Posts mit dem Label turon47 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label turon47 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 17. Januar 2018

Turons Senf zur elften Folge Discovery


Spoilerwarnung.

Diese Rezension enthält massive Spoiler zur aktuellen Discovery-Folge "Der innere Wolf". Es empfiehlt sich daher, diese und sämtliche vorherigen Folgen gesehen zu haben, bevor man mit dem Lesen fortfährt.



I. Einleitung.
Da hat mir doch tatsächlich jemand vor einigen Tagen die Pistole auf die Brust gesetzt und im Zuge eines Radio-Interviews gefragt, wie ich die neue Star-Trek-Serie Discovery eigentlich finde. Ich druckste herum, kratzte sinnfreie Worthülsen zusammen und gab letztendlich ein erstaunlich unverfängliches Statement.
Wenig später habe ich mich gefragt, warum ich eigentlich so reagiert habe.
Der Hauptgrund mag darin liegen, dass ich bislang schlichtweg noch nicht weiß, wohin die Serie führt. Ich habe jetzt einfach noch keinen Schimmer, ob die Prämisse der Serie mich zur Ausstrahlung der letzten Episode noch ansprechen wird, ob die Fortschritte in der Erzähltechnik am Ende die krassen Designbrüche rechtfertigen werden oder ob es nicht noch unbekannte Entwicklungen geben wird, die mich enttäuscht zurücklassen werden.
So hangle ich mich – irgendwo zwischen banger Furcht und brennender Neugier - von Folge zu Folge und vermeide eine direkte Antwort auf die Frage, wie ich Discovery denn finde so lange, bis ich meine Befürchtungen, Wünsche oder Prophezeiungen erfüllt sehe.
Oder eben nicht.


II. Story
Der Spiegeluniversumsalltag holt Captain Michael Burnham an Bord der ISS Shenzhou ein. Zwischen ihren Tagesroutinen wie gelangweilt auf dem Captains-Stuhl zu sitzen, Untergebene zu exekutieren oder sich Baden zu lassen, gewöhnt sie sich immer mehr an ihre Position, ihre Rolle und ihre Autorität und wird ein wenig aus dem Trott gerissen, als sie damit beauftragt wird, einen hochrangigen Rebellenführer in seinem Hauptquartier niederzumetzeln.
Umgehend treten Burnhams Sternenflotteninstinkte wieder zu Tage, denn die aus der Not geborene Widerstandsgemeinschaft aus Klingonen, Andorianern und Vulkaniern ist in diesem Universum so ziemlich der einzige Hort von Ideen, der den Föderationsidealen von Zusammenarbeit, Austausch und Miteinander wenigstens im Ansatz nahekommt. Sofort wittert sie eine Chance, die Aufständischen zum Wohle ihres eigenen Universums zu nutzen und verwässert die Befehle ihres gesichtslosen Imperators so lange, bis dieser persönlich auftaucht und die Maske des Schweigens fallen lässt…


III. Lobenswerte Aspekte.


Charaktermomente.
"Der innere Wolf" markierte die Rückkehr zur Perspektive Michael Burnhams und so wirkt es wohl nicht weiter verwunderlich, ihr die Pole-Position unter den Startern dieser Episode zuzugestehen. Sonequa Martin-Green spielt den von Eindrücken überschwemmten Charakter mit einer beneidenswerten Souveränität, vor allem wenn man bedenkt, dass sie sich in einer Tragödie griechischen Ausmaßes den Geistern der vergangenen Weihnacht (Sarek), der jetzigen Weihnacht (Georgiou) und der zukünftigen Weihnacht (Voq-Tyler) stellen musste. Ihr gelingt vor allem aber die Gratwanderung zwischen ihrer eigenen Welt und dem Spiegeluniversum, ohne sich in ihrem eigenwilligen Lösungsansatz nennenswert beirren zu lassen.
Die Reste des Casts sind bei Lichte besehen bessere Statisten. Fraglos spielt sich auch Shazad Latif den inneren Wolf von der klingonischen Seele, aber am Ende wirkt sein Coming Out doch etwas zu flach nach allem, was er für sein Ziel (was auch immer es gewesen sein soll) erdulden musste. Mein ganz persönlicher Höhepunkt war allerdings sein ungleicher Kampf mit sich selbst, der in seiner handgreiflichen Auseinandersetzung mit Mirror-Voq von der bloßen Metapher zum lebendigen Szenenbild mutierte. Immerhin eine schöne Idee, die man an dieser Stelle einmal lobend erwähnen sollte.
Ähnlich verhält es sich mit Tilly, Sarek oder Stamets. Fraglos agieren sie alle auf höchstem Level, aber ihnen fehlt der nötige Platz, um ihre Fähigkeiten angemessen zur Schau stellen zu können.
Immerhin bot sich Saru – vor allem in seinem etwas stark vom Grotesken geprägten Spiegelbild – und Detmer etwas Raum an, ohne dass die beiden Darstellungen allerdings einen Eindruck hinterließen, der vorherigem Lob nochmals die Krone aufsetzen würde.


Moral.
Wie bereits in der letzten Rezension beschrieben ist das Spiegeluniversum eine Sackgasse. Es ist das immer gleiche Lied vom ständigen Gegensatz des eigenen Seins mit den Umständen, die es geformt haben (vergleiche Denkwürdige Zitate). Das war in der Originalserie zweifelsohne mal eine nette Idee, aber schon bei Deep Space Nine oder Enterprise hatte sich dieser Topos erschöpft. Nachdem bereits "Nur wegen Dir" einen ähnlichen Weg einschlug muss ich nun eingestehen, dass es dieser Folge gelingt, das Spiegeluniversum um einen neuen Aspekt zu bereichern, der dennoch den traditionellen Interpretationsansätzen nahesteht. Es ist die gelungene Gratwanderung zwischen Neuinterpretation und Vergangenheitshörigkeit.
Dies liegt vor allem im Mix zweier grundlegender Aspekte begründet.
Zum einen ist Michael Burnhams standfester Glaube an die Prinzipien und Ideale von Föderation und Sternenflotte selbst in einer so düsteren Umgebung wie dem Spiegeluniversum nicht zu erschüttern.
Auf der anderen Seite versucht sie aber auch nicht, sich im sinnfreien Versuch zu verrennen, die verrohte Menschheit des Spiegeluniversums auf den rechten Weg zurückzuführen, sondern erkennt ihre Werte und Überzeugung auf Seiten der Rebellion wieder. Sie findet Inspiration in einer aus der Not geborenen Allianz aus Klingonen, Tellariten, Andorianern und Vulkaniern als alternative Interpretation der Föderation und fegt ganz nebenbei den recht homozentrischen Gedanken vom Tisch, dass es die Menschen sind, die der Föderation ihren Stempel aufdrücken. Stattdessen rückt sie die Idee von Kooperation, Demokratie und Völkerfreundschaft als universelles Leitmotiv in einen Mittelpunkt, der von allen Seiten getragen wird, wenn die Umstände es zulassen.
Ganz nebenbei findet sie darin sogar eine Lösung für die Konflikte ihrer eigenen Welt und einen Ausweg aus dem Krieg mit den Klingonen.
Gerade in diesem Punkt ist den Autoren gelungen eine eigene Utopie nachzuzeichnen, die in bester Star-Trek-Tradition steht, ohne unaufhörlich auf den altbekannten Motive herumzureiten.


IV. Kritikwürdige Aspekte.

Folgenanlage.
Fraglos ist es den Autoren gelungen, dem Spiegeluniversum eine clevere Daseinsberechtigung zu verleihen, aber der Preis dafür war erschreckend hoch.
So fällt auf, dass diese Episode knallhart mit ihrem Vorgänger bricht und das obwohl Jonathan Frakes sich sichtbar Mühe gegeben hat, eine ganze Reihe von Brücken zu bauen, von denen man bequem die Fahrt fortführen hätte können.
Aber nichts da; stattdessen werden die Karten neu gemischt und eine völlig neue Geschichte rückt in den Mittelpunkt, ohne sich thematisch allzu sehr um vorherige Cliffhanger zu kümmern. Wozu hat man sich überhaupt die Mühe gemacht Lorcas unerwartetes (und Burnhams Befehlen widersprechendes) Martyrium in der Agoniezelle zum dramatischen Abschlussbild der Folge zu stilisieren, wenn dieser Umstand letztendlich bestenfalls in einigen Nebensätzen Erwähnung findet?
Größer noch ist allerdings der Sprung von Multiperspektive zur Monoperspektive. Ohne Frage ist dies eine Burnham-Episode, in dem niemandem so viel Platz gelassen wird wie Sonequa Martin-Green. Zwar gibt es auch den ein oder anderen Ansatz für Tilly, Tyler oder Saru – aber auch wenn diesen zarten Anklängen von alternativen Handlungssträngen eine gewisse Bedeutung zukommt, verblassen sie doch im übergroßen Schatten der Hauptfigur. Schlimmer noch: Den knappen, übrig gebliebenen Platz müssen sich Stamets, Lorca und Co. auch noch mit lange nicht mehr gesehenen Gesichtern wie Sarek, Voq, T'Kuvma und sogar Captain/ Imperator Georgiou teilen. Und auf Spiegeluniversumscharaktere wie Killer-Detmer oder Schaumbad-Saru sei nur am Rande verwiesen.
Die Figurenbreite ist schlichtweg zu umfangreich und es fehlen eigentlich nur Mudd, Cornwell und L'Rell, um den Reigen der mehr oder weniger wichtigen Rollen der gesamten Serie endgültig vollzumachen. Im Endeffekt leiden an dieser Fülle die Nebenhandlungsstränge, die nur sehr sporadisch eingeworfen werden, um den roten Faden fortzuführen (so umfasst der wohl für die weitere Story wichtige Tilly-Stamets-Strang nur vier magere Szenen).


