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Sonntag, 21. Januar 2018

Eaglemoss Nr.76: Die Baxial


Einleitung

Über die Figur des Mr. Neelix in "Star Trek - Voyager" gibt es natürlich auch geteilte Meinungen. Die einen fanden ihn lustig und genial, andere wiederum einfach nur nervig und als den Clown für zwischendurch. Das kann man sehen wie man will, aber ohne Neelix hätte der Serie wohl definitiv etwas gefehlt.
Interessant ist dabei das kleine Raumschiff, das Neelix gehört. Dabei handelt es sich um ein talaxianisches Shuttle mittlerer Größe, das Neelix als Frachter benutzt und den Namen Baxial gab. Das Schiff ist in etwa so groß wie ein Shuttle der Sternenflotte. Da die Talaxianer die Transportertechnologie nicht kennen, besitzt die Baxial eine große Andocklucke. Darunter befindet sich der Frachtraum. Natürlich ist das Schiff in der Lage auf Planeten zu landen. In dem kleinen Cockpit befinden sich die Konsolen, mit denen das Schiff gesteuert wird. Aufgrund der Enge können diese nur im Stehen bedient werden. Am Heck befindet sich das Antriebsmodul mit dem kombinierten Warp- und Impulsantrieb. Jahrelang nutzt Neelix sein Schiff für den Handel mit anderen Völkern und zum Schluß als Frachter für Schrott, den er aus zerstörten Schiffen birgt. Als 2371 die U.S.S. Voyager NCC-74656 in den Delta-Quadranten geschleudert wird und diese auf Neelix Schiff trifft, bietet er der Besatzung seine Hilfe an. Neelix bleibt die nächsten sieben Jahre als Koch und selbsternannter Moraloffizier an Bord. Seinen kleinen Frachter nimmt er natürlich auch mit, denn dieser passt problemlos in den Hangar des Intrepid-Klasse Schiffes. Im Jahr 2373 beweist die Baxial ihren Wert, als ein Rettungsteam der Voyager mit ihr heimlich in das Akitirianische Territorium eindringt, um zwei fälschlicherweise verurteilte Crewmitglieder zu retten, die in einer Gefängnisstation eingesperrt wurden. Die Aktion gelingt und die Baxial bringt alle sicher zurück zur Voyager.

Die Baxial neben der Gefängnisstation. (Bild: ex-astris-scientia.org) 





Das Innere des Cockpits. (Bild: Memory Alpha)
Die Baxial beim Abdocken von der Voyager. (Bild: ex-astris-scientia.org)
Neelix' Schiff neben dem Delta Flyer. (Bild: Memory Alpha)

Das Modell

Mit dem Modell der Baxial hat Eaglemoss erneut ein ziemlich gutes Produkt abgeliefert. Natürlich wurde der übliche Materialienmix verwendet, wobei dieser aber hier so geschickt umgesetzt wurde, dass man erst nach mehrmaligem Abtasten des Modells erkennen kann, was aus Plastik und was aus Metall besteht. Letzteres überwiegt den Plastikanteil, denn anscheinend besteht nur die Unterseite des Cockpits und die Frachtmodule aus Kunststoff.
Die Größe wurde gut gewählt und auch die Darstellung der vielen Oberflächendetails ist nicht minder gelungen. Die Cockpitfenster werden wie üblich mit einer schwarzen Fläche dargestellt. Man erkennt viele einzelne Details und auch die andersfarbigen Hüllenplatten wurden bedacht. An der Backbordseite erkennt man die große Andocklucke und darunter die Frachtmodule. Auch das Antriebsmodul wurde mit vielen Details wie Leitungen und den Antriebsdüsen versehen. Erfreulicherweise werden diese mit blauen Klarteilen dargestellt, was natürlich immer das i-Tüpfelchen bei den Modellen ist. Kritikpunkte...naja die Baxial hat eigentlich keine. Gut, man könnte kritisieren, dass die kleinen Antennen auf der Oberseite des Kockpits fehlen, aber darüber kann man ruhig hinwegsehen.
Die Baxial ist ein gut gelungenes Modell.

Bedacht wurden auch die Leitungen am Heck.

Erfreulicherweise werden die Anriebsdüsen mit Klarteilen dargestellt.

Die Halterung

Das Modell wird mit dem Heck in zwei Halteklammern eingerastet.

Begleitheft

Wie üblich: Erst kommt eine Einführung, die die Auftritte der Baxial in der Serie beschreibt und darauf folgt das Schiffsprofil. Auf nur zwei Seiten wird die Entstehung des Schiffes beschrieben, aber leider nicht grade sehr informativ. Auf den letzten sechs Seiten beschreibt Ethan Phillips, der Schauspieler der Neelix verkörperte, seine Erfahrungen mit der Rolle und über seine Arbeit bei anderen Star-Trek-Folgen. So spielte er zum Beispiel in der TNG-Episode "Die Damen Troi" den Ferengi Dr. Farek, hatte einen Gastauftritt im Film "Der erste Kontakt" als Oberkellner in der Holodeckszene und war zuletzt - wiederum als Ferengi - 2002 in der ENT-Folge "Raumpiraten" zu sehen.

Spezifikationen


Daten zum Modell


L x B: ca. 117 mm x 53 mm
Höhe mit Stand: ca 79 mm
Material: Kunststoff und Metall
Hersteller: Eaglemoss Collections 2017


Bewertung und Fazit

Das Modell der Baxial wurde sehr gut umgesetzt. Ich sehe keinen Grund diesem keine volle Punktzahl zu geben. Gute Arbeit, Eaglemoss und für Neelix-Fans definitiv zu empfehlen!


Mittwoch, 10. Januar 2018

Turons Senf zur zehnten Folge Discovery


Spoilerwarnung
.
Diese Rezension enthält ausführliche Einblicke in die zehnte Star-Trek-Discovery-Folge "Despite Yourself". Wer diese oder vorangegangenen Folgen noch nicht gesehen hat, sollte an dieser Stelle unbedingt aufhören zu lesen.


I. Einleitung.
Eines, was man der aktuellen Star-Trek-Serie "Discovery" auf jeden Fall zugutehalten muss ist, dass sie Trekkies erstmals in der Geschichte der Franchise massenhaft dazu animiert, ausgiebige Background-Theorien, mikroskopisch kleine Verdachtsmomente und fantasievolle Plot-Vorhersagen zu formulieren, zu diskutieren und im Internet zu verbreiten. Im Zusammenspiel mit der Nachbesprechungs-Show "After Trek" hat dieser Umstand eine blühende Einzelfolgenreflektionskultur aus dem Boden gestampft, wie sie zuvor völlig unbekannt war – wahrlich neue Welten sozusagen.
Einige dieser Theorien sind mittlerweile zu Grabe getragen. Andere, wie zum Beispiel der Umstand, dass Tyler und der klingonische Spion Voq ein und die selbe Person sind, sind mit der aktuellen Folge Fakt geworden. Aber statt sich auf dem bislang Erreichten auszuruhen, gibt auch "Despite Yourself" statt zahlreichen Antworten eher noch mehr Fragen auf, über die sich die Fanscharen die Köpfe zerbrechen können…


