine Folge, die am Ende wirkt, als hätte man alle Elemente unmotiviert in einen Mixer geworfen und zwei Stunden lang zu einem grauen Einheitsbrei püriert.
Ich könnte jetzt ähnlich uninspiriert das berühmt-berüchtigte Janeway-Zitat

"Verdammte Zeitreisen! Schon am ersten Tag als Captain der Sternenflotte hab ich mir geschworen, dass ich mich nie in eine dieser Paradoxien hineinziehen lassen würde. Die Zukunft ist Vergangenheit oder umgekehrt - ich krieg‘ Kopfschmerzen davon."

in den Raum werfen und darauf warten, dass früher oder später ein eifriger Kommentator bemerkt, dass Zeitreisen eine gute alte Tradition der Franchise sei.
Das stimmt nämlich auch alles.
Aber wenn ich wirklich ein halbgares Potpourri aus alten Star-Trek –Erinnerungen mit stets fröhlich-humorigem Ausgang sehen möchte, kann  ich mir genauso gut eine Folge von "The Orville" anschauen und nicht die Star-Trek-Serie, die sich anschickte, alles anders zu machen und die angestaubte Franchise neu zu erfinden.


Mut zur Lücke.
Es spricht für die Experimentierfreudigkeit der Discovery-Produzenten, im Zweifelsfall zugunsten der Handlung auf einen Teaser zu verzichten. Es ist auch legitim, den Seiltanzakt zwischen Abgrund und Humor in dieser (wie ich finde sehr angenehmen) Art zu absolvieren. Ebenso kann man auch mal für eine Folge davon absehen, andere Handlungsstränge wie z.B. die Klingonen und ihr hochrangiges Entführungsopfer zu thematisieren, um die Spannung weiter zu steigern, neue Handlungsschauplätze zu eröffnen oder ältere Entwicklungen zu Ende zu erzählen.
Am Ende fühlte sich die Folge aber eher wie ein Pausenfüller an.
Es war eine Folge, in der der Zuschauer noch einmal Luft holen konnte, bevor das Tempo der beiden vorangegangenen Episoden wieder aufgenommen wird. Sie hängt thematisch in der Luft, ohne die generelle Handlung der Serie sonderlich voranzutreiben, wodurch es ihr verwehrt bleibt, dem größeren Geschehen einen aussagekräftigen eigenen Beitrag hinzuzufügen.
Ein Snack für zwischendurch ohne größeren Nährwert.


Kanonbrüche und Logiklöcher.
Weil die ein oder andere schwerwiegende Kanon-Unverträglichkeit bereits zur Genüge in vorangegangenen Besprechungen angeschnitten wurde, kommen wir einfach zügig auf den Punkt:
Den großen – zuvor nie gesehenen - Bruch findet man nicht.
Dafür gibt es eine ganze Reihe der üblichen kleineren Unstimmigkeiten, Unglaubwürdigkeiten und Widersprüche, die die Serie seit Ausstrahlungsbeginn wie ein Schatten verfolgen. 
Kann sich denn noch jemand daran erinnern, wie besorgt Burnham, Stamets und Culber waren, als das Bärtierchen plötzliche Verhaltensauffälligkeiten zeigte?
Als Stamets in dieser Episode ebenfalls deutliche und häufig angesprochene Wesensveränderungen zeigt, scheint niemand sonderlich besorgt um ihn zu sein. Und das, obwohl er in einer Beziehung mit einem der Bordärzte steckt, die Position des Chefingenieurs bekleidet und sein Wissen um den Sporenantrieb von kriegsentscheidender Bedeutung ist.
Bei Lichte besehen passt dies wiederum irgendwie ins Gesamtbild, denn die USS Discovery ist ein einziges Sicherheitsrisiko. Man kann vergleichsweise einfach an Bord gelangen, problemlos schiffsweite Explosionen auslösen und ein Sicherheitssystem wie den Computer so schnell übernehmen, dass einem selbst als Zuschauer schwindlig wird.