Im Hinblick auf die Spannung gelang es ebenfalls nicht in nennenswerter Weise Ausrufezeichen zu setzen (wenn man mal von einem Vorspann absieht, der erst nach knapp einer Viertelstunde einsetzt). Dass sich hinter Tylers Trauma-gebeugter Gestalt niemand anderes als Voq verbirgt, war spätestens seit "Nur wegen Dir" klar und dass es Michael Burnhams Dilemma vergrößern würde, wenn ihr früher idolisierter Captain Philippa Georgiou zum Imperator gekrönt würde, hat auch niemanden in meinem Dunstkreis wirklich vom Hocker gerissen. Tatsächlich hätte ich mir hier etwas mehr Mut von den Schreibern erhofft, denn ein Harry Mudd auf dem Thron des Terranischen Imperiums hätte der Folge eine in meinen Augen ungleich überraschendere Wendung beschert.
Hinzu kommt der immense Forderungskatalog, dem "Der innere Wolf" aufgrund seiner Sendeposution kurz vor Staffelende nachkommen musste.
Es war überfällig, Tyler als Voq zu enttarnen.
Der gesichtslose Imperator musste sein Antlitz offenbaren.
Stamets medizinischer Zustand steht noch immer in den Sternen.
In Anbetracht der Tatsache, dass uns nunmehr lediglich vier weitere Folgen bleiben um die Auswirkungen dieser und anderer Entwicklungen (z.B. der Krieg mit den Klingonen, Lorcas Intrigenspiel, das Scheitern des Sporenantriebs) zu thematisieren, kann man sich problemlos ausmalen, was für ein Husarenritt den Zuschauern innerhalb des nächsten Monats bevorsteht.




Logiklöcher und Kanonbrüche.
Es ist beileibe nicht alles doof in dieser Folge. So freute es mich, dass die Verantwortlichen sich den Spiegeluniversumsbart für Sarek aufgehoben haben. Die kurze schematische Darstellung des Inneren eines Klingonen war nicht weniger bemerkenswert. Und ich bin recht dankbar, dass das Make-Up-Make-Over für die Andorianer und Tellariten vergleichsweise milde ausgefallen ist.
Aber eine Sache störte mich dann doch massiv.
Während mich an den Abramstrek-Filmen unter anderem nervt, dass dort mit dem Transwarp-Beamen und den Superheilungskräften des Augment-Blutes hanebüchene Logikfehler bequemerweise mit Zauber-Elmenten zugeschüttet wurden, die nun jedoch in Abrede stellen, warum sich z.B. Picard in "Geheime Mission auf Celtris III" nicht einfachin den Föderationsraum zurückbeamt oder Tasha Yar in "Die schwarze Seele" überhaupt von Armus getötet werden konnte, hat Discovery nun geschafft, diese großen Schuhe thematisch ebenbürtig auszufüllen.
Mit dem rätselhaften und nur mäßig erforschten Myzel-Netzwerk verfügt man jetzt seinerseits ein Plot-Device, dass nicht nur große Entfernungen plötzlich überwinden kann, sondern auch in der Lage ist, verstorbene Crew-Mitglieder von den Toten auferstehen zu lassen.
Das ist eine bedenkliche Traditionslinie und es bleibt nur zu hoffen, dass dieser ganze Pilzantrieb so schnell wieder aus dem Star-Trek-Universum verschwindet, wie er sich dort vor einigen Folgen erst eingenistet hat.
Ansonsten gibt es selbstverständlich auch hier eine ganze Reihe merkwürdiger Ungereimtheiten.
So widersprechen die Verhüllungsfähigkeiten des Rebellenlagers der Aussage in "Die Tarnvorrichtung", dass den Klingonen dieser Realität die Tarntechnologie völlig unbekannt sei.
Überhaupt wirkt dieser ganze Föderationsvergleich (so schön er auch ist) etwas bemüht; vor allem wenn man sich vor Augen hält, dass die Allianz im Prinzip ein ähnlicher Haufen verbrecherischer Brutalos ist wie das Terranische Imperium und mit Tuvok sogar ein Vulkanier auf Seiten der Menschen kämpfen wird.
Ferner verwundert mich, dass Chekov anno dazumal für den Tötungsversuch an seinem Captain in eine Agoniezelle gesperrt wurde, während Tyler gleich zum Sterben ins All gebeamt wurde.
Immerhin war das für den Plot relevant.
Allerdings erklärt das nicht, warum die Discovery zufällig in Transporterreichweite war, als Tyler ins All veerfrachtet wurde, zumal das Schiff zu Beginn der Folge definitiv noch im selben Trümmerfeld herumdümpelte, in dem es bereits seit Anbeginn des Spiegeluniversumsabenteuers vor Anker lag.
Wie kamen das Schiff dorthin?
War es vielleicht doch mit der Shenzou im Orbit von Halkar?
Und warum nimmt die Imperatorin keine Notiz von der Discovery?


V. Synchronisation.
Die ist an und für sich ganz okay, wenn man mal von den typischen Übertragungsschwierigkeiten wie dem Duzen und Siezen absieht, die vor allem dann etwas deplatziert wirken, wenn irgendwann Burnham den Voq in Tyler zu siezen beginnt.
Ansonsten aber gibt es sogar den ein oder anderen Pluspunkt:
Detmers Stimme etwa wirkt im Deutschen deutlich lebendiger als im englischen Original.




VI. Fazit.
Zu den besten Folgen der Serie zählt "Der innere Wolf" vielleicht nicht, aber sie kann sich definitiv den Verdienst auf die Fahne schreiben, dass Spiegeluniversum durch eine Deutungsebene bereichert zu haben. Die Burnham-zentrierte Episode glänzt vor allem mit Momenten für ihre Hauptfigur und treibt die Handlung voran.
Und dennoch bleibt ein schales Gefühl zurück, weil die Folge sich erzählerisch übernommen hat, die Fehler J.J. Abrams wiederholt und auch sonst innere Schlüssigkeit oft genug vermissen lässt. Im Vergleich zu ihrem Vorgänger hinkt die Folge jedenfalls etwas hinterher.

Bewertung.
Ein etwas anderer Zugang zum Spiegeluniversum.






VII. Schluss.

Auch dieser Folge gelang es nicht in nennenswerter Weise, meine Entscheidungsfindungsphase nennenswert zu beeinflussen.
Im Gegenteil!
Zwar bot sie endgültige Auflösungen in einigen zentralen Handlungssträngen, aber nichtsdestotrotz sind wir von der endgültigen Auflösung noch immer meilenweit entfernt.
Und das vier Folgen vor Ende der ersten Staffel.
Darin liegt natürlich eine gewisse Spannung auf den Ausgang, die man durchaus als positiv werten kann. Inhaltlich aber ist es nicht gerade hilfreich ein Urteil über eine Serie zu fällen, die sich bis zum Schluss davor scheut, sich tiefer in die Karten blicken zu lassen.
So werden werde ich wohl erst im Februar eine Position beziehen können, die mehr umfasst als Sympathie, vorsichtiges Wohlwollen oder verhaltenen Unmut.


Denkwürdige Zitate.
"Ein… ein Sklave hat keinen Namen."
Mirror-Saru

"Wir alle sind Menschen. Wir haben alle die gleichen Triebe, die gleichen Bedürfnisse. Vielleicht weiß niemand von uns, aus welcher Welt er auch kommen mag, welche Dunkelheit in uns allen lauert.
"
Michael Burnham

"Ein totalitäres Regime ist naturgemäß ein ängstliches Regime."
Saru

"Manchmal rechtfertigt das Ergebnis furchtbare Mittel."
Gabriel Lorca

"Bitte, Sir, ich trage zwar kein Abzeichen mehr, aber ich gehöre zur Sternenflotte. Bitte zwingen Sie mich nicht, diese Koalition der Hoffnung zu vernichten."
Burnham zu Lorca

"Jede Schlacht hat zwei Seiten."
Burnham

"Du hast gesagt, ich wäre Deine Halteleine. Ash, ich brauche auch eine!"
Burnham

"Wir sind in einer archaischen und grausamen Welt gestrandet, aber wir sind immer noch die Sternenflotte. Wir leben und sterben immer noch nach ihren Gesetzen – wie abscheulich Ihre Verbrechen auch sein mögen."
Saru

Weiterführende Leseliste.
01. Rezension zu "Leuchtfeuer" und "Das Urteil"
03. Rezension zu "Lakaien und Könige"
04. Rezension zu "Sprung"
05. Rezension zu "Wähle Deinen Schmerz"
06. Rezension zu "Lethe"
07. Rezension zu "T=Mudd²"
08. Rezension zu "Si Vis Pacem, Para Bellum"
09. Rezension zu "Algorithmus"
10. Rezension zu "Nur wegen Dir"
11. Rezension zu "Der innere Wolf"


Samstag, 13. Januar 2018

Veranstaltungstipp: Star Trek vs. Star Wars Pub-Quiz in der Bar Gelb!


Das frisch angebrochene Jahr 2018 wird kein Jahr sein, in dem allzu viel in Sachen Star Trek passieren wird. Klar, gibt es die restlichen Brocken Discovery bei Netflix, aber es wird keinen Kinofilm geben. Es wird wohl auch bis 2019 dauern, bis die zweite Staffel Discovery ausgestrahlt wird. Und Fanfilme haben es in Zeiten repressiver Richtlinien ohnehin schwer, konkurrenzfähiges Material zu bieten.
So wird es wohl auch dieses Jahr darauf hinauslaufen, die ein oder andere Convention zu besuchen, sich an Tafelrunden festzuhalten und natürlich jedes Event mitzunehmen, das sich thematisch anbietet.

Dieser Tage bietet sich tatsächlich die Gelegenheit, eine Veranstaltung der etwas anderen Art zu besuchen und dafür nicht einmal in die Verlegenheit geraten zu müssen, wahre Weltreisen bis Düsseldorf, Gießen, Mannheim, Zweibrücken Bonn, Dortmund oder Deggendorf aus sich nehmen zu müssen. In der Bar Gelb hier in Brandenburgs Landeshauptstadt Potsdam wird am Montag, den 15. November 2018 um 20.30 Uhr ein "Star Trek vs. Star Wars" Pub-Quiz in der Bar Gelb in Potsdam abgehalten, das den hiesigen Mitgliedern der Tafelrunde die Möglichkeit eröffnet, auch außerhalb unserer eigenen Treffen sein eigenes Fan-Wissen mit anderen zu messen.


Dabei wird es 33 1/3 Fragen zu beiden Science-Fiction-Universen geben, bei denen man den Gesamtsieg, den Sieg in der Kategorie 'Star Wars' und vor allem den Sieg in der Kategorie 'Star Trek' davontragen kann. Dabei gibt es nicht nur Preise für jeden Kategorie-Champion, sondern auch für jeden der drei Einzelrundensieger.
Natürlich kann man sich durch intensives Film- und Folgenschauen vorbereiten und alles an Sekundärliteratur verschlingen, was Internet und Privatbibliothek hergeben, aber man kann sich natürlich genauso gut zurücklehnen, nach bestem Wissen und Gewissen antworten, Neues dazulernen und vor allem: Spaß am Knobeln haben.