II. Story.
Gestrandet irgendwo im galaktischen Nirgendwo versuchen sich Captain Gabriel Lorca und die Crew der USS Discovery in einer völlig neuen Umgebung zu orientieren. Nach einem kurzen Intermezzo mit einem aggressiven vulkanischen Schiff gelangt die Mannschaft rasch zur Erkenntnis, dass man in ein düsteres Spiegeluniversum verschlagen wurde, in dem eine düstere Version der Menschheit der Milchstraße eine düstere Terrorherrschaft aufzudrücken versucht.
Auf der verzweifelten Suche nach einem Weg in ihre Heimatzeitlinie ersinnen Michael Burnham und Lorca einen verwegenen Plan:
Sie wollen ihre finsteren Alter Egos nutzen, um sich Zugang zu geheimen Informationen über die gleichfalls hier gestrandete USS Defiant zu verschaffen, die eine sichere Passage zurück versprechen. So findet sich Burnham einen halsbrecherischen Plan später auf der ISS Shenzhou wieder, wo sie nicht nur den grausamen Umgangsformen dieser Realität genügen, sondern mit ihrem immer fragiler auftretenden Liebhaber Ash Tyler einen Unsicherheitsfaktor ausgleichen muss…

III. Lobenswerte Aspekte.

Charaktermomente.
In dieser Folge bleibt "Discovery" der Multiperspektive treu, wodurch es insgesamt fünf Figuren gelingt, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Ganz oben auf der Liste steht mal wieder der Name Gabriel Lorcas, auch wenn sein Charakter noch immer nicht wirklich zu fassen ist. Auf der anderen Seite bedeutet dies aber auch, dass er so vielschichtig daherkommt wie nach ihm kein zweiter im restlichen Cast, denn er spielt eine ganze Reihe von unterschiedlichen Rollen:
Als ränkeschmiedender Intrigant füttert er Burnham und Saru gezielt mit falschen Informationen, zieht als scheinbar geläuterter Regelfetischist Doktor Hugh Culber von seinem Partner Paul Stamets ab, wirft immer wieder plötzliche Selbsteinsichten um das eigene falsche Handeln ein und ersinnt schließlich eigenständig eine höchst waghalsige Selbstmordmission, bei der man sich nur schwer vorstellen mag, dass es allein um die Sicherstellung unbekannter Informationen geht.
Einmal mehr wagt er die am Ende überraschend glaubwürdige Gratwanderung zwischen einem Captain und einem Fanatiker, der auch mal seinen Kopf zwecks Glaubwürdigkeit an einer Wand blutig schlägt und sich in einer Agoniezelle wiederfindet, die in Anbetracht des nahen Staffelendes wohl nur der Anfang seiner wirklichen Leidenszeit bedeuten dürfte. Symptomatisch kann definitiv sein Statement "Und ich hatte gehofft, hier eine bessere Version von mir selbst zu finden." zu Protokoll gegeben werden, was bei aller vermeintlichen Flachserei nicht eines gewissen Körnchens Wahrheit entbehrt.


Erst nach ihm kann Michael Burnham als eigentlicher Serien-Star ins Feld geführt werden. Während sie anfangs eine eher untergeordnete und passive Rolle spielt, steigert sie sich ab jenem Moment, an dem sie die sichere Discovery verlässt, um an Bord der ISS Shenzou den Geistern ihrer Vergangenheit zu begegnen. Ihren zweifellos größten Moment hat der Charakter, als sie zum zweiten Mal Danby Connor beim Sterben zusehen muss – und dieses Mal gezwungen ist, den Dolch eigenständig in den Körper des jungen Mannes zu rammen. In großartiger Manier zeigt sie inmitten einer von Brutalität beherrschten Umgebung eine schmerzhafte Menschlichkeit, die mehr als jede Dialogzeile den Gegensatz zwischen ihrer Zeitlinie und dem Spiegeluniversum verdeutlicht.


Zu den Gewinnern wird man wohl auch Sylvia Tilly zählen können, die eine ähnliche Transformation durchmacht: Während sie zu Beginn eher als billiger Gag-Lieferant dient, entwächst sie durch die erzwungene Inbesitznahme des Kommandostuhls ihrer verantwortungsarmen Kadettenrolle und muss einen Teil der Handlung auf ihren Schultern tragen. Das lohnt sich vor allem für die Schauspielerin Mary Wiseman, die an dieser Stelle einmal durchschimmern lassen konnte, zu was für einer Darstellungsbandbreite sie fähig ist.


Auch Tyler erreicht endlich jenen Punkt, auf den er seit seiner Platzierung in der Serie hingearbeitet hat: Er offenbart sich als Voq – auch wenn  dieser Verwandlungsprozess beileibe nicht so reibungslos über die Bühne geht wie von L'Rell geplant. So leidet der vermeintliche Sicherheitsoffizier an den Nachwehen der eigenen Selbstfindung und Shazad Latif spielt diese Zerrissenheit mit allen Höhen und Tiefen so grandios, dass man als Zuschauer zwischen Abscheu, Mitleid und Schock schwebt. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die allerdings am Umstand leidet, dass der Shockfaktor dieser Enthüllung durch die Spürnase zahlreicher Anhänger bereits im Vorfeld bis zur Unkenntlichkeit abgemildert wurde.



Last but not least bleibt Doktor Hugh Culber zu nennen, der in dieser Folge plötzlich so viel Platz erhält wie nie zuvor (und ihn auch in einigen beeindruckenden Szenen auszunutzen versteht). Sein überraschender Tod, der das Versprechen auf ein "Game of Thrones" im Star-Trek-Gewand nochmals einlöst, erfährt nun von vielen Seiten massive Schelte.
Auf der einen Seite etwa steht die Kritik, dass damit ein Klischee bedient würde, das homosexuellen Paaren auf der Mattscheibe kein anhaltendes Glück vergönnt sei.
Andere wiederum beschweren sich, dass Culbers plötzliches Ableben vor allem deshalb keinen Sinn hätte, weil er für die Handlung keinen Beitrag leistete und ohnehin nur ein kleinerer Nebencharakter gewesen sei.
Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen, auch wenn ich an dieser Stelle einmal einwerfen will, dass der Tod nicht wählerisch ist. Tylers Kapitalverbrechen war aus seiner Perspektive durchaus nachvollziehbar, im Vergleich zu anderen Main-Cast-Abberufungen (ich erinnere nur an Tasha Yar, Jadzia Dax oder Trip Tucker) dramaturgisch sinnvoller eingearbeitet und drehbuchtechnisch werden mit seinem tragischen Ableben die Karten noch einmal neu gemischt. Die Figurenbeziehungen werden urplötzlich wieder auf den Kopf gestellt und ein anderes großes Versprechen, dass die Produzenten vor Serienstart gaben, erhält neuen Aufwind:
Konflikten zwischen den Charakteren mehr Raum zu gewähren.
Insofern mag der Abgang des Mediziners sicher mehr Schockmoment geboten haben als die Enthüllungen um Tylers Identität, doch sie bergen genug Potential, um den eigenen Ansprüchen der Serie gerecht zu werden. Und allen, die diesen unerwarteten Mord noch nicht verdaut haben, sei an dieser Stelle verraten, dass die Produzenten bereits offen angekündigt haben, dass Doktor Culber mitnichten "hundert Prozent tot" sei.
Der Fokus auf diese fünf Stützen der Episode lässt natürlich andere Figuren etwas in den erzählerischen Hintergrund abdriften. In diesem Zusammenhang sind zweifelslos L'Rell, Paul Stamets, Connor oder Saru zu nennen, auch wenn es ihnen gelingt, in der wenigen Zeit, die ihnen vergönnt blieb, kleinere Ausrufezeichen zu setzen. Im Orchester der Großen spielen sie aber dennoch nur die zweite Geige.