Als ob das nicht beunruhigend genug wäre, ist Mudd mittlerweile ein Geheimnisträger, der in seinem Wissen auf einer Ebene mit Lorca, Burnham oder Tilly steht und maximal von Stamets übertrumpft werden dürfte. Doch während alle anderen zur Geheimhaltung verpflichtet sind, muss sich der vorbestrafte Kriminelle zu keinerlei Stillschweigen bereiterklären, darf die Discovery trotz mehrerer Morde (oder zumindest Mordversuche) straffrei verlassen und zu allem Überfluss auch noch in der kriminellen Organisation eines zwielichtigen Unterweltbosses Unterschlupf finden. Wie erklärt Lorca sein Vorgehen dieses Mal seinen Vorgesetzten, nachdem er bereits wegen der Verpflichtung einer Meuterin, eugenischen Experimenten und dem Verlust eines hochrangigen Führungsoffiziers angezählt wurde?
Immerhin scheint der zwielichtige Captain dank des nicht minder zwielichtigen Gauners nun über einen Zeitkristall zu verfügen, der so ungefähr das ist, was 'Omega 13' bei "Galaxy Quest" war – sicherlich ein hilfreiches Werkzeug im Verlauf des weiteren Seriengeschehens.
Ansonsten gibt es insbesondere bei Mudd noch einige weitere Unstimmigkeiten.


Nachdem der Tunichtgut bereits in "Der Liebeskristall" mit Kristallen experimentierte, zaubert er nun (nie zuvor erwähnte) Zeitkristalle aus dem Hut. Was ist der Mann von Beruf gewesen, bevor er Verbrecher wurde? Ein Kristallograph?
Was ich allerdings noch unglaubwürdiger finde, ist der Umstand, dass er im Gefängnis mit einem Banküberfall prahlt, den er ausgerechnet auf Betazed durchgeführt haben will.
So sehr ich mich über die chronologisch erste Erwähnung der Heimatwelt Deanna Trois freue, so sehr finde ich sie auch zweifelhaft. Auf einer Welt von Supertelepathen mag man zwar mechanische Komponenten eines Tresors überwinden können, aber spätestens, wenn man sich davor oder danach unter das Volk mischt, wird der vermeintliche Clou schneller auffliegen als das Geheimnis des Sporenantriebs in dieser Episode.
Zudem wundert mich etwas, dass die Manipulation der Zeit keine temporalen Agenten wie Daniels auf den Plan ruft, die ansonsten ja ziemlich darauf bedacht sind, dass die Zeitlinie unangetastet bleibt.
Oder ist diese Art des Zeiteingriffs nur eine mindere Straftat, die man den lokalen Behörden überlässt?
Abschließend fand ich auch die Party an Bord der Discovery etwas arg anachronistisch. Zwar macht die Abkürzung 'D.I.S.C.O.' nun mehr Sinn als je zuvor, aber es wirkt doch merkwürdig old school, wenn man sich vor Augen hält, dass man in zweihundert Jahren immer noch Saufspiele wie Bier-Pong spielt, Disco-Kugeln und ähnliche Beleuchtung verwendet und vor allem Musik hört, die Bender in „Futurama“ als 'klassische Musik' bezeichnen würde. Immerhin war die Verwendung von "Stayin‘ Alive" eine nette Idee, die darüber hinaus auch noch der gesamten Folge einen süffisant-ironischen Unterton verlieh.



V. Übersetzung.
Hand auf’s Herz: In der deutschen Translation geht einfach vieles verloren.
Wenn beispielsweise der simple Dialog

You are mad!
No, I’m Mudd!

nur mit ein ungleich weniger wohlklingenden

Sie sind verrückt!
Nein, Mudd!