Natürlich wird am kommenden Montag auch eine Delegation der Tafelrunde dabei sein, der Ihr Euch natürlich gern anschließen könnt. Für jeden Teilnehmer fällt dabei eine Startgebühr von fünf Euro an und wer sich seines Sitzplatzes sicher sein will, kann natürlich vorher einen Tisch unter (0331) 88715575 reservieren. Los geht’s um 20.30Uhr in der Charlottenstraße 29 in den altehrwürdigen Hallen der Bar Gelb.
Wir hoffen natürlich aufgrund unserer Ressourcen, dass es den Abgesandten der Tafelrunde gelingen wird, den Sieg zumindest in der Star-Trek-Kategorie davonzutragen, möglichst viele ihrer Mitglieder, Besucher und Blogleser wiederzusehen und natürlich an der ersten Star-Trek-Veranstaltung des jungen Jahres 2018 teilzunehmen – zumal es direkt vor der eigenen Haustür stattfindet…


Mittwoch, 10. Januar 2018

Turons Senf zur zehnten Folge Discovery


Spoilerwarnung
.
Diese Rezension enthält ausführliche Einblicke in die zehnte Star-Trek-Discovery-Folge "Despite Yourself". Wer diese oder vorangegangenen Folgen noch nicht gesehen hat, sollte an dieser Stelle unbedingt aufhören zu lesen.


I. Einleitung.
Eines, was man der aktuellen Star-Trek-Serie "Discovery" auf jeden Fall zugutehalten muss ist, dass sie Trekkies erstmals in der Geschichte der Franchise massenhaft dazu animiert, ausgiebige Background-Theorien, mikroskopisch kleine Verdachtsmomente und fantasievolle Plot-Vorhersagen zu formulieren, zu diskutieren und im Internet zu verbreiten. Im Zusammenspiel mit der Nachbesprechungs-Show "After Trek" hat dieser Umstand eine blühende Einzelfolgenreflektionskultur aus dem Boden gestampft, wie sie zuvor völlig unbekannt war – wahrlich neue Welten sozusagen.
Einige dieser Theorien sind mittlerweile zu Grabe getragen. Andere, wie zum Beispiel der Umstand, dass Tyler und der klingonische Spion Voq ein und die selbe Person sind, sind mit der aktuellen Folge Fakt geworden. Aber statt sich auf dem bislang Erreichten auszuruhen, gibt auch "Despite Yourself" statt zahlreichen Antworten eher noch mehr Fragen auf, über die sich die Fanscharen die Köpfe zerbrechen können…


II. Story.
Gestrandet irgendwo im galaktischen Nirgendwo versuchen sich Captain Gabriel Lorca und die Crew der USS Discovery in einer völlig neuen Umgebung zu orientieren. Nach einem kurzen Intermezzo mit einem aggressiven vulkanischen Schiff gelangt die Mannschaft rasch zur Erkenntnis, dass man in ein düsteres Spiegeluniversum verschlagen wurde, in dem eine düstere Version der Menschheit der Milchstraße eine düstere Terrorherrschaft aufzudrücken versucht.
Auf der verzweifelten Suche nach einem Weg in ihre Heimatzeitlinie ersinnen Michael Burnham und Lorca einen verwegenen Plan:
Sie wollen ihre finsteren Alter Egos nutzen, um sich Zugang zu geheimen Informationen über die gleichfalls hier gestrandete USS Defiant zu verschaffen, die eine sichere Passage zurück versprechen. So findet sich Burnham einen halsbrecherischen Plan später auf der ISS Shenzhou wieder, wo sie nicht nur den grausamen Umgangsformen dieser Realität genügen, sondern mit ihrem immer fragiler auftretenden Liebhaber Ash Tyler einen Unsicherheitsfaktor ausgleichen muss…

III. Lobenswerte Aspekte.

Charaktermomente.
In dieser Folge bleibt "Discovery" der Multiperspektive treu, wodurch es insgesamt fünf Figuren gelingt, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Ganz oben auf der Liste steht mal wieder der Name Gabriel Lorcas, auch wenn sein Charakter noch immer nicht wirklich zu fassen ist. Auf der anderen Seite bedeutet dies aber auch, dass er so vielschichtig daherkommt wie nach ihm kein zweiter im restlichen Cast, denn er spielt eine ganze Reihe von unterschiedlichen Rollen:
Als ränkeschmiedender Intrigant füttert er Burnham und Saru gezielt mit falschen Informationen, zieht als scheinbar geläuterter Regelfetischist Doktor Hugh Culber von seinem Partner Paul Stamets ab, wirft immer wieder plötzliche Selbsteinsichten um das eigene falsche Handeln ein und ersinnt schließlich eigenständig eine höchst waghalsige Selbstmordmission, bei der man sich nur schwer vorstellen mag, dass es allein um die Sicherstellung unbekannter Informationen geht.
Einmal mehr wagt er die am Ende überraschend glaubwürdige Gratwanderung zwischen einem Captain und einem Fanatiker, der auch mal seinen Kopf zwecks Glaubwürdigkeit an einer Wand blutig schlägt und sich in einer Agoniezelle wiederfindet, die in Anbetracht des nahen Staffelendes wohl nur der Anfang seiner wirklichen Leidenszeit bedeuten dürfte. Symptomatisch kann definitiv sein Statement "Und ich hatte gehofft, hier eine bessere Version von mir selbst zu finden." zu Protokoll gegeben werden, was bei aller vermeintlichen Flachserei nicht eines gewissen Körnchens Wahrheit entbehrt.


Erst nach ihm kann Michael Burnham als eigentlicher Serien-Star ins Feld geführt werden. Während sie anfangs eine eher untergeordnete und passive Rolle spielt, steigert sie sich ab jenem Moment, an dem sie die sichere Discovery verlässt, um an Bord der ISS Shenzou den Geistern ihrer Vergangenheit zu begegnen. Ihren zweifellos größten Moment hat der Charakter, als sie zum zweiten Mal Danby Connor beim Sterben zusehen muss – und dieses Mal gezwungen ist, den Dolch eigenständig in den Körper des jungen Mannes zu rammen. In großartiger Manier zeigt sie inmitten einer von Brutalität beherrschten Umgebung eine schmerzhafte Menschlichkeit, die mehr als jede Dialogzeile den Gegensatz zwischen ihrer Zeitlinie und dem Spiegeluniversum verdeutlicht.


Zu den Gewinnern wird man wohl auch Sylvia Tilly zählen können, die eine ähnliche Transformation durchmacht: Während sie zu Beginn eher als billiger Gag-Lieferant dient, entwächst sie durch die erzwungene Inbesitznahme des Kommandostuhls ihrer verantwortungsarmen Kadettenrolle und muss einen Teil der Handlung auf ihren Schultern tragen. Das lohnt sich vor allem für die Schauspielerin Mary Wiseman, die an dieser Stelle einmal durchschimmern lassen konnte, zu was für einer Darstellungsbandbreite sie fähig ist.


Auch Tyler erreicht endlich jenen Punkt, auf den er seit seiner Platzierung in der Serie hingearbeitet hat: Er offenbart sich als Voq – auch wenn  dieser Verwandlungsprozess beileibe nicht so reibungslos über die Bühne geht wie von L'Rell geplant. So leidet der vermeintliche Sicherheitsoffizier an den Nachwehen der eigenen Selbstfindung und Shazad Latif spielt diese Zerrissenheit mit allen Höhen und Tiefen so grandios, dass man als Zuschauer zwischen Abscheu, Mitleid und Schock schwebt. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die allerdings am Umstand leidet, dass der Shockfaktor dieser Enthüllung durch die Spürnase zahlreicher Anhänger bereits im Vorfeld bis zur Unkenntlichkeit abgemildert wurde.



Last but not least bleibt Doktor Hugh Culber zu nennen, der in dieser Folge plötzlich so viel Platz erhält wie nie zuvor (und ihn auch in einigen beeindruckenden Szenen auszunutzen versteht). Sein überraschender Tod, der das Versprechen auf ein "Game of Thrones" im Star-Trek-Gewand nochmals einlöst, erfährt nun von vielen Seiten massive Schelte.
Auf der einen Seite etwa steht die Kritik, dass damit ein Klischee bedient würde, das homosexuellen Paaren auf der Mattscheibe kein anhaltendes Glück vergönnt sei.
Andere wiederum beschweren sich, dass Culbers plötzliches Ableben vor allem deshalb keinen Sinn hätte, weil er für die Handlung keinen Beitrag leistete und ohnehin nur ein kleinerer Nebencharakter gewesen sei.
Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen, auch wenn ich an dieser Stelle einmal einwerfen will, dass der Tod nicht wählerisch ist. Tylers Kapitalverbrechen war aus seiner Perspektive durchaus nachvollziehbar, im Vergleich zu anderen Main-Cast-Abberufungen (ich erinnere nur an Tasha Yar, Jadzia Dax oder Trip Tucker) dramaturgisch sinnvoller eingearbeitet und drehbuchtechnisch werden mit seinem tragischen Ableben die Karten noch einmal neu gemischt. Die Figurenbeziehungen werden urplötzlich wieder auf den Kopf gestellt und ein anderes großes Versprechen, dass die Produzenten vor Serienstart gaben, erhält neuen Aufwind:
Konflikten zwischen den Charakteren mehr Raum zu gewähren.
Insofern mag der Abgang des Mediziners sicher mehr Schockmoment geboten haben als die Enthüllungen um Tylers Identität, doch sie bergen genug Potential, um den eigenen Ansprüchen der Serie gerecht zu werden. Und allen, die diesen unerwarteten Mord noch nicht verdaut haben, sei an dieser Stelle verraten, dass die Produzenten bereits offen angekündigt haben, dass Doktor Culber mitnichten "hundert Prozent tot" sei.
Der Fokus auf diese fünf Stützen der Episode lässt natürlich andere Figuren etwas in den erzählerischen Hintergrund abdriften. In diesem Zusammenhang sind zweifelslos L'Rell, Paul Stamets, Connor oder Saru zu nennen, auch wenn es ihnen gelingt, in der wenigen Zeit, die ihnen vergönnt blieb, kleinere Ausrufezeichen zu setzen. Im Orchester der Großen spielen sie aber dennoch nur die zweite Geige.