Location, Location, Location!
Tadaa! Das Spiegeluniversum.
Zugegeben; "Despite Yourself" symbolisiert in puncto Handlungsort wohl eher etwas Zucker für die Fans, der in erster Linie dazu dient, eine Nostalgie und Faszination heraufzubeschwören, der sich vor allem altgediente Fans nur schwer entziehen können. Das Spiegeluniversum gehört zu den Lieblingsschauplätzen der Star-Trek-Anhänger und seine Popularität erstreckt sich nicht umsonst über mehrere Star-Trek-Serien hinweg.
Diesen Zauber lenkt die Leidenschaft der Fans in lediglich zwei mögliche Richtungen:
Entweder man hasst diese Folge, weil sie mit den vorherigen Exkursionen in diese Zeitlinie nicht konkurrieren kann oder man ist so angetan vom sentimentalen Déjà-Vu-Erlebnis, dass man über die vielen Unzulänglichkeiten (das veränderte Imperiums-Symbol, die nie zuvor erwähnte Union von Andorianern, Vulkaniern und Klingonen sowie der viel weniger aufreizende Kleidungsstil) hinwegschauen kann.
Ich persönlich tendiere dazu, die Visualisierung des Spiegeluniversums (trotz ihrer Fehler) als durchaus gelungen zu betrachten, denn "Despite Yourself" gelingt es tatsächlich, das Feeling einer uns völlig gegensätzlich ausgerichteten Menschheit zu transportieren. Nicht ohne etwas Scham gestehe ich, dass mir noch immer das Herz pocht, wenn ein mir bekannter Charakter oder seine Entsprechung plötzlich die Hand von sich streckt und dem terranischen Imperium eine glorreiche Zukunft wünscht. Aber auch wenn ich im Grunde weiß, dass es nichts anderes ist, als ein Stück Zucker, dass mir vor die Füße geworfen wird, verfehlt das bei mir nicht die anvisierte Wirkung.
Aber die Empfindung eines von Nostalgie geblendeten Altfans ist nicht zwangsläufig ein Garant für Erfolg. Erfahrungsgemäß ist gerade für Neueinsteiger das ungewohnte Terrain dieser alternativen Zeitlinie holprig und vergleichsweise schwer zugänglich. Daher wird sich vor allem in der kommenden Folge zeigen müssen, wie es den Autoren gelingt, aus der anderen Seite des Spiegels mehr herauszuholen als die Erinnerungen an alte Folgen anderer Serien. Dort wird Discovery zeigen müssen, ob es in dieser Realität ebenso einen bleibenden Eindruck hinterlassen kann, wie zuvor die Originalserie, Deep Space Nine und Enterprise.


Mut zur Lücke.
Die haben CBS und Netflix bereits bewiesen, indem sie zwischen der Ausstrahlung der vorangegangenen Folge und dieser eine so große Zeitspanne vergingen ließen. Der Rückblick war nach dieser langen Wartezeit daher absolut sinnvoll.
Mut zur Lücke kann man aber auch darin sehen, dass "Despite Yourself" weniger für sich allein, als vielmehr als erster Part eines klassischen Zweiteilers steht. Schon allein deswegen ist er eigentlich schwer zu bewerten.
Doch es gilt noch mehr zu erwähnen als nur Ausstrahlungsdetails, denn erstmals in der Geschichte Star Treks stirbt ein Mitglied der Main Crew durch die Hand eines anderen Mannschaftsmitgliedes, dessen Schauspieler im Vorspann namentlich erwähnt wird.
Da aber liegt in meinen Augen der Hauptverdienst der Folge. Sie erinnert uns durch die Lücke, die der Tod Culbers gerissen hat daran, dass (abgesehen von Burnham) kein Charakter davor gefeit ist, im Verlaufe einer Folge das Zeitliche zu segnen. Genau dieser Aspekt trägt für mich die Spannung der Serie und schüttelt jenes in Langeweile mündende Gefühl ab, dass den von Hauptdarstellern gespielten Figuren ohnehin nichts passieren kann (außer natürlich, die entsprechenden Schauspieler wollen am Staffelende aussteigen). Culbers Tod ist, auch wenn er vielleicht nicht zu den ganz großen Namen im Reigen der Hauptfiguren zählen mag, eine leise Erinnerung daran, dass ein ähnliches Schicksal früher oder später auch Lorca, Tyler oder Stamets ereilen kann.


Hommage an den Kanon.

"Die Vorstellung von Parallelwelten gibt es bekannterweise schon seit dem zwanzigsten Jahrhundert."
Gabriel Lorca

Stimmt.
Zum Beispiel wurde das Prinzip in dieser Epoche hinlänglich bei Star Trek behandelt!
Nein, (schlechter) Scherz beiseite, die Anspielungen auf den Kanon und vorangegangene Serien waren natürlich kaum zu übersehen – und dabei spreche ich noch nicht einmal von den typischen Ausstaffierungen für das Spiegeluniversum, die von Dolchen, erddurchbohrenden Schwertern oder Agonie-Zellen reichen.
Nein, es sind eher Elemente wie das an "Enterprise" angelehnte vulkanische Schiff, die an die Originalserie angelehnte gelbe Datenkarte Doktor Culbers oder die Wartungsfähre, die in ähnlicher Form meiner Erinnerung nach zum ersten Mal in der "Technik der USS Enterprise" zu sehen war.
Höhepunkt dieser spielerischen Verbeugungen war jedoch der schottische Akzent, mit dem der (aus Liverpool stammende) Brite Jason Isaacs hier an einen der bekanntesten Chefingenieure der Franchise erinnerte.
Star-Trek-Veteran Jonathan Frakes leistet mit seiner ersten Star-Trek-Arbeit seit zwanzig Jahren ein stabiles Regiedebüt, auch wenn er stilistisch an ein anderes Star Trek anknüpft. Frakes macht nämlich nahtlos da weiter, wo J.J. Abrams vor fünf Jahren aufgehört hat – inklusive Wackelkamera und Lensflares. Natürlich schafft er es auch, einige eigene Akzente zu setzen (z.B. der Transporterraumwechsel von der USS Discovery zur ISS Shenzou), aber thematisch schert er nicht in nennenswerter Weise aus der Inszenierungstradition heraus, die "Discovery" von Ausstrahlungsanfang an prägt.
Mein Lieblingsmoment ist übrigens ein vergleichsweise unauffälliger Augenblick.
Als nämlich Burnham an Bord der ISS Shenzou die Stiefel auszieht.
Was nach einer eher zufälligen Geste aussieht, ist für mein Empfinden eher clever iniszenierte Absicht, denn in der Originalserie gibt es ein einziges Mal eine ähnliche Szene (wenn auch gespiegelt) zu sehen. Als Kirk sich sein Schuhwerk in "Was summt denn da?" anzog, wollte man dem konservativ-christlichen Publikum in Amerika auf diese Weise subtil zu verstehen geben, dass Kirk gerade Sex mit der Scalosianerin Deela hatte. Es blieb – trotz der vielen angedeuteten Affären Kirks - die einzige derartige Andeutung bei Star Trek und ich glaube nicht, dass es sich um einen Zufall handelte, dass wir eine gespiegelte Version davon in "Despite Yourself" miterleben konnten, bevor Burnham und Tyler wild auf dem Bett des Captain herumknutschten (um kurz darauf ihre Jungfräulichkeit zu verlieren).
Sollte dies der Fall gewesen sein, so war es ohne Frage die bislang stilvollste Referenz auf die ursprünglichste aller Star-Trek-Serien.