wiedergegeben werden kann, dann zeigt es sich deutlich, dass es Vorteile haben kann, auch die englische Sprache zumindest weit genug zu beherrschen, dass man mal eine Folge im Original sehen kann (und Netflix macht es uns dahingehend echt einfach).
Auch der damit in Verbindung stehende englische Titel "Magic to Make the Sanest Man Go Mad" (meine bescheidene Übersetzung dazu: "Ein Zauber, um den vernüftigsten Mann in den Wahnsinn zu treiben") ist natürlich um Längen schöner als der deutsche.
Wobei ich an dieser Stelle auch einmal eine Lanze brechen muss.
Der deutsche Titel ist – abgesehen von seiner mathematischen Fragwürdigkeit – durchaus akzeptabel und ich muss zugeben, dass die Übersetzung der Folge gerade in Bezug auf Mudd großartig ist. Insbesondere in seinen blumigen Umschreibungen ist sie eine eindeutige Kreativleistungen, die einmal auf angenehme Art an den Umgang mit Mudd noch zu Zeiten der Originalserie erinnert. Nicht zuletzt durch die Synchronisation fällt es im deutschen leichter, eine Brücke zwischen beiden Mudd-Versionen schlagen zu können.
Besonders freut mich stets jeder (auch noch so kleine) Auftritt Dr. Hugh Culbers; zumindest seitdem ich weiß, dass Benjamin Stöwe ihm seine deutsche Stimme leiht. Dass es mit dem Betreiber des 'kleinsten Star-Trek-Museums der Welt' 'einer von uns' geschafft hat, einen solchen Beitrag zu Star Trek zu leisten, rundet das 'Erlebnis Discovery' nur noch mehr ab.
Einziger Wehrmutstropfen sind wie immer die deutschen Untertitel, die ihre Aktivierung nach wie vor nicht rechtfertigen.


VI. Fazit.
"T=Mudd²" ist in meinen Augen die bislang schwächste Folge innerhalb der neuen Serie. Trotz einiger vielversprechender Ansätze verrennt sie sich in einer seelenlosen Wiederverwertung ausgiebig behandelter Themen, widerspricht einer inneren Logik in vielen kleinen Punkten und vermag es nicht, den einzelnen Figuren eine stringente Entwicklung zu verschaffen. Abgekoppelt vom größeren Erzählrahmen bedient sie eher die von ihr angeprangerten Wiederholungen, als die von ihr herbeigesehnten Veränderungen. Die anvisierte Neuerfindung Star Treks sucht man in der siebenten Episode jedenfalls vergebens.

Bewertung.
Das ist verrückt! Nein, Mudd!





VII. Schluss.

Da ist sie.
Meine erste negativere Rezension.
Es fühlt sich schlecht an, denn ein Teil von mir will natürlich, dass Discovery ein großer Erfolg für Star Trek wird. Aber ich habe haarklein dargelegt, was mir dieses Mal eben nicht gefallen hat.
Das interessante daran ist, dass mein negativer Eindruck von anderen nicht geteilt wird.
Rezensionen, die in den von mir positiv benoteten Folgen eher schlechte Seiten sahen, sprudeln nunmehr vor Lob für diese Episode über.
Das zeigt vor allem eines mit aller Deutlichkeit:
Keine Kritik hat einen Generalvertretungsanspruch. Menschen sind von Natur aus unterschiedlich und legen ihre Schwerpunkte auf verschiedene Aspekte. Es beruhigt mich sogar ein wenig, dass andere in dem, was ich mit Zweifel sehe, etwas erkennen können, das mir verborgen bleibt.
Am Ende muss sich nämlich jeder Zuschauer selbst ein Bild von "Discovery" machen und ein eigenes Urteil fällen. Rezensionen können fraglos dabei helfen, aber eine allgemein gültige Antwort liefert keine von ihnen.
Diese stellt darin keine Ausnahme dar.


Denkwürdige Zitate.


"Wir können uns alle glücklich schätzen, zusammen mit unseren Waffenkammeraden hier zu sein und lachen und tanzen zu können. Aber wir wollen dabei trotzdem all jene nicht vergessen, die im Kampf große Opfer erbracht haben oder ihr Leben für uns gegeben haben, damit wir weiterkämpfen können. Auf die zehntausend, die uns verlassen haben, die wir aber nie vergessen werden!"
Ash Tyler

"So ein Glück; Sie wurden vor dem Small Talk mit mir gerettet…"
Tyler

"Warum sollten Sie sich bitte für eine zufällige physische Interaktion entschuldigen? Genau dies sind doch die Momente, die das Leben so wunderbar unvorhersehbar machen!"
Paul Stamets zu Michael Burnham