Location, Location, Location!
Tadaa! Das Spiegeluniversum.
Zugegeben; "Despite Yourself" symbolisiert in puncto Handlungsort wohl eher etwas Zucker für die Fans, der in erster Linie dazu dient, eine Nostalgie und Faszination heraufzubeschwören, der sich vor allem altgediente Fans nur schwer entziehen können. Das Spiegeluniversum gehört zu den Lieblingsschauplätzen der Star-Trek-Anhänger und seine Popularität erstreckt sich nicht umsonst über mehrere Star-Trek-Serien hinweg.
Diesen Zauber lenkt die Leidenschaft der Fans in lediglich zwei mögliche Richtungen:
Entweder man hasst diese Folge, weil sie mit den vorherigen Exkursionen in diese Zeitlinie nicht konkurrieren kann oder man ist so angetan vom sentimentalen Déjà-Vu-Erlebnis, dass man über die vielen Unzulänglichkeiten (das veränderte Imperiums-Symbol, die nie zuvor erwähnte Union von Andorianern, Vulkaniern und Klingonen sowie der viel weniger aufreizende Kleidungsstil) hinwegschauen kann.
Ich persönlich tendiere dazu, die Visualisierung des Spiegeluniversums (trotz ihrer Fehler) als durchaus gelungen zu betrachten, denn "Despite Yourself" gelingt es tatsächlich, das Feeling einer uns völlig gegensätzlich ausgerichteten Menschheit zu transportieren. Nicht ohne etwas Scham gestehe ich, dass mir noch immer das Herz pocht, wenn ein mir bekannter Charakter oder seine Entsprechung plötzlich die Hand von sich streckt und dem terranischen Imperium eine glorreiche Zukunft wünscht. Aber auch wenn ich im Grunde weiß, dass es nichts anderes ist, als ein Stück Zucker, dass mir vor die Füße geworfen wird, verfehlt das bei mir nicht die anvisierte Wirkung.
Aber die Empfindung eines von Nostalgie geblendeten Altfans ist nicht zwangsläufig ein Garant für Erfolg. Erfahrungsgemäß ist gerade für Neueinsteiger das ungewohnte Terrain dieser alternativen Zeitlinie holprig und vergleichsweise schwer zugänglich. Daher wird sich vor allem in der kommenden Folge zeigen müssen, wie es den Autoren gelingt, aus der anderen Seite des Spiegels mehr herauszuholen als die Erinnerungen an alte Folgen anderer Serien. Dort wird Discovery zeigen müssen, ob es in dieser Realität ebenso einen bleibenden Eindruck hinterlassen kann, wie zuvor die Originalserie, Deep Space Nine und Enterprise.


Mut zur Lücke.
Die haben CBS und Netflix bereits bewiesen, indem sie zwischen der Ausstrahlung der vorangegangenen Folge und dieser eine so große Zeitspanne vergingen ließen. Der Rückblick war nach dieser langen Wartezeit daher absolut sinnvoll.
Mut zur Lücke kann man aber auch darin sehen, dass "Despite Yourself" weniger für sich allein, als vielmehr als erster Part eines klassischen Zweiteilers steht. Schon allein deswegen ist er eigentlich schwer zu bewerten.
Doch es gilt noch mehr zu erwähnen als nur Ausstrahlungsdetails, denn erstmals in der Geschichte Star Treks stirbt ein Mitglied der Main Crew durch die Hand eines anderen Mannschaftsmitgliedes, dessen Schauspieler im Vorspann namentlich erwähnt wird.
Da aber liegt in meinen Augen der Hauptverdienst der Folge. Sie erinnert uns durch die Lücke, die der Tod Culbers gerissen hat daran, dass (abgesehen von Burnham) kein Charakter davor gefeit ist, im Verlaufe einer Folge das Zeitliche zu segnen. Genau dieser Aspekt trägt für mich die Spannung der Serie und schüttelt jenes in Langeweile mündende Gefühl ab, dass den von Hauptdarstellern gespielten Figuren ohnehin nichts passieren kann (außer natürlich, die entsprechenden Schauspieler wollen am Staffelende aussteigen). Culbers Tod ist, auch wenn er vielleicht nicht zu den ganz großen Namen im Reigen der Hauptfiguren zählen mag, eine leise Erinnerung daran, dass ein ähnliches Schicksal früher oder später auch Lorca, Tyler oder Stamets ereilen kann.


Hommage an den Kanon.

"Die Vorstellung von Parallelwelten gibt es bekannterweise schon seit dem zwanzigsten Jahrhundert."
Gabriel Lorca

Stimmt.
Zum Beispiel wurde das Prinzip in dieser Epoche hinlänglich bei Star Trek behandelt!
Nein, (schlechter) Scherz beiseite, die Anspielungen auf den Kanon und vorangegangene Serien waren natürlich kaum zu übersehen – und dabei spreche ich noch nicht einmal von den typischen Ausstaffierungen für das Spiegeluniversum, die von Dolchen, erddurchbohrenden Schwertern oder Agonie-Zellen reichen.
Nein, es sind eher Elemente wie das an "Enterprise" angelehnte vulkanische Schiff, die an die Originalserie angelehnte gelbe Datenkarte Doktor Culbers oder die Wartungsfähre, die in ähnlicher Form meiner Erinnerung nach zum ersten Mal in der "Technik der USS Enterprise" zu sehen war.
Höhepunkt dieser spielerischen Verbeugungen war jedoch der schottische Akzent, mit dem der (aus Liverpool stammende) Brite Jason Isaacs hier an einen der bekanntesten Chefingenieure der Franchise erinnerte.
Star-Trek-Veteran Jonathan Frakes leistet mit seiner ersten Star-Trek-Arbeit seit zwanzig Jahren ein stabiles Regiedebüt, auch wenn er stilistisch an ein anderes Star Trek anknüpft. Frakes macht nämlich nahtlos da weiter, wo J.J. Abrams vor fünf Jahren aufgehört hat – inklusive Wackelkamera und Lensflares. Natürlich schafft er es auch, einige eigene Akzente zu setzen (z.B. der Transporterraumwechsel von der USS Discovery zur ISS Shenzou), aber thematisch schert er nicht in nennenswerter Weise aus der Inszenierungstradition heraus, die "Discovery" von Ausstrahlungsanfang an prägt.
Mein Lieblingsmoment ist übrigens ein vergleichsweise unauffälliger Augenblick.
Als nämlich Burnham an Bord der ISS Shenzou die Stiefel auszieht.
Was nach einer eher zufälligen Geste aussieht, ist für mein Empfinden eher clever iniszenierte Absicht, denn in der Originalserie gibt es ein einziges Mal eine ähnliche Szene (wenn auch gespiegelt) zu sehen. Als Kirk sich sein Schuhwerk in "Was summt denn da?" anzog, wollte man dem konservativ-christlichen Publikum in Amerika auf diese Weise subtil zu verstehen geben, dass Kirk gerade Sex mit der Scalosianerin Deela hatte. Es blieb – trotz der vielen angedeuteten Affären Kirks - die einzige derartige Andeutung bei Star Trek und ich glaube nicht, dass es sich um einen Zufall handelte, dass wir eine gespiegelte Version davon in "Despite Yourself" miterleben konnten, bevor Burnham und Tyler wild auf dem Bett des Captain herumknutschten (um kurz darauf ihre Jungfräulichkeit zu verlieren).
Sollte dies der Fall gewesen sein, so war es ohne Frage die bislang stilvollste Referenz auf die ursprünglichste aller Star-Trek-Serien.


IV. Kritikwürdige Aspekte.

Logiklöcher und Kanonbrüche.
Abgesehen von den üblichen Verdächtigen wie dem zeitlich unpassenden Schiffsdesign, dem nicht minder unpassenden Äußeren der Klingonen und der erst recht nicht zeitgemäßen Technologie (Zauberspiegel, Holokommunikation, holografische Bedienelemente), die in vorangegangenen Rezensionen zur Genüge besprochen wurden, komme ich auch dieses Mal nicht umhin zu bemerken, dass es wiederum reihenweise Logiklöcher und Kanonbrüche gibt.
Schon in der Anlage des Spiegeluniversums setzt sich die Ignoranz der Seriendesigner gegenüber den klassischen Vorbildern fort. Mal abgesehen von Killy-Tillys etwas arg kometenhaften Aufstieg - es gibt plötzlich eine nie angedeutete Allianz aus Andorianern, Vulkaniern und Klingonen, die scheinbar jener aus Klingonen und Cardassianern als Vorläufer dient. Der knappe Bekleidungsstil des Universums wurde durch eine rüstungsähnliche Montur ersetzt, die nicht nur weit weniger ansehnlich ist, sondern auch erahnen lässt, wie schwer der Fahrstuhlkampf zwischen Burnham und Connor für die Darsteller gewesen sein dürfte. Und das Symbol des Spiegeluniversum erhielt eine so drastische Rundumerneuerung, dass man die Traditionslinien zwischen Enterprise und TOS gleich mit ausradierte. Stattdessen trieb man die Verwendung von Spiegeln und Spiegelungen so sehr auf die Spitze, dass wirklich jedes Erdenemblem falsch herum ist (was wirklich keinen Sinn ergibt).



Den zweiten großen Knackpunkt sehe ich in der Constitution-Klasse. Die USS Defiant des Spiegeluniversum dürfte auf keinen Fall so aussehen, wie in "Discovery" gezeigt, da in der Enterprise-Doppelfolge "Im dunklen Spiegel" deutlich mehr Einfühlungsvermögen für die Optik des dreiundzwanzigsten Jahrhunderts gezeigt wurde, als es jemals in dieser Serie der Fall war. Aber zum Glück könnte man sich ja so rausreden, dass es sich in Ermangelung von Informationen um Archivaufnahmen aus der eigenen Schiffsbibliothek handelte.
Daneben gibt es reihenweise Unstimmigkeiten in der Handlung, die an ihrer Glaubwürdigkeit zerren.
So erklärt sich mir trotz Schweigegelübdes nicht, warum Dr. Culber kein Sicherheitsteam anfordert, als er eine klingonische Manipulation bei Tyler feststellt. Mal ganz abgesehen davon, dass er zwar nicht der Chefarzt ist, aber trotzdem der einzige Mediziner auf der gesamten Krankenstation zu sein scheint.
Ebenso allein scheint Tyler auf der Brig der USS Discovery zu sein. Oder Tilly im Maschinenraum. Wer ist eigentlich der Chefingenieur in Abwesenheit Stamets'?
Zudem ist mir noch nicht so ganz klar, ob nun Tylers Persönlichkeit auf einen zum Menschen veränderten Voq liegt oder Voqs Persönlichkeit auf einem originalen Ash Tyler?
Falls ersteres der Fall ist: Warum erkennt der Medinziner Culber dann nicht bei seinen neuen, viel gründlicheren Scan die ursprüngliche DNA des Klingonen? Oder wurden sämtliche Knochen und (doppelten) Organe ausgetauscht?
Und falls zweiteres der Fall ist: Wozu muss ihm dann jeder Knochen gebrochen werden?
Es bleibt immerhin zu hoffen, dass zumindest die letzten Fragen in den kommenden Episoden zu unserer Zufriedenheit beantwortet werden…