IV. Kritikwürdige Aspekte.

Logiklöcher und Kanonbrüche.
Abgesehen von den üblichen Verdächtigen wie dem zeitlich unpassenden Schiffsdesign, dem nicht minder unpassenden Äußeren der Klingonen und der erst recht nicht zeitgemäßen Technologie (Zauberspiegel, Holokommunikation, holografische Bedienelemente), die in vorangegangenen Rezensionen zur Genüge besprochen wurden, komme ich auch dieses Mal nicht umhin zu bemerken, dass es wiederum reihenweise Logiklöcher und Kanonbrüche gibt.
Schon in der Anlage des Spiegeluniversums setzt sich die Ignoranz der Seriendesigner gegenüber den klassischen Vorbildern fort. Mal abgesehen von Killy-Tillys etwas arg kometenhaften Aufstieg - es gibt plötzlich eine nie angedeutete Allianz aus Andorianern, Vulkaniern und Klingonen, die scheinbar jener aus Klingonen und Cardassianern als Vorläufer dient. Der knappe Bekleidungsstil des Universums wurde durch eine rüstungsähnliche Montur ersetzt, die nicht nur weit weniger ansehnlich ist, sondern auch erahnen lässt, wie schwer der Fahrstuhlkampf zwischen Burnham und Connor für die Darsteller gewesen sein dürfte. Und das Symbol des Spiegeluniversum erhielt eine so drastische Rundumerneuerung, dass man die Traditionslinien zwischen Enterprise und TOS gleich mit ausradierte. Stattdessen trieb man die Verwendung von Spiegeln und Spiegelungen so sehr auf die Spitze, dass wirklich jedes Erdenemblem falsch herum ist (was wirklich keinen Sinn ergibt).



Den zweiten großen Knackpunkt sehe ich in der Constitution-Klasse. Die USS Defiant des Spiegeluniversum dürfte auf keinen Fall so aussehen, wie in "Discovery" gezeigt, da in der Enterprise-Doppelfolge "Im dunklen Spiegel" deutlich mehr Einfühlungsvermögen für die Optik des dreiundzwanzigsten Jahrhunderts gezeigt wurde, als es jemals in dieser Serie der Fall war. Aber zum Glück könnte man sich ja so rausreden, dass es sich in Ermangelung von Informationen um Archivaufnahmen aus der eigenen Schiffsbibliothek handelte.
Daneben gibt es reihenweise Unstimmigkeiten in der Handlung, die an ihrer Glaubwürdigkeit zerren.
So erklärt sich mir trotz Schweigegelübdes nicht, warum Dr. Culber kein Sicherheitsteam anfordert, als er eine klingonische Manipulation bei Tyler feststellt. Mal ganz abgesehen davon, dass er zwar nicht der Chefarzt ist, aber trotzdem der einzige Mediziner auf der gesamten Krankenstation zu sein scheint.
Ebenso allein scheint Tyler auf der Brig der USS Discovery zu sein. Oder Tilly im Maschinenraum. Wer ist eigentlich der Chefingenieur in Abwesenheit Stamets'?
Zudem ist mir noch nicht so ganz klar, ob nun Tylers Persönlichkeit auf einen zum Menschen veränderten Voq liegt oder Voqs Persönlichkeit auf einem originalen Ash Tyler?
Falls ersteres der Fall ist: Warum erkennt der Medinziner Culber dann nicht bei seinen neuen, viel gründlicheren Scan die ursprüngliche DNA des Klingonen? Oder wurden sämtliche Knochen und (doppelten) Organe ausgetauscht?
Und falls zweiteres der Fall ist: Wozu muss ihm dann jeder Knochen gebrochen werden?
Es bleibt immerhin zu hoffen, dass zumindest die letzten Fragen in den kommenden Episoden zu unserer Zufriedenheit beantwortet werden…


Moralität.
So schön das Spiegeluniversum auch ist, so eintönig erscheinen inzwischen auch die durchgekauten Metaphern, die mit solchen Reflektionen einhergehen.
Was sind wir wirklich? Was macht uns aus?
"Despite Yourself", auf deutsch am ehesten "Abgesehen von Dir selbst", stellt diese Frage schon in seinem Folgentitel und entsprechend lässt sich dieses Motiv auch an den meisten Beteiligten ablesen.
Bei Burnham stehen sich Gegenwart und Vergangenheit gegenüber, bei Tyler duelliert sich eine menschliche mit einer klingonischen Hälfte um die Vorherrschaft, Stamets bewegt sich zwischen Zurechnungsfähigkeit und Wahnsinn und Lorcas Persönlichkeit hat so viele Facetten, dass man sie ohnehin nie klar fassen kann.
Über allem steht natürlich die Frage, die aufkommt, seitdem das Spiegeluniversum erstmals bei Star Trek eingeführt wurde:
Sind wir wer wir zu sein glauben oder ein Produkt der äußeren Umstände?
Sind die vermeintlich gegensätzlichen Identitäten wirklich so abwegig wie sie anfangs scheinen?
Diese Frage nach eigener Identität lässt sich am ehesten noch in Sylvia Tillys Erfahrungen ablesen.
Wirklich neu ist das allerdings nicht.
Wie bereits erwähnt wurden diese Fragen schon in anderen Spiegeluniversumsfolgen so ausführlich behandelt, dass sie inzwischen etwas hohl und verbraucht wirken.
Lorcas halbherziger Versuch, das Spiegeluniversum und die Rolle jedes Individuums an Begriffe wie Vorhersehung, Schicksal oder Bestimmung zu koppeln, wirkt in diesem Zusammenhang vergleichsweise bemüht und wiederspricht ein wenig dem gängigen Sujet Star Treks, dass jeder Mensch für sein eigenes Handeln eigenverantwortlich ist. Immerhin bildet Burnhams Opposition zu diesem Gedanken einen Lichtblick in Bezug auf kommende Episoden.


V. Synchronisation.
Die Zeichen stehen auf Abschied von Benjamin Stöwe, auch wenn nicht zuletzt wegen der deutschen Stimme zu hoffen bleibt, dass der Doktor noch einmal, zweimal oder gar noch öfter auftreten wird.
Ansonsten gibt die deutsche Synchronisation ein gemischtes Bild ab. Sie wechselt munter zwischen guten, holprigen und inhaltlich veränderten Übersetzungen, wodurch z.B. manche Dialoge vergleichsweise unbeholfen und bruchstückhaft wirken (z.B. in der Brig der Discovery oder im Bereitschaftsraum des Captains). Zudem geht der schottische Dialekt in der deutschen Übertragung traditionsgemäß völlig unter.
Desweiteren stört mich vor allem, dass die schlecht gewählten deutschen Episodentitel (wie kann man aus "Despite Yourself" allen Ernstes "Nur wegen Dir" machen?) nur selten rechtzeitig zur Erstausstrahlung der Folge zur Verfügung stehen. Das nervt nicht nur deutschsprachige Zuschauer, sondern auch Rezensenten. Ein wenig kommt der Verdacht auf, dass beim englischsprachigen Streamingdienst Netflix fremdsprachigen Inhalten keine größere Bedeutung beigemessen wird.


VI. Fazit.
"Despite Yourself" ist ein wahrer Leckerbissen vor allem für Altfans, der sich nicht darauf ausruht, Nostalgiegefühle zu schüren, sondern auch beginnt, entscheidende Entwicklungen aufzulösen. Die Episode glänzt mit einer Vielzahl von Charaktermomenten für Lorca, Burnham oder Tilly, liebevollen Querbezügen auf den Kanon und wagt es, kontroverse Entscheidungen zu treffen.
Gerade die Idee, einen der Charaktere kurz vor Zieleinlauf zu eliminieren ist ohne Frage mutig, aber definitiv nicht ohne ihren Reiz. So bemühen sich die Schreiber redlich, den eigenen Zielvorstellungen für die Serie zu entsprechen.
Dass sie dabei sprichwörtlich über Leichen gehen, zeigt sich aber auch darin, dass ihnen selbst das Spiegeluniversum nicht heilig ist. Auch ihm drücken sie den einen fragwürdigen Designstempel auf, allerdings ohne frische philosophische Ansätze zu formulieren. Viel vom Gelingen dieser Folge hängt jedenfalls vom Erfolg der nächsten ab, für die "Despite Yourself" eher als erster Teil dient.