"Und außerdem werde ich Sie so viele Male wie möglich umbringen…"
Harry Mudd

"Captain, geben Sie mir die Aufsicht darüber! Als Xenobiologin kann ich am besten die Bedürfnisse der Kreatur einschätzen."
"Mir egal, wer das macht. Regeln Sie’s einfach!"
"Dann überwache ich die Sicherheit bei der Operation, Captain."
"Gut! Ist mir genauso egal. Gehen Sie!"
Burnham, Lorca und Tyler

"Glauben Sie, dass der Wal bewaffnet ist?"
Medizinischer Offizier (vielleicht der Chefarzt der Discovery?)

"Käfer kennen keine Treue."
Mudd

"Egal wie oft ich das mache – es wird dadurch nicht besser."
Stamets

"Ist der Fisch sicher an Bord gelandet?"
"Genau genommen ist es kein Fisch. Es…"
Lorca und Saru

"Was zur Hölle machen Sie auf meinem Schiff?"
"Sie stellen mir diese Frage jedes Mal wieder. Das wissen Sie, oder? Nein, wissen Sie natürlich nicht."
Lorca und Mudd

"So leicht wie man das Schiff zerstören kann, wirkt das fast wie ein Konstruktionsfehler."
Mudd

"Wo ist Mudd jetzt?"
"Zu dieser Zeit bringt er meistens den Captain um…"
Burnham und Stamets

"Hey, ich hab da drüben einen echt heißen Typen gesehen und der scheint Musiker zu sein!"
Stamets zu Tilly

"Oh-oh! Eine Xenoanthropologin die in der Ecke steht. Studieren Sie etwa das Liebesverhalten gestresster Soldaten?"
Tyler zu Burnham

"Tanzen Sie mit mir! Zu Forschungszwecken… Ich muss ja sehen, mit wem ich es hier zu tun habe…"
Stamets zu Burnham

"Das ist ja ein verrückter Abend! Aber irgendwie auch interessant…"
Tyler zu Burnham

"Falls also irgendwer von Ihnen plant, sich zum Helden aufzuspielen – Sie eingeschlossen, beliebiger Sternenflotten-Kommunikations-Fuzzi – werden Sie sehen, dass es wenig gibt, was ich nicht weiß."
Harry Mudd

"Niemand besiegt Mudd."
Mudd

"Ach Lorca, es wird mir sehr fehlen, Sie zu töten. Adieu, mon capitain!"
Mudd zu Lorca

"Hör zu, Zuckerschnütchen: Ich bin vom Tag meiner Geburt an beschissen worden. Ich hab das hier verdient!"
Mudd zu Burnham

"Du weißt, wieviel Du mir bedeutet hast… bedeutest! Wieviel Du mir bedeutest, aber um ganz ehrlich zu sein: Mein Leben ist gesäumt von – ach, wie soll ich es nennen? – schlechten Entscheidungen, Schulden, Schandflecken die meinen Ruf beschmutzt haben und ich wollte nicht den Bund der Ehe mit dir eingehen, solange ich mich nicht davon befreien konnte. Und so zog ich los, um mich reinzuwaschen. Aber – und leider! – bin ich auf Abwege geraten."
Harry Mudd zu Stella

"So wie Wiederholung zu Wiederholungen führt, so bringt Veränderung Veränderung hervor. Die Wahrheit ist wohl, dass wir nie wissen können, was uns erwartet. Manchmal findet man nur dann heraus wo man hingehört, wenn man der täglichen Routine entflieht. Denn manchmal wartet das, was man sich immer gewünscht hat, gleich hinter der nächsten Ecke."
Burnham

Weiterführende Leseliste.

01. Rezension zu "Leuchtfeuer" und "Das Urteil"
03. Rezension zu "Lakaien und Könige"
04. Rezension zu "Sprung"
05. Rezension zu "Wähle Deinen Schmerz"
06. Rezension zu "Lethe"
07. Rezension zu "T=Mudd²"
08. Rezension zu "Si Vis Pacem, Para Bellum"
09. Rezension zu "Algorithmus"