Moralität.
So schön das Spiegeluniversum auch ist, so eintönig erscheinen inzwischen auch die durchgekauten Metaphern, die mit solchen Reflektionen einhergehen.
Was sind wir wirklich? Was macht uns aus?
"Despite Yourself", auf deutsch am ehesten "Abgesehen von Dir selbst", stellt diese Frage schon in seinem Folgentitel und entsprechend lässt sich dieses Motiv auch an den meisten Beteiligten ablesen.
Bei Burnham stehen sich Gegenwart und Vergangenheit gegenüber, bei Tyler duelliert sich eine menschliche mit einer klingonischen Hälfte um die Vorherrschaft, Stamets bewegt sich zwischen Zurechnungsfähigkeit und Wahnsinn und Lorcas Persönlichkeit hat so viele Facetten, dass man sie ohnehin nie klar fassen kann.
Über allem steht natürlich die Frage, die aufkommt, seitdem das Spiegeluniversum erstmals bei Star Trek eingeführt wurde:
Sind wir wer wir zu sein glauben oder ein Produkt der äußeren Umstände?
Sind die vermeintlich gegensätzlichen Identitäten wirklich so abwegig wie sie anfangs scheinen?
Diese Frage nach eigener Identität lässt sich am ehesten noch in Sylvia Tillys Erfahrungen ablesen.
Wirklich neu ist das allerdings nicht.
Wie bereits erwähnt wurden diese Fragen schon in anderen Spiegeluniversumsfolgen so ausführlich behandelt, dass sie inzwischen etwas hohl und verbraucht wirken.
Lorcas halbherziger Versuch, das Spiegeluniversum und die Rolle jedes Individuums an Begriffe wie Vorhersehung, Schicksal oder Bestimmung zu koppeln, wirkt in diesem Zusammenhang vergleichsweise bemüht und wiederspricht ein wenig dem gängigen Sujet Star Treks, dass jeder Mensch für sein eigenes Handeln eigenverantwortlich ist. Immerhin bildet Burnhams Opposition zu diesem Gedanken einen Lichtblick in Bezug auf kommende Episoden.


V. Synchronisation.
Die Zeichen stehen auf Abschied von Benjamin Stöwe, auch wenn nicht zuletzt wegen der deutschen Stimme zu hoffen bleibt, dass der Doktor noch einmal, zweimal oder gar noch öfter auftreten wird.
Ansonsten gibt die deutsche Synchronisation ein gemischtes Bild ab. Sie wechselt munter zwischen guten, holprigen und inhaltlich veränderten Übersetzungen, wodurch z.B. manche Dialoge vergleichsweise unbeholfen und bruchstückhaft wirken (z.B. in der Brig der Discovery oder im Bereitschaftsraum des Captains). Zudem geht der schottische Dialekt in der deutschen Übertragung traditionsgemäß völlig unter.
Desweiteren stört mich vor allem, dass die schlecht gewählten deutschen Episodentitel (wie kann man aus "Despite Yourself" allen Ernstes "Nur wegen Dir" machen?) nur selten rechtzeitig zur Erstausstrahlung der Folge zur Verfügung stehen. Das nervt nicht nur deutschsprachige Zuschauer, sondern auch Rezensenten. Ein wenig kommt der Verdacht auf, dass beim englischsprachigen Streamingdienst Netflix fremdsprachigen Inhalten keine größere Bedeutung beigemessen wird.


VI. Fazit.
"Despite Yourself" ist ein wahrer Leckerbissen vor allem für Altfans, der sich nicht darauf ausruht, Nostalgiegefühle zu schüren, sondern auch beginnt, entscheidende Entwicklungen aufzulösen. Die Episode glänzt mit einer Vielzahl von Charaktermomenten für Lorca, Burnham oder Tilly, liebevollen Querbezügen auf den Kanon und wagt es, kontroverse Entscheidungen zu treffen.
Gerade die Idee, einen der Charaktere kurz vor Zieleinlauf zu eliminieren ist ohne Frage mutig, aber definitiv nicht ohne ihren Reiz. So bemühen sich die Schreiber redlich, den eigenen Zielvorstellungen für die Serie zu entsprechen.
Dass sie dabei sprichwörtlich über Leichen gehen, zeigt sich aber auch darin, dass ihnen selbst das Spiegeluniversum nicht heilig ist. Auch ihm drücken sie den einen fragwürdigen Designstempel auf, allerdings ohne frische philosophische Ansätze zu formulieren. Viel vom Gelingen dieser Folge hängt jedenfalls vom Erfolg der nächsten ab, für die "Despite Yourself" eher als erster Teil dient.


VII. Schluss.
Nach dem Schauen ist vor dem Schauen.
Wieder sind der Spekulation Tür und Tore geöffnet.
Was treibt die Discovery derweil in der originalen Zeitlinie?
Wer könnte jener gesichtslose und grausame Imperator sein? (Georgiou natürlich)
Ist Stamets‘ Krankenbettgeflüster wirklich so zusammenhangslos, wie Culber behauptete? (natürlich nicht)
Stammt Lorca aus diesem Spiegeluniversum?
Und vor allem: Hat Lorca die USS Discovery mit Absicht ins Spiegeluniversum verfrachtet?
Wer geglaubt hat, dass den Mutmaßungen der Fangemeinde mit der Enthüllung der Identität Tylers ein Riegel vorgeschoben wurde, dürfte sich eines Besseren belehrt sehen. Stattdessen hebt sich "Discovery" die letzten Rätsel bis zum Schluss auf und bringt die Trekkies dieser Realität auf eine Art und Weise zusammen, wie nie zuvor.

Bewertung.





Ein Spaß für die gesamte Spiegeluniversumsfamilie!

Denkwürdige Zitate.

"Schön, dass Sie sich zu uns gesellen, Mr. Tyler! Es war ja auch nur ein gelber Alarm…"
Captain Gabriel Lorca

"Ich bin am qualifiziertesten, dafür zu sorgen, dass er wieder gesund wird! Wollen Sie überhaupt, dass er wieder gesund wird? Oder wollten Sie, dass all das hier passiert?"
Dr. Hugh Culber zu Lorca

"Das sind keine Nachbarn, die man mal eben um Zucker bittet."
Lorca über das terranische Imperium

"'Captain Killy'? Das ist wirklich etwas platt…"
Saru

"Ich habe versucht sie zu verstehen und die Stärke der Terraner ist aus purer Notwendigkeit entstanden. Sie führen ein Leben in ewiger Angst. Immerzu auf der Hut vor dem nächsten, mörderischen Hinterhalt. Ihre Stärke ist übertünchter Rost; nur eine Fassade. Aber Du hast die Stärke einer ganzen Crew die an Dich glaubt. Ziehe Kraft aus unserem Glauben an Dich! So macht ein echter Captain das auch."
Michael Burnham zu Sylvia Tilly

"So behandeln Sie ihren verlorengeglaubten Captain? Würden Sie mich so begrüßen, würde ich Ihre Zunge rausschneiden und damit meine Stiefel polieren."
Tilly zu Captain Danby Connor

"Es war ein harter Kampf Captain zu werden als Sie weg waren. Am Ende hab ich es dann geschafft. Der Imperator hat etwas in mir gesehen."
"Schön für Sie…"
"Die ganze Crew hat sich nach meinem Sieg verbeugt. Aber nicht tief genug verbeugt!  Nicht so tief wie vor Ihnen. Ich muss sie dazu bringen mich zu fürchten. Und jetzt weiß ich auch endlich wie…"
Connor und Burnham

"Lang lebe Captain Burnham! Lang lebe das Imperium!"
Brückencrew der ISS Shenzou

Weiterführende Leseliste.
01. Rezension zu "Leuchtfeuer" und "Das Urteil"
03. Rezension zu "Lakaien und Könige"
04. Rezension zu "Sprung"
05. Rezension zu "Wähle Deinen Schmerz"
06. Rezension zu "Lethe"
07. Rezension zu "T=Mudd²"
08. Rezension zu "Si Vis Pacem, Para Bellum"
09. Rezension zu "Algorithmus"
10. Rezension zu "Nur wegen Dir"
11. Rezension zu "Der innere Wolf"

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Die Tafelrunde empfiehlt zu Weihnachten...

Weihnachten steht vor der Tür und wie jedes Jahr drängt sich die Frage auf, was man seinen Liebsten schenken könnte. Wir als Tafelrunde haben den Blick zurück gewagt und zehn empfehlenswerte Leuchtturm-Geschenkideen herausgekramt, die wir so kurz vor dem Fest reinen Herzens empfehlen können. Und weil das Bild natürlich ein wenig fragwürdig wirkt, wenn wir hier nur ausgewählte Artikel über den Klee loben, schieben wir passend zur Gelegenheit noch drei Anschaffungen nach, von denen wir unbedingt abraten…


Unsere unbedingten Empfehlungen.

Qmx Jean-Luc Picard. Ein würdiger Vertreter der Reihe und das erste Mal, dass Qmx sich der TNG-Crew widmet. Dabei glänzt die Figur vor allem durch ihre Beweglichkeit, die durch die vielen Gelenkpunkte gewährleistet wird. Hinzu kommt, dass das ohnehin sehr hochwertige Produkt mit außergewöhnlichen Utensilien wie Druckknöpfen und einem Reißverschluss aufwarten kann. Abgesehen davon, dass das Gesicht große Ähnlichkeiten zum Vorbild aufweist, stimmt vor allem das Zubehör in den Charakter ein, denn Picards Figur gibt es selbstverständlich mit Earl-Grey-Tasse, PADD und einem Trikorder mit Magnet-Verschluss…
Kostenpunkt: 209,99€
Bezugsquelle: Filmfiguren24


Netflix. In unserer Liste darf natürlich der Internet-Streaming-Dienst nicht fehlen, auf dem man deutschlandweit die aktuelle Star-Trek-Serie „Discovery“ sehen kann. Selbst wenn man im Moment gerade auf den zweiten Teil der ersten Staffel (ab dem 7. Januar 2018) warten muss. Ja selbst, wenn man die neueste Inkarnation nicht so besonders gut finden sollte, lohnt sich die Anschaffung unbedingt, denn es gibt hier darüber hinaus auch alle anderen Star-Trek-Serien zu sehen. Und als ob das nicht genug wäre, verfügt das Internetfernsehen noch über andere spannende Alternativen wie The Expanse, Killjoys oder Dirk Gently, die das Anschauen lohnen…
Kostenpunkt: ab 7,99€ pro Monat
Bezugsquelle: Netflix-Seite