VII. Schluss.
Nach dem Schauen ist vor dem Schauen.
Wieder sind der Spekulation Tür und Tore geöffnet.
Was treibt die Discovery derweil in der originalen Zeitlinie?
Wer könnte jener gesichtslose und grausame Imperator sein? (Georgiou natürlich)
Ist Stamets‘ Krankenbettgeflüster wirklich so zusammenhangslos, wie Culber behauptete? (natürlich nicht)
Stammt Lorca aus diesem Spiegeluniversum?
Und vor allem: Hat Lorca die USS Discovery mit Absicht ins Spiegeluniversum verfrachtet?
Wer geglaubt hat, dass den Mutmaßungen der Fangemeinde mit der Enthüllung der Identität Tylers ein Riegel vorgeschoben wurde, dürfte sich eines Besseren belehrt sehen. Stattdessen hebt sich "Discovery" die letzten Rätsel bis zum Schluss auf und bringt die Trekkies dieser Realität auf eine Art und Weise zusammen, wie nie zuvor.

Bewertung.





Ein Spaß für die gesamte Spiegeluniversumsfamilie!

Denkwürdige Zitate.

"Schön, dass Sie sich zu uns gesellen, Mr. Tyler! Es war ja auch nur ein gelber Alarm…"
Captain Gabriel Lorca

"Ich bin am qualifiziertesten, dafür zu sorgen, dass er wieder gesund wird! Wollen Sie überhaupt, dass er wieder gesund wird? Oder wollten Sie, dass all das hier passiert?"
Dr. Hugh Culber zu Lorca

"Das sind keine Nachbarn, die man mal eben um Zucker bittet."
Lorca über das terranische Imperium

"'Captain Killy'? Das ist wirklich etwas platt…"
Saru

"Ich habe versucht sie zu verstehen und die Stärke der Terraner ist aus purer Notwendigkeit entstanden. Sie führen ein Leben in ewiger Angst. Immerzu auf der Hut vor dem nächsten, mörderischen Hinterhalt. Ihre Stärke ist übertünchter Rost; nur eine Fassade. Aber Du hast die Stärke einer ganzen Crew die an Dich glaubt. Ziehe Kraft aus unserem Glauben an Dich! So macht ein echter Captain das auch."
Michael Burnham zu Sylvia Tilly

"So behandeln Sie ihren verlorengeglaubten Captain? Würden Sie mich so begrüßen, würde ich Ihre Zunge rausschneiden und damit meine Stiefel polieren."
Tilly zu Captain Danby Connor

"Es war ein harter Kampf Captain zu werden als Sie weg waren. Am Ende hab ich es dann geschafft. Der Imperator hat etwas in mir gesehen."
"Schön für Sie…"
"Die ganze Crew hat sich nach meinem Sieg verbeugt. Aber nicht tief genug verbeugt!  Nicht so tief wie vor Ihnen. Ich muss sie dazu bringen mich zu fürchten. Und jetzt weiß ich auch endlich wie…"
Connor und Burnham

"Lang lebe Captain Burnham! Lang lebe das Imperium!"
Brückencrew der ISS Shenzou

Weiterführende Leseliste.
01. Rezension zu "Leuchtfeuer" und "Das Urteil"
03. Rezension zu "Lakaien und Könige"
04. Rezension zu "Sprung"
05. Rezension zu "Wähle Deinen Schmerz"
06. Rezension zu "Lethe"
07. Rezension zu "T=Mudd²"
08. Rezension zu "Si Vis Pacem, Para Bellum"
09. Rezension zu "Algorithmus"
10. Rezension zu "Nur wegen Dir"
11. Rezension zu "Der innere Wolf"

Mittwoch, 15. November 2017

Turons Senf zur neunten Folge Discovery



Spoilerwarnung.

Diese Rezension enthält nicht nur ausgiebige Einblicke in die neunte Discovery-Episode "Algorithmus" sondern wagt sich auch noch, einen Ausblick auf die kommende Handlung zu riskieren. Wer also noch nicht alle vorherigen Folgen gesehen hat oder einige Episoden ausgelassen hat, sollte das Weiterlesen besser einstellen.


I. Einleitung.
Halbzeit!
So hart es ist, aber den Fans der Serie steht eine beinahe zweimonatige (harte) Wartezeit bevor, in denen es keinen Nachschub an neuem Star-Trek-Material geben wird. Ich persönlich vermute hinter der Zwangspause die Absicht, potentielle Neukunden von Streamingdiensten wie CBS All Access (USA) und Netflix (so ziemlich der Rest der bekannten Welt) über den obligatorischen Probemonat hinaus an sich binden zu können.
Um dies sicherzustellen gilt es nun, einen Cliffhanger zu fabrizieren, der die potentiellen Zuschauer in puncto Spannung, Handlung und vielleicht auch dem ein oder anderen Hinweis auf die zukünftige Richtung bei der Stange hält. 
Ob es der neunten Folge "Algorithmus" wirklich gelang, diesen hohen Erwartungen gerecht zu werden, verraten wir in und zwischen den kommenden Zeilen.


II. Story.
Im Orbit von Pahvo wird die anstehende Schlacht zwischen der USS Discovery und dem 'Schiff der Toten' beendet, bevor sie überhaupt beginnen kann:
Admiral Terral beordert den Captain des Schiffes wieder zurück in sicheres Föderationsterritorium, um seinen Trumpf im Krieg nicht zu gefährden oder gar völlig aus der Hand zu geben.
Doch Captain Gabriel Lorca wäre nicht er selbst, wenn er vor einem Kampf davonrennen würde. So trödelt er mit gemächlichem Warp seinem Zielort entgegen, während seine Mannschaft fieberhaft an einem Weg arbeitet, die Tarnvorrichtung des Gegners zu umgehen.
Sobald diese tatsächlich eine Möglichkeit findet, dreht Lorca auf halbem Wege um, um sich doch noch dem vermeintlich stärkeren Gegner zu stellen. Mittels ihres Sporenantriebs und zwei auf das Schiff der Toten geschleusten Außenteam-Mitgliedern plant er, das Tarnfeld aushebeln zu können.
Als er sich missmutig den logischen Ausführungen Michael Burnhams beugt, sie zusammen mit Ash Tyler auf diese riskante Mission zu schicken ahnt er noch nicht, dass seine Offiziere die totgeglaubte Admiralin Katrina Cornwell wiederfinden, Tyler beim Anblick seiner früheren Folterin L'Rell seine Nerven verliert und die Meuterin und T'Kuvma-Mörderin Burnham vom Klingonen-General Kol gefangen genommen wird…



III. Lobenswerte Aspekte.

Charaktermomente.
"Algorithmus" ist in erster Linie eine Burnham-Episode, in deren Verlauf ihr beinahe allein die Ehre gebührt, den Tag gerettet zu haben, in einem Showdown ein Duell gegen den fiesen Sheriff Klingonenendboss zu führen und am Ende liebe- und verständnisvoll mit ihrem traumatisierten Traummann zu kuscheln. Sie scheint eine funktionierende Balance zwischen ihrer logischen und emotionalen Hälfte gefunden zu haben und ist auf dem besten Weg, den Makel der Meuterin von sich zu schütteln und ein klassischer Star-Trek-Held zu werden.
Weil so etwas aber vergleichsweise langweilig ist, küre ich an dieser Stelle mal jemand anderen zum klaren Gewinner dieser Folge:
Paul Stamets.
Obwohl er in anderen Folgen wichtiger war, steht er zum ersten Mal seit Ausstrahlungsbeginn wirklich mit beiden Beinen im Zentrum des Geschehens. Er meistert dabei die Gratwanderung zwischen Forscher und Antriebskomponente, gestaltet seine Beziehung zu Culber klischeeärmer als die Romanze zwischen Tyler und Burnham und erblindet schlussendlich ähnlich wie der mythische Autor von "Ilias" und "Odyssee" (nicht unpassend für einen Navigator).
Dabei brillierte Anthony Rapp vor allem im Zusammenspiel mit Wilson Cruz (Dr. Hugh Culber), denn es gelingt ihnen gemeinsam, einen Großteil der Menschlichkeit dieser Episode auf ihren Schultern zu tragen.
Beinahe antithetisch dazu steht Lorca, dessen Wesen allerdings in Gänze zwischen Extremen schwankt.
Auf der einen Seite lernen wir eine wissenschaftliche Seite an ihm näher kennen (er kann sich scheinbar noch gut an jene Zeit erinnern, in der wir alle einfach nur Forscher waren). Dazu schwingt er eine höchst emotionale Rede irgendwo zwischen Kirk und Picard und scheint ganz generell staatsmännisch, wie alle anderen Serien-Captains vor ihm die Crew unter sich zusammenzuschweißen.
Andererseits ist er bereit, alles für einen Sieg der Föderation zu riskieren und auf eine Karte zu setzen, um dieses Ziel zu erreichen. Er manipuliert Untergebene ihre Gesundheit zu riskieren, belügt Vorgesetzte, um dann doch sein eigenes Ding zu drehen und zeigt auch sonst immer wieder, warum er für seine 'unorthodoxen Methoden' berüchtigt ist. Bei dem beinahe fröhlich anmutenden Erfolgserlebnis um die Zerstörung des 'Schiffs der Toten' und der Entzauberung der Tarntechnologie bleibt aber mindestens festzuhalten, dass sich zu seiner zusätzlichen Belastung nun auch Admiral Cornwell wieder an seine Ferse heften wird.


Kenneth Mitchell als Kol lieferte seine bislang beste Vorstellung ab – doof nur, dass sein Charakter das Zeitliche segnete, denn seine Darstellung war stets eine der besseren in einem Volk, dass plötzlich so hölzern und emotionslos wie nie zuvor agierte.
Auf der anderen Seite gibt es auch einige Verlierer zu nennen.
So blieb Saru nicht nur arg blass, sondern in seiner Kriegseuphorie auch noch kaum wiederzuerkennen. Kadett Sylvia Tillys einzige Funktion lag hingegen scheinbar darin, Stamets ohnehin schwierige Lage noch weiter zu verschlimmern und Admiral Cornwells Darstellung stand auf noch wackligeren Füßen als sie selbst.
Doch am Ende störte – trotz der größtenteils positiven Eindrücke bei der Entwicklung der Figuren – eines massiv: 
Es erwächst zu stark der Eindruck, dass die Crew in bester Star-Trek-Tradition zusammenwächst.
Wo sind die im Vorfeld angepriesenen Figurenkonflikte geblieben, die zwar schwer zu erdulden waren, aber einen Großteil der Spannung(en) ausmachten?
Statt dieses Feld weiter abzuernten, raufen sich alle Besatzungsmitglieder schneller zusammen als eine Maquis-Truppe sich in eine Sternenflottencrew integriert.
Oder hat Lorca doch absichtlich an der Sprungkontrolle herumgefummelt, um die Crew dorthin zu bringen, wo sie jetzt gelandet ist?
Ich persönlich finde das (spätestens seit dem dritten Anschauen) glaubwürdiger als die Behauptung, dass Lorca mit der Crew anbändelt, statt sie für seine Pläne zu missbrauchen...


Moralität.
Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe.
Diese weisen Worte helfen nicht nur dabei herauszufinden, in welchen Situation man die Wendungen 'das Gleiche' und 'dasselbe' nutzen sollte, sondern helfen auch dabei, die recht düstere Moral dieser Folge zu erfassen.
Es kommt nämlich nur auf den Ausgang an, ob die eigenen Aktionen von anderen als angemessen gewertet werden oder als unverzeihbarer Fehltritt.
Schauen wir einmal auf die zurückliegende Episode so bleibt festzuhalten, dass Captain Lorca sich eindeutig der Meuterei schuldig gemacht hat:
Obwohl sein Vorgesetzter Admiral Terral ihm einen eindeutigen Befehl gegeben hat (bei dem es eindeutig keinen Interpretationsspielraum gegeben hat), ist er mit seiner Insubordination nicht nur durchgekommen, sondern sogar belobigt worden. Das wirft ein ziemlich schlechtes Bild auf Michael Burnham, deren Absichten im Vorfeld der Schlacht am Doppelstern zwar fraglos bester Natur waren, aber keineswegs von Erfolg gekrönt wurden. Stattdessen half ihr Handeln dabei, einen Krieg auszulösen, ihren Captain töten zu lassen und sie zu einer Art Ausgestoßenen zu machen.
Vergleicht man ihr Handeln mit dem Lorcas, so bleibt einem nur eine Erkenntnis.
Der Zweck heiligt die Mittel.
Bis dato hat er scheinbar alles richtig gemacht. Aus einem Team aus Wissenschaftlern hat er ein kriegsentscheidendes Kampfkommando geschmiedet. Aus seinem vormals widerporstigen Chefingenieur hat er einen Gefolgsmann gezimmert, der sich mit einer dünnen Versicherung im Grunde ein Forscher zu sein dazu bringen ließ, seine Gesundheit schwerwiegend zu gefährden. Und aus einer Meuterin hat er einen Offizier gefertigt, der entscheidend zum Gelingen seiner zählbaren Erfolge beigetragen hat.
Und diese Zweckbezogenheit bleibt keineswegs auf Lorcas glücklicherweise gelungenem Coup begrenzt.
Kols Erfolge bis dato überspielten ebenfalls seine vergleichsweise unehrenhafte Aneignung des 'Schiffs der Toten', seinen zweifelhaften Aufstieg zur Führungspersönlichkeit sowie seine fast schon romulanisch anmutende Entführung Admiral Cornwells.
Auch die Weigerung Stamets', seine Krankheitssymptome zwischen ihn und seine Tätigkeit als Mittelsmann zwischen Sporen und Antrieb geraten zu lassen, werden bis fast zum Ende durch die erzielten Erfolge gedeckt.
Kein Wunder also, dass sich scheinbar auch Burnham von diesem Motiv anstecken ließ, denn ihre an Ungehorsam grenzende Belehrung Lorcas, sie als Teil des Außenteams einzusetzen, schlugen in die gleiche Kerbe.