Five Year Mission Year 4. Für dieses Geschenk ist die Zeit zugegebenerweise recht knapp, denn die Möglichkeit die geniale Star-Trek-Band Five Year Mission über Kickstarter bei ihrem vierten Studioalbum zu unterstützen, hat man nur noch bis zum 21. Dezember 2017. Aber auch danach kann man sich ab Erscheinungsdatum das aktuelle Album der sympathischen Schrammelmusiker zulegen – und wenn es nur einigermaßen so gut wird wir die drei vorherigen, dann sollte man sich rechtzeitig seine eigene Version dieses musikalischen Hochgenusses sichern…
Kostenpunkt: ab 10$
Bezugsquelle: Kickstarter

Starfleet Deck Tiles. Wie schon im Artikel zum Rollenspiel-Anlauf von Modiphius erwähnt, sind vor allem die „Star Trek: The Next Generation Starfleet Tile Set“ selbst für Nicht-Rollenspieler die Anschaffung wert, da es kaum ein vergleichbar schönes Werk zum Innenleben der USS Enterprise NCC-1701-D gibt. Schaut man sie die verschiedenen Papp-Karten an, ist man automatisch mit an Bord jenes Schiffes, das für viele Fans die Grundlage ihres Fantums ist.
Kostenpunkt: 29,99£
Bezugsquelle: Modiphius


TNG-Warpkern USB-Aufladegerät. Natürlich gibt es eine Menge Powerbanks und andere technischer Geräte, mit denen man auf Autofahrten seine Mobilgeräte aufladen kann. Aber fraglos ist keines davon so stilvoll wie der TNG-Warpkern, der vor allem dunkle Automobile mit seinen Star-trek-typischen Leuchteffekten aufwertet….
Kostenpunkt: 32,99$
Bezugsquelle: Think Geek


Qmx Star Trek Voyager Kommunikator. Der äußerst hochwertige Kommunikator hat es nicht mehr nötig, sich mit einer spitzen Nadel durch die schöne Uniform zu bohren. Stattdessen verfügt er nicht nur über sehr starke Magneten (die über ausreichend Kraft verfügen, um zu verhindern, dass sie einfach so abfallen), sondern auch über die genau richtige Größe…
Kostenpunkt: 24,99€
Bezugsquelle: Filmfiguren24




Hallmark Captain Jean-Luc Picard and Lieutenant Commander Data. Natürlich darf in einer Liste wie dieser die beste Weihnachtsfigur aus dem Hause Hallmark nicht fehlen. Die Sonderausgabe zu dreißig Jahren TNG bildet eine vertraute Brückensituation ab und hat mit Picard und Data das wohl ikonischste Pärchen der Franchise zum Inhalt. Die sieben Soundeffekte bieten nicht nur einen guten Klang, sondern erinnern auch an klassische TNG-Momente, die man als Fan nicht missen möchte…
Kostenpunkt: 29,95$
Bezugsquelle: Hallmark


Ships of the Line Kalender. Jedes Jahr gelingt es den Machern des "Ships oft he Line" Kalenders auf neue, den Liebhabern von Star-Trek-Schiffs-Designs innovative und frische Perspektiven zu bieten, die keineswegs dem Standard von Schiffsansichten entsprechen, die man allenthalben im Internet finden kann. Jedem Monat kann man sich an einem neuen Bild erfreuen, das einen echten Blickfang bietet.
Kostenpunkt: 10,72€
Bezugsquelle: Amazon


Isolinearer USB-Stick. Unglaublich spannend sind ja insbesondere jene Merchandise-Artikel, die ebenso kreativ wie unauffällig mit der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Fangruppe spielen. Auf den ersten Blick kann man jedenfalls nicht erkennen, dass es ein Star-Trek-Fan sein muss, der dieses USB-Stick in Form eines isolinearen Chips benutzt. Man weiß aber als Außenstehender nichts von der Freude, die das Speichermedium auslöst, wenn es zu leuchten beginnt, sobald man es in einen passenden Slot einführt…
Kostenpunkt: 19.99$
Bezugsquelle: Think Geek



USS Enterprise NCC-1701 Untersetzer. Ihren realen Wert haben die Star-Trek-Untersetzer definitiv nicht in ihrer Funktion als Getränkeablage, denn die unterschiedlichen Schichten der USS-Enterprise, die man auf jedem einzelnen Glasdeckel sehen kann, wirken am besten, wenn man sich immer wieder einen Turm daraus baut, nur um ihn kurz darauf wieder genüsslich auseinanderzunehmen. Auf jeden Fall ist es eines von jenen Geschenken die man herauskramt, wenn einen die ‚wirklich guten‘ Freunde besuchen…
Kostenpunkt: 17,99$
Bezugsquelle: Think Geek


Da sagen wir: Hände weg davon!


Search for Spock. Die Idee, ein Star-Trek-Wimmelbild zu veröffentlichen ist an sich löblich und auch mehr als einmal kommt man nicht umhin, dem Werk die ein oder andere gute Idee oder nette Anspielung zuzugestehen. Im Großen und Ganzen bleibt aber zu bemängeln, dass die künstlerische Qualität des Buches fragwürdig ist, viel zu oft Personen nach dem Copy-&-Paste-System eingefügt werden und nicht einmal eine Seite mit Lösungen zu finden ist. Zudem ist das Buch trotz der Thematik beileibe nichts für Kinder…
Kostenpunkt: 14,99€
Bezugsquelle: Amazon



Hallmark Ornament Spock. Ist es künstlerische Freiheit, einer Popikone ein betont Comic-artige Erscheinung zu verleihen oder ist Hallmark mit dieser Interpretation von Spock nicht eher eine absolut flairfreie Figur gelungen? Die Abstrahierung ist jedenfalls besonders stark ausgefallen und sicherlich nicht nur für Fans etwas arg gewöhnungsbedürftig…
Kostenpunkt: 8€
Bezugsquelle: Deutsche Kinemathek


Kubras Mega Bloks Spock. Als ob man die Design-Exkurse von Star-Trek-Charakteren mit dem vorangegangenen Beispiel nicht schon genug schrecklich genug ausgefallen wären, setzt diese Variante mit einem Ausflug in den Kubismus dem ganzen noch die Krone auf. Am Ende kommt ein Produkt heraus, das nicht nur keine Schnittmenge mehr mit dem Original hat, sondern auch in puncto Hässlichkeit seinesgleichen sucht. ..
Kostenpunkt: 8€
Bezugsquelle: Deutsche Kinemathek


Natürlich gibt es auch noch andere Last-Minute-Geschenkideen. Eine Eintrittskarte für die Star-Trek-Destination Germany in Dortmund 2018. Oder die DVD von "For the Love of Spock". Oder den Rollenspiel-Borg-Kubus von Modiphius. Wenn Euch noch Sachen einfallen, die auf unserer Liste fehlen - dann her damit! Wir freuen uns über Eure Kommentare...


Sonntag, 17. Dezember 2017

Turons Senf zum Star-Trek-Rollenspiel-Anlauf von Modiphius.


I. Einleitung.

Als mich vor kurzem eine Kollegin (für eine Kostümparty) fragte, ob sie sich eine Uniform und vielleicht einige Star-Trek-Props von mir leihen könnte, fiel mir auf, dass ich zwar ein großer Fan von Star Trek, aber keineswegs einer von jenen begeisterten Jägern und Sammlern bin, von denen ich in den letzten zehn Jahren so einige kennen- und schätzen gelernt habe.
In meiner Garderobe hängt aber kein ausgefeiltes Star-Trek-Kostüm. Ich besitze kaum eine Action-Figur und schon gar nicht in der Originalverpackung. Und ich nenne noch nicht einmal einen Spielzeug-Trikorder mein Eigen.
Scheinbar teile ich nicht dieses zweifelhafte Verlangen, meine hart verdienten Taler mit vollen Händen für eine Science-Fiction-Serie auszugeben!
Ein Blick in meine Wohnung zeichnet aber ein deutlich anderes Bild als meine Selbsteinschätzung.
Ich mag keine Sammelteller, Weihnachtsornamente oder Dioramen besitzen, aber längst hat auch mich der Sammelvirus befallen, der in meinem Freundeskreis grassiert – wenn auch in ganz anderen Bereichen:
Mein Bücherregal quillt (zum Ärger meiner Frau) vor Primär- und Sekundärliteratur zu Star Trek förmlich über. Eine stattliche Eaglemoss-Raumschiffsammlung ziert mein Mobiliar. Und ich verfüge über eine so ansehnliche wie ausführliche Kollektion an Star-Trek-Rollenspielwerken, die von FASA über Task Force Games bis hin zu Last Unicorn Games und Decipher reicht.
Nun aber schickt sich mit Modiphius der mittlerweile sechste Produzent und Lizenzinhaber an, die Franchise mit einem neuen System zu bereichern. Und weil ich in meinem Herzen eben doch irgendwo ein Jäger und Sammler bin, kann ich an dieser Stelle aus erster Hand davon berichten…



II. Erscheinungsgeschichte.
Ende November 2016 berichteten die ersten Star-Trek-Portale davon, dass der britische Rollenspielentwickler Modiphius (Conan, Mutant Chronicles, John Carter of Mars) nach Jahren des Dornröschenschlafs endlich wieder neues Material für Pen-and-Paper-Rollenspiele für die Franchise bieten würde: "Star Trek Adventures". Auf Grundlage eines hauseigenen 2d20-Systems versprach man eine völlige Neuentwicklung und Neuausrichtung des Genres. Zudem versicherten die Produzenten, zusätzlich zu ihrem Angebot auch Miniaturfiguren zu vertreiben.
Im Mai 2017 erregten erste Meldungen Aufsehen, in denen Modiphius eine Spielbox in Form eines Borg-Kubus‘ veröffentlichen würde, dessen Preis sich um etwa 450€ bewegen sollte.
Bereits ab Anfang Juni konnte man das für Sommer 2017 angedachte Paket im Modiphius-Online-Shop bestellen – zusammen mit anderen wie einem Deckplan eines Galaxy-Schiffes ("The Next Generation Starfleet Deck Tiles"), einem Buch mit vorgefertigten Abenteuern ("These Are the Voyages, Vol. 1") oder einem Game-Masters-Screen käuflich erwerben, wobei die Lieferzeiten für Ende August angesetzt wurden.