Episodenbastelbogen.
Es gibt viel zu loben an dieser Episode.
Die Verwendung der Multiperspektive zum Beispiel, bei der dennoch der Fokus auf Burnham nicht verlorenging. Die Konzentration auf übersichtliche zwei Handlungsorte, von denen einer dorthin zurückführte, wo alles begonnen hat und ein anderer die erzählerische Gegenwart repräsentierte. Die Verwendung des Klingonischen wurde (nicht zuletzt durch das überfällige Revival des Universalübersetzers) auf ein erträgliches Maß zurückgeschraubt, die Musik war gleichermaßen dezent wie kraftvoll und die Kameraführung (insbesondere im Schwenk zu Stamets und Lorca im Shuttlebay) trugen zum überwiegend positiven Gesamteindruck dieser so stringent wie flüssig erzählten Episode bei.
Es gibt aber auch einiges zu kritisieren.
Die gesamte Folge wirkte wie nach Schema F aufgebaut und war dadurch viel zu glatt, vorhersehbar und konstruiert. Am Schluss gab es dann noch eine absehbare Komplikation um einen ebenso absehbaren Cliffhanger zu basteln. Der gesamte Pahvo-Handlungsbogen – in der vorherigen Episode mühsam zusammengeschustert - verläuft plötzlich im Sande.
Dass die Folge dennoch so gut funktioniert, liegt vor allem daran, dass sich die Autoren Mühe gaben, die alten Konflikte und Brüche wieder hervorzukehren. So ist Lorcas Kriegsgier und Angst vor Cornwells Rückkehr genauso präsent wie Burnhams andauernder Vertrauensentzug und Schuldeingeständnis. Stamets' Pilzkonsum wirkt sich ebenso aus wie Tylers grausame Gefängniszeit. Und alles kulminiert natürlich in einer entscheidenden Schlacht des Krieges zwischen Föderation und Klingonen.
Als wäre das noch nicht genug traut man sich ebenso (mal wieder) einen Kuss zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Figuren, als (erstmals) auch klingonische Nippel zu zeigen und Details wie die flirrende Atmosphäre auf dem gegnerischen Schiff (weil Klingonen es etwas wärmer lieben) zeigen auf subtile Weise, wie man zwischen der Macht des Kanon und der Neuerfindung der Franchise abwägt.


IV. Kritikwürdige Aspekte.

Handlungslöcher und Kanonbrüche.
Viele Momente lassen den Zuschauer mit angenehmen Flashbacks auf den ein oder anderen Kinofilm zurück.
Ein getarntes Klingonen-Schiff wird in einer gleißenden Explosion zerstört?
Das war schon im sechsten und siebenten Kinofilm großartig (auch wenn es ein und die selbe Explosion war).
Jemand wirft sich einem beamenden Menschen an den Hals?
Der vierte Star-Trek-Film ist ein unterschätztes Juwel!
Man kann Personen beamen während sie ins Transporterfeld springen?
"Beyond" war schon der beste der Abramstrek-Filme…
Viele Momente rufen aber auch die nervigen Unstimmigkeiten zurück in Erinnerung, die diese Serie seit dem Start begleiten; egal ob das Aussehen der Neo-Klingonen, die widersprüchlichen Schiffsdesigns oder technologische Unstimmigkeiten an Bord der eigentlich alten Schiffe.
Daneben gibt es allerdings zu viele ärgerliche Fehler, die diese Folge umkreisen.
Mal ehrlich, die Art und Weise wie Burnham unbemerkt auf der klingonischen Brücken 'Mäuschen' spielt, entspricht einem Versteckspiel, das in Monty Pythons "Das Leben des Brian" immerhin ironisch gemeint war.
Aber das ist ja nur die Spitze des Eisberges.
Woher wissen etwa die Klingonen von den für sie gefährlichen Fähigkeiten des Senders auf Pahvo?
Wieso müssen einerseits Burnham und Tyler ihre menschlichen Lebenszeichen maskieren, wenn die Klingonen scheinbar konsequent ignorieren, dass die menschlichen Lebenszeichen Cornwells an Bord auftauchen?
Und Stichwort Lebenszeichenverschleierung:
Wo ist dieses Stück überaus nützliche Technologie in den zukünftigen Star-Trek-Serien und –Filmen geblieben?
Warum findet niemand die Sensoren, die ihren Job in etwa so diskret verrichten wie die Flagscheinwerfer den ihrigen im 20th Century-Fox-Jingle?
Warum wundert sich keiner, dass die USS Discovery um das getarnte Klingonenschiff herumhüpft wie ein Känguru auf Speed?
Und das ist nur eine Auswahl an jenen Fragen, für die mir partout die Fantasie fehlt, mir eine nachvollziehbare Antwort auszudenken.
Die Nachvollziehbarkeit vieler Aspekte bleibt damit ein Hauptkritikpunkt an dieser Folge.


VI. Ausblick.
Im Zuge der Zwangspause, die wir nun alle einlegen müssen, bleibt die Möglichkeit, etwas über die nächsten Entwicklungen zu spekulieren. Zwei von ihnen sind allerdings so naheliegend, dass ich an dieser Stelle noch einmal kurz gesondert darauf eingehen möchte.

Der Spion der mich liebte.
Sicherlich ist dem ein oder anderen Leser bereits aufgefallen, dass ich Lieutenant Tyler in meinen Ausführungen zu den Charakteren ebenso ausgespart habe wie die Klingonin L'Rell. Zwar blieb letzterer wenig Raum zur Entfaltung und immerhin zeigte ersterer erstmals (menschliche) Fehler, aber dennoch bleibt festzuhalten, dass die Spionagetheorie nach dieser Folge so aktuell wie nie scheint.
Die Idee, dass Tyler nicht nur ein klingonischer Agent und Schläfer ist, sondern sogar der in letzter Zeit arg wenig thematisierte Voq, erhält vor allem mit den merkwürdigen Äußerungen L'Rells in der Brig neuen Zulauf. Zudem ist die Klingonin nun genau dort, wo sie hinwollte und dass Tyler nicht 227 Tage von L'Rell gefoltert worden sein kann, weil die T'Kuvma-Jüngerin den größten Teil dieser Zeit auf dem inzwischen zerstörten 'Schiff der Toten' weilte, dürfte jedem halbwegs aufmerksamen Ohr nicht entgangen sein.
Zudem muss nun erzählerisch die Lücke geschlossen werden, die durch den plötzlichen Tod Kols in die Handlung gerissen wurde. Jemand muss die Führung des klingonischen Imperiums übernehmen und auf der Liste geeigneter Kandidaten stehen die Namen Voq und L'Rell fraglos auf den ersten beiden Plätzen. Zudem bin ich mir 'sicher', dass in den Flashbacks Tylers auch das Gesicht des Klingonen-Albinos auftauchte…


Spieglein, Spieglein…
Als Stamets mit Lorca dessen Projektion seiner bisherigen Sprünge betrachtet, verweist er darauf, dass dieser Weltraumstraßenatlas nach weiteren Sprüngen auch um ein paar Abfahrten in Paralleluniversen bereichert werden kann.
Und hat jemand den etwas deplatzierten Spiegel bei den Arrestzellen bemerkt?
Zudem ist – dank einiger Indiskretionen des zukünftigen Discovery-Regisseurs Jonathan Frakes – bekannt geworden, dass es die ein oder andere Spiegeluniversum-Folge geben wird. Man kann sich in Anbetracht der lediglich sechs verbleibenden Folgen ausrechnen, dass dies ziemlich bald geschehen muss, wenn man wirklich zum Staffelende wie versprochen den Handlungsbogen um den klingonischen Krieg abschließen möchte.
Es liegt daher nahe, dass wir in den Genuss dieses stilprägenden Star-Trek-Elements sehr wahrscheinlich gleich im Januar kommen werden…




VII. Fazit.
"Algorithmus" ist vielleicht kein sensationeller, aber ein würdiger Halbstaffelabschluss. Obwohl er nach dem Baukasten-Prinzip zusammengestellt wirkt, gelingt es ihm am Ende doch, einige Akzente darüber hinaus zu setzen. Er überzeugt vor allem im Hinblick auf die Figurenentwicklung, während  die vielen unnötigen Handlungslöcher im Gegenzug am Gesamteindruck zerren.
Unterm Strich bleibt eine stabile Folge, der es glückt, die Spannung auf zukünftige Abenteuer aufrecht zu erhalten.

Bewertung.
Kein Highlight, aber eine sichere Kiste.