III. Lobenswerte Aspekte.


Figuren. Als jemand, der alle bisherigen Inkarnationen der Star-Trek-Rollenspiele zur Genüge kennt, muss ich gleich an erster Stelle das wirklich Außergewöhnliche an diesem Spiel hervorheben, das sogar Nicht-Spieler ansprechen könnte:
Die Miniatur-Figuren, die man zum Spielen einsetzen kann.
Die 32mm großen Plastik-Avatare sollten vor ihrem Einsatz zusammengesetzt, sauber abgefeilt und bemalt werden, was sicherlich nicht nur für potentielle Spieler, sondern auch den ein oder anderen Do-It-Yourself-Modellbau-Enthusiasten interessieren dürfte.
Die Figurengruppen (acht Stück pro Packung) der TOS-Besatzung (Kirk, Spock, Pille, Sulu, Chekov, Scotty, Chapel und Uhura), TNG-Crew (Picard, Riker, Troi, Dr. Crusher, Data, La Forge, Worf und Yar), einer Gruppe klingonischer Krieger (aus der TNG-Ära) sowie einem romulanischen Außentrupp (ebenfalls aus der TNG-Ära) haben eine relative Ähnlichkeit zu ihren Vorbildern und einen recht hohen Detailgrad zu bieten.
Dabei sind die Figuren nicht zwingend zum Spiel notwendig und bei Lichte besehen sogar etwas unpassend für einen Rollenspielansatz, bei dem man in erster Linie seinen eigenen Sternenflottencharakter spielen soll. Nichtsdestotrotz bleibt dies ein nettes Gimmick für die Fans, da die Vorgängersysteme (trotz zum Teil deutlich besserer Anwendungsmöglichkeiten) keine solche visuelle Unterstützung bieten konnten (die siebzehn TOS-Sonderfiguren von FASA und die qualitativ nicht minder fragwürdigen Modelle von Heritage lasse ich an dieser Stelle mal nicht ganz zu Unrecht unter den Tisch fallen).
Als besonderer Bonus für all jene, die sich zum Kauf des Borg-Kubus‘ entschlossen hatten, gab es ferner noch Locutus von Borg, Lore und die Borg-Königin als Zusatzfiguren, die wirklich Lust auf mehr machen. Immerhin hat Modiphius bereits von Anfang an angekündigt, diesen ersten Modellen noch weitere Bausätze zu generischen Crewmitgliedern, Außerirdischen und Enterkommandos folgen zu lassen.



Gesamtpaket. Auch wenn der stolze Preis von immerhin 450€ für das Borg-Kubus-Gesamtpaket im ersten Moment etwas abschreckend wirkt, erweist es sich mit ein wenig simpler Mathematik als naheliegende Alternative, denn der Preis für alle einzelnen Komponenten (Regelbuch in der Deluxe-Variante, Game Masters Screen, vier Miniaturen-Sets, Thread-Tokens, mehrere spezielle Würfel, Pdf-Versionen aller Bücher) ist nur unwesentlich niedriger (ca. 440€), ohne dass man die stilvolle Box, die Zusatzfiguren oder eine Kurzbeschreibung der Aufgabenfelder miterhalten kann. Als Jäger und Sammler drängt sich diese Option daher nahezu auf.
Hinzu kommt, dass das Paket einen optisch überzeugenden Eindruck vermittelt, Neueinsteiger und Alt-Fans anspricht und bei aller Sperrigkeit einen echten Blickfang bietet.
Lohnenswert scheint ferner, auch das Angebot durch die einmalige Bestellung sämtlicher kommenden Ergänzungsbücher (immerhin umfasst dies ein Missionsbuch, drei Werke zu Kommando-, Ops- und Wissenschaftsabteilungen sowie vier Bücher zu Alpha-, Beta-, Gamma und Delta-Quadranten) für knapp 113€ noch einmal separat zu bestellen – sofern man jedenfalls die Printausgaben überhaupt noch benötigt. Ganz generell bleibt nämlich festzuhalten, dass jedes erworbene Buch auch die Berechtigung zum Download der entsprechenden Digitalvariante ermächtigt, was im Zeitalter von Smartphones, Tablets und E-Book-Readern durchaus von Vorteil ist.
Das Juwel der bisherigen Veröffentlichungen ist allerdings in keinem der Pakete mitinbegriffen. Unter der Aufsicht niemand geringerem als Rick Sternbachs hat Moduphius unter dem Titel "The Next Generation Starfleet Deck Tiles" Draufsichten verschiedener Bereiche eines Schiffes der Galaxy-Klasse veröffentlicht, die von beeindruckender Eleganz sind. Selbst für Nicht-Rollenspieler sind die Hartpappe-Karten eine lohnenswerte Anschaffung, die die eigene Bibliothek um ein weiteres Kleinod bereichern kann.
Neben Sternbach gelang es Modiphius übrigens noch eine ganze Reihe weiterer klanghafter Namen zu rekrutieren. So findet man in ihrem Mitarbeiterverzeichnis nicht nur Star-Trek-Rollenspiel-Urgesteine wie John Snead (Last Unicorn Games), Ross Isaacs (Last Unicorn Games und Decipher), Bill Maxwell (Decipher) wieder, sondern auch Namen wie Dayton Ward (verdienter Star-Trek-Buchautor), Scott Pearson (ein weiterer verdienter Star-Trek-Buchautor), Tobias Richter (deutsche Fan-Art-Koryphäe vor allem zu Star-Trek-Schiffen), Dan Taylor (von IDWs Star Trek Comics) oder Patrick Goodman (Online-Rollenspielveteran vor allem für Decipher und früherer Herausgeber eines Fan-Magazins). Neben anderen großen Namen wie z.B. David F. Chapman (Dr Who RPG), Jim Johnson (Shadowrun Augmentation) oder Nathan Dowdell (Conan) ergibt das Lineup einen vielversprechenden Ausblick auf das, was uns noch erwarten könnte.


IV. Kritikwürdige Aspekte.

Chaos beim Vertrieb. Wir schreiben das Jahr 2017. Kurz vor Jahresende bringt ausgerechnet eine Firma das neueste Star-Trek-Rollenspiel heraus, die spätestens 2019 mit den Auswirkungen des Brexits zu kämpfen haben wird. Dass Modiphius allerdings keinen EU-Austritt benötigt, um ein heilloses Durcheinander heraufzubeschwören, hat das Unternehmen im Zuge der Star-Trek-Rollenspiel-Veröffentlichung deutlich unter Beweis gestellt.
So verzögerte sich der geplante Veröffentlichungstermin von "Sommer 2017" oder "Ende August" auf "Anfang Oktober". Weil der deutsche Vertragspartner aufgrund der Buchmesse jedoch die Borgkubus-Boxen nicht rechtzeitig ausliefern konnte, wurde der Termin weiter häppchenweise verschoben, bevor Ende Oktober schließlich endlich die ersten Pakete Großbritannien verließen. Statt eines sommerlichen Rollenspielvergnügens erreichte das Paket schließlich erst Mitte November seinen Zielort im inzwischen eher winterlichen Deutschland.
Und obwohl ich die laut Anzeige auf der Website die vierundzwanzigste Person war, die einen Kubus erwarb, lautet meine Nummer (immerhin in einem Hologramm auf der limitierten Box vermerkt) 'achtunddreißig'. Da passt es natürlich nur glänzend ins Gesamtbild, dass eine Ecke des Würfels (wahrscheinlich beim Transport) eingedellt wurde.
Doch damit nicht genug. Der Kundenservice ist zwar unglaublich freundlich (einer der Vorteile bei britischen Firmen), hat aber auch unsinnige Geschäftsbedingungen (einer der Nachteile bei britischen Firmen): So ist es nicht möglich, bei Sammelbestellungen einzelne Posten zu stornieren.
Organisationstechnisch war der Startschuss für das neue Rollenspiel jedenfalls äußerst holprig und unangenehm langwierig. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieses Manko verflüchtigt, sobald sich der Staub des ersten Ansturms gelegt hat.


Gelddruckmaschine Star Trek. Es ist ein offenes Geheimnis, dass aus Star-Trek-Fans Geld gepresst wird. Trekkies bilden eben eine ebenso treue wie investierfreudige Anhängerschar, die bereit ist, für ihr Hobby auch Geld in die Hand zu nehmen – insbesondere, wenn es sich um Objekte mit vermeintlichem Sammlerwert handelt. Zwar sind die goldenen Jahre der Franchise längst vorbei, aber es lohnt sich noch immer, Fans mit aufsehenerregenden Angeboten aus dem Schneckenhaus zu locken.
Einen Satz von acht Mini-Figuren für knapp 46€, einen Packen Star-Trek-Würfel für 21€ oder einen Satz schlecht produzierter Token für 17€ kann man schon als teuer bezeichnen, zumal ähnliche Produkte bei anderen Produktlinien im Modiphius-Shop oft ein wenig günstiger ausfallen (so sind beispielsweise Einzelwürfel bei Mutant Chronicles einen Euro günstiger).
Das hinterlässt vor allem dann einen etwas schalen Nachgeschmack, wenn man sich vor Augen hält, dass die mitgelieferte Menge an Threat-Token, D20 und D6 nicht einmal den Angaben im Regelbuch entsprechen und man selbst nach dem Erwerb der Borg-Box noch gezwungen ist, entweder teuer nachzukaufen oder Alternativen zu suchen (ich persönlich schwöre ja auf Pokerchips).
Dabei steht schon längst fest, dass weitere Kosten auf jeden Sammler zukommen werden. Nicht nur, dass weitere sieben Bücher angekündigt wurden; es wird auch noch weitere Mini-Figuren sowie weitere Schiffs- und Geländekarten geben.
Ärgerlich ist daran vor allem, dass die Lizenz von Modiphius nicht ganz Star Trek miteinschließt. So ist das alternative Kinofilm-Universum J.J. Abrams inhaltlich explizit ausgenommen und auch die Frage, ob "Star Trek: Discovery" von kommenden Büchern thematisiert wird, wurde bislang noch nicht beantwortet. Es bleibt wohl an den Fans und Spielleitern, diese Lücken innerhalb ihrer Abenteuer mit eigenen Antworten zu schließen.


Qualitative Mängel. Vieles am Modiphius-Star-Trek-Rollenspiel wirkt einfach noch viel zu unfertig.
So zum Beispiel die Thread- und Momentum-Token, die nicht nur in ihrer Anzahl (was bitteschön soll man mit jeweils zwanzig bzw. sechs Plättchen anfangen?) völlig ungenügend sind, sondern auch wirken, als wären sie von Mehltau befallen. Hinzu kommt, dass die Aufschriften sämtlicherweise spiegelverkehrt sind, was den Eindruck einer liederlichen und interessenlosen Produktion weiter verschärft.
Ähnlich sieht es auch bei den Würfeln aus. Obwohl das Regelbuch angibt, dass man bis zu fünf d20 und bis zu sechs d6 benötigt, entspricht die Ausstattung keineswegs diesen Vorgaben. Insgesamt bietet das Spiel nämlich nur 12d6 und drei Mal (in den drei verschiedenen Abteilungsfarben) 3d20. Obgleich die Menge vielleicht dem Minimalwert für drei Spieler entspricht, ist einerseits abzusehen, dass die Spieler ständig untereinander Würfel tauschen müssen und dass dem Spielleiter als eigentlichem Adressaten zum Erwerb eines solchen Borg-Kubus' keine eigenen Würfel übrigbleiben.
Dieser Trend zum Nicht-Zu-Ende-Denken setzt sich leider auch bei den Figuren fort.
Ein kleiner Zettel informiert den Käufer nämlich darüber, dass Scottys Arm an Kirks Gussform angebracht wurde, Kirks Arm an Sulus Seite weilt und Sulus Arm bei Kirk gelandet ist.
Da passt es nur ins Bild, dass auch der Borg-Würfel an einer Ecke eingedellt ist.
Derlei Schludrigkeiten finden sich auch in den Büchern wieder.
Die erste Version des Regelbuches war so sehr mit Rechtschreibfehlern übersät, dass man selbst als Nichtmuttersprachler immer wieder entnervt die Hände über dem Kopf zusammenschlug, wenn man sich durch das englischsprachige Werk quälte.
Hinzu kommt, dass ein Großteil der Zeichnungen innerhalb der Bücher wirklich gruselig sind. Mal abgesehen von den Schiffszeichnungen, Speziessymbolen und Raumschlachtszenen sind vor allem die Versuche Außerirdische dazustellen, zumeist grandios gescheitert. Trotz einiger weniger positiver Ausreißer möchte ich an dieser Stelle einmal insbesondere die Zeichnungen auf den Seiten 179, 212 und 216 als Beispiele für Illustrationen anführen, auf die man zum Wohl der allgemeinen Qualität besser verzichtet hätte.
Ich würde an dieser Stelle sogar so weit gehen zu sagen, dass Star-Trek-Rollenspiele Im Gegensatz zu vielen anderen Pen-and-Paper-Fantasiewelten nicht darauf angewiesen ist, derartige Zeichnungen überhaupt zu verwenden. Die Franchise verfügt nämlich über den Vorteil, dass im Laufe von dreizehn Kinofilmen und sieben Serien genug Bildmaterial verfügbar ist, um auf künstlerische Ergänzungen dieser Art zu verzichten. Modiphius‘ Vorgänger Decipher hat jedenfalls bereits deutlich gezeigt, dass man Regelbücher auch mit Screenshots, Fotos und Prop-Aufnahmen versehen kann ohne damit das Genre zu zerstören oder Identifikationsgefühl bei den Fans zu beschneiden.
Selbst bei den eingangs so über den Klee gelobten "Deck Tiles" gibt es übrigens einen Qualitätsmangel, denn es fehlt eine kurze Beschreibung, was dort eigentlich genau abgebildet wird. Zwar bilde ich mir ein, mich wirklich gut auf einem Schiff der Galaxy-Klasse auszukennen, aber selbst mir hat sich nicht jeder Raum, jedes Büro oder jede Besenkammer auf Anhieb erschlossen. Eine Kurzbeschreibung – und wenn sie nur (wie die Beschreibungen zu den falsch zugeordneten Armen) auf einem losen Beipackzettel geschrieben worden wäre – hätte diesem ganz besonderen Stückchen Star Trek gut zu Gesicht gestanden.
Schließlich bleibt mir noch ein wichtiger Punkt, den Modiphius bislang schuldig bliebt.
Die große Stärke vorangegangener Rollenspiele war stets, dass sie ein solchen ausgiebigen Zusatz an Informationen besaßen, dass sie nicht selten auch wieder einen Einfluss auf Star Trek hatten. So war die Saladin-Klasse nicht nur im Hintergrund des zweiten Star-Trek-Films zu sehen, sondern auch in einigen Task-Force-Games-Büchern. Viele Bildschirminformationen vor allem in der ersten Staffel TNG (z.B. in "Der große Abschied") stammten aus FASA-Werken. Und die Konzeption Andorias, wie es in "Enterprise" zu sehen war, basierte größtenteils auf dem Last-Unicorn-Klassiker "Among the Clans".
Eine solche Entwicklung ist bei Modiphius vorerst nicht zu erkennen. Aber zu einem Zeitpunkt, an dem gerade einmal das Grundregelbuch und eine Missions-Sammlung erschienen sind, ist das vielleicht noch etwas zu viel erwartet. Es wird wohl kommenden Publikationen obliegen, die bislang kaum kreativ über den Kanon herausreichenden Informationen mit einigen wirklich spannenden Konzepten zu unterlegen. 


V. Das Rollenspielsystem.
Ohne um den heißen Brei herumzureden:
"Star Trek Adventures" macht Spaß und ist vor allem im Vergleich zu seinen Vorgängern simpel sowie sehr einsteigerfreundlich gehalten. Das Spielsystem ist übersichtlich und mit wenigen Ausnahmen versehen. Dabei bleibt das Grundregelbuch vernünftig aufgebaut, erklärt die Charakter-Generation erstaunlich idiotensicher und glänzt mit vielen Beispielen und Anwendungsmöglichkeiten für Tests, Attribute oder Zweikämpfe. Das spannendste am Modiphius-Rollenspielsystem ist aber ohne Frage der kreative Umgang mit Bedrohung, Erfolgen und Zusammenarbeit. Das clevere System um Threat- und Momentum-Tokens macht das Spiel tatsächlich spannender und hilft dem Spielleiter, einem Abenteuer ebenso einen roten Faden wie auch einen klassischen Showdown zu verleihen. Auch die Idee der Values als Maximen für die Lebensweise eines Charakters sind im ersten Moment zwar gewöhnungsbedürftig, aber im Endeffekt eine doch sehr spannende und vor allem sehr Star-Trek-lastige Idee.
Es gibt aber auch einige recht einseitige Momente.
So liegt das spielerische Hauptaugenmerk der "Adventures" auf einer Ära um 2371, was den allgemeinen Handlungsspielraum ziemlich einschränkt. Dem Spielleiter fehlen häufig geeignete Handreichungen, um Abenteuer in anderen Jahrzehnten anzusiedeln (so gibt es zum Beispiel keine Angaben zu Schiffen der NX-Klasse, fehlen Spezies wie Suliban, Bolianer und Deltaner oder Antagonisten-Charaktere wie Khan, Chang oder Dolim). Abenteuer mit einer Crew außerhalb der Sternenflotte sind mit dem bisherigen Material zumindest herausfordernd und die Angehörigkeit zu einer Berufsgruppe außerhalb der Sternenflotte (wie z.B. ein Barbesitzer wie Quark, ein Schurke wie Mudd oder ein Botschafter wie Sarek) gar überhaupt nicht möglich.
Das liegt vor allem in der recht begrenzten Auswahl an Attributen und Disziplinen begründet, deren grundlegender Unsinn sich spätestens dann offenbart, wenn man erkennt, dass selbst Tieren wie Mugatos, Targs oder Sehlats theoretisch der Zugang zu Fähigkeiten wie Conn, Engineering oder Science möglich wäre.
Dieser Trend zur setzt sich bei Spezies fort, deren Sonderfähigkeiten nicht in angemessener Weise Tribut gezollt wird. Stattdessen obliegt es allein dem Spielleiter, etwa bei Vulkaniern an zweite Augenlider, ihre relative Unempfindlichkeit bei extremer Hitze oder die Praxis der Heiltrance zu denken. Andere Sprachen, Kampfsportarten oder Psi-Kräfte finden sogar gar keine angemessene Umsetzung für ein Rollenspiel.
Daneben hat man auch keinen großen Spielraum beim Ausbau eines Charakters, da Veränderungen so eingeschränkt sind, dass man auch nach einer jahrelangen Spielzeit am Ende mit einem Charakter versehen ist, der sich wertetechnisch nur minimal von seinem Startpunkt unterscheidet.
Schließlich versäumt es Modiphius bislang auch, Charakterbögen für (vorab vollmundig angekündigte) Symbolfiguren wie Kirk oder Picard zu liefern, die nicht nur Orientierung bei der Kreation eigener Charaktere gegeben hätten, sondern auch besonders Neueinsteiger angesprochen hätten.


VI. Fazit.
Knapp einen Monat nach dem Start der Star-Trek-Rollenspiel-Sparte von Modiphius läuft noch lange nicht alles rund. Inhaltliche, qualitative und organisatorische Mängel haben den Neubeginn so ziemlich verhagelt.
Dennoch ist beileibe nicht alles schlecht. Erstmals gibt es ansprechende und vernünftige Miniatur-Figuren. Der Borg-Kubus ist als Gesamtpaket ideal für Neueinsteiger und alte Hasen. Und das spannende Spielsystem bietet in der Tat eine Menge Potential, das vor allem kommende Veröffentlichungen zur Blüte bringen können.
Modiphius ist es gelungen, Star-Trek-Rollenspielen wieder ein wenig Aufmerksamkeit zukommen zu lassen und bislang sieht es so aus, als ob es sich durchaus lohnen könnte. Der größte Leidtragende dürfte – wie stets bei größeren Star-Trek-Publikationen – das eigene Portmonee werden, dem erhebliche Gewichtseinbußen bevorstehen dürften.


VII. Schluss.
Mich als alten Hasen, der sich inzwischen offen zu seiner Existenz als Jäger und Sammler bekennt, freut es natürlich, dass Modiphius nun dem totgeglaubten Rollenspielmarkt neues Leben einhaucht. Ein weiteres System ist zwar eine neue Herausforderung, weil man völlig neue Regeln verinnerlichen muss und völlig neue Rahmenbedingungen hat, aber ich habe für mich selbst beschlossen, das beste aus meiner großen Sammlung zu machen. Wenn mir Abenteuer aus dem "Triangle" von FASA gefallen, dann passe ich das eben an mein Rollenspiel an. Wenn ich die große Bandbreite an Attributen und Disziplinen bei Last Unicorn Games brauche, dann bastle ich sie mir hinein. Wenn ich das Ausbausystem von Decipher bevorzuge, dann kann ich auch das so ummodelieren, dass ich es anwenden kann. Und wenn ich die Threat- und Momentum-Idee aufgreifen möchte, kann ich auch das in mein eigenes Rollenspielsystem integrieren.
Modiphius bringt endlich wieder frischen Wind in die Rollenspieler-Gemeinde. Selbst wer sich nicht auf was völlig Neues einlassen will, findet hier zumindest Inspiration, alternative Ideen und zusätzliche Möglichkeiten, die es wert sind, Teil der eigenen Sammlung zu werden.