VIII. Schluss.

Bei Lichte besehen hatte Discovery eigentlich nicht viel zu verlieren.
Die Star-Trek-Anhänger schauen Discovery sowieso (egal ob sie es doof finden oder nicht), wahrscheinlich würden Neufans und Binge-Watcher auch wieder reinschauen wenn das (Halb-) Finale qualitativ schlechter ausgefallen wäre und vor allem ist die zweite Staffel nicht nur längst bestellt, sondern auch schon seit einigen Tagen ins Planungsstadium eingetreten.
So gesehen gibt es wohl kaum eine Einflussmöglichkeit.
Zudem wurmt es ein wenig, dass dieses Halbstaffelprinzip an die unrühmliche Zeit erinnert, in der z.B. halbe TNG-Staffeln zu Mondpreisen verkauft wurden, um auch die letzten Taler aus den Portmonees der Fans zu saugen. Ich hoffe inständig, dass die Fans bei den DVDs oder BluRays für diese Serie von derlei Marketing-Possen verschont bleiben.


Denkwürdige Zitate.

"Bei dieser Geschwindigkeit erwartet man uns in drei Stunden bei Sternenbasis 46. Darum fliegen wir mit Warp und nicht mit dem Sporenantrieb. Ich habe nicht die Absicht unser Ziel zu erreichen. Wenn man vorhat, einen direkten Befehl zu missachten, hängt man das besser nicht an die große Glocke."
Gabriel Lorca

"Sie wollten Beweise dafür, dass Ihr Navigator ein Problem hat? Davon gibt es mehr, als Ihnen lieb ist."
Dr. Hugh Culber

"Und das soll Sie aufhalten? Das halte ich für ein Gerücht. Ich weiß was sie antreibt: Sie sind nicht nur Wissenschaftler, sondern ein Entdecker. Sie hätten auch auf der Erde bleiben können, aber sie wollten in Galaxien vordringen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat."
Lorca zu Paul Stamets

"Wir müssen diesen Krieg gewinnen... Aber danach..."
"...geht die Reise noch weiter!"
Lorca und Stamets

"Wenn wir Pahvo retten, die Klingonen besiegen und das hier erreichen können, dann sollen es hundertdreiunddreißig Sprünge sein..."
Stamets

"Sie sind der Captain, aber Sie setzen nicht die vollen Ressourcen Ihrer Crew ein um den Erfolg Ihrer Mission sicherzustellen. Ich erkenne in Ihrem Handeln keine Logik. Es sei denn, es geht hier um mich. Sie haben mir eine Gnadenfrist gewährt und mich gebeten Ihnen zu helfen diesen Krieg zu gewinnen. Durch die Erfahrungen, die ich auf dem klingonischen Schiff gesammelt habe, bin ich am qualifiziertesten für diese Mission. Sonst wüsste ich nicht, was ich hier überhaupt soll... "
Michael Burnham zu Lorca

"Da ist eine Lichtung im Wald. So orientieren sie sich..."
Stamets

"Der Krieg ist noch nicht gewonnen, aber Sie haben einen Sieg wahrscheinlicher werden lassen - trotz Ihrer 'unorthodoxen Methoden'."
"Ich fasse das mal als Kompliment auf..."
Terral und Lorca

"Sorge Dich nicht. Ich lasse nicht zu, dass sie Dir wehtun... "
L'Rell zu Ash Tyler

"Bald. Bald..."
L'Rell


Weiterführende Leseliste.
01. Rezension zu "Leuchtfeuer" und "Das Urteil"
03. Rezension zu "Lakaien und Könige"
04. Rezension zu "Sprung"
05. Rezension zu "Wähle Deinen Schmerz"
06. Rezension zu "Lethe"
07. Rezension zu "T=Mudd²"
08. Rezension zu "Si Vis Pacem, Para Bellum"
09. Rezension zu "Algorithmus"
10. Rezension zu "Nur wegen Dir"
11. Rezension zu "Der innere Wolf"

Dienstag, 7. November 2017

Turons Senf zur achten Folge Discovery



Spoilerwarnung
. In dieser Rezension gibt es massive Spoiler zur achten Discovery-Folge "Si Vis Pacem, Para Bellum". Es empfiehlt sich daher unbedingt, vor dem Lesen diese und am besten auch alle vorherigen Episoden der Star-Trek-Serie gesehen zu haben.


I. Einleitung.
Es gibt gute und schlechte Discovery-Nachrichten.
Die gute ist, dass aufgrund des sich bereits jetzt abzeichnenden Erfolges eine zweite Staffel der siebenten Star-Trek-Serie von CBS bestellt wurde und es die Franchise damit auch weiterhin im (Internet-) Fernsehen geben wird. Tatsächlich beginnen in zwei Wochen sogar die Arbeiten an der kommenden Staffel.
Die schlechte Nachricht lautet allerdings, dass wir auf die nächste Staffel bis mindestens Anfang 2019 warten müssen – und eingedenk des Umstandes, dass schon der anvisierte Ausstrahlungstermin der ersten Staffel mindestens zwei Mal nach hinten verschoben wurde, dürft das Warten wohl Ausmaße annehmen, die mit "Rick and Morty" vergleichbar sind.
Natürlich könnte man nun einwerfen, dass Nicholas Meyer durchschimmern ließ, dass er selbst an einer Khan-zentrierten Nebenserie arbeiten würde. Wann, wie und ob dieses momentan wohl kaum über den Status eines Gedankenspiels hinausgewachsene Projekt allerdings Realität werden wird, steht wohl noch mehr in den Sternen als der voraussichtliche Start der nächsten Staffel Discovery.
So bleibt dem gemeinen Zuschauer nur hilflos mit den Achseln zu zucken und mit dem Vorlieb zu nehmen, was er im Hier und Jetzt vorgesetzt bekommt:
Die achte Discovery-Episode mit dem wunderschönen Titel "Si Vis Pacem, Para Bellum".


II. Story.
Während die USS Discovery verzweifelt versucht, anderen Föderationsschiffen im Kampf gegen die tarnfähigen Klingonenschiffe beizustehen, finden sich Saru, Ash Tyler und Michael Burnham auf einer fremden Welt wieder, deren Beschaffenheit eine Möglichkeit bietet die feindlichen Kreuzer trotz Unsichtbarkeit aufzuspüren.
Doch schnell wird klar, dass der Planet keineswegs so unbewohnt ist, wie die drei Außenteam-Mitglieder gedacht hätten. Eine körperlose Spezies nimmt mit ihnen Kontakt auf und scheint einen Einfluss auf Saru auszuüben, der das Wesen des Kelpianers radikal verändert.
Derweil versucht die T'Kuvma-Anhängerin L'Rell ihr Glück in den Reihen Kols, der sich durch den Diebstahl der Tarntechnologie zum Anführer des Kriegervolkes aufschwingen konnte.
Doch insgeheim verfolgt sie ganz andere Pläne:
Als sie in ihrer Tätigkeit als Verhörexpertin zum gefangen genommenen Admiral Cornwell gelangt, offenbart sie ihr, dass sie mit ihr zusammen fliehen möchte. Die beiden ungewöhnlichen Alliierten entfliehen so zwar ihrer Zelle, doch als sie kurz darauf von Kol ertappt werden, entbrennt zwischen den beiden Frauen ein blutiger Kampf um Leben und Tod…  


III. Lobenswerte Aspekte.

Moralität. Natürlich ist Moralität stets ein sehr subjektives Thema. Für Kirsten Beyer, die Autorin dieser Episode etwa stand die Idee im Mittelpunkt, Frieden inmitten von Krieg zu beleuchten. Andere sehen die Botschaft eher darin, dass man sich nicht untätig zurücklehnen kann, wenn Frieden nicht ohne fremde Hilfe möglich ist.
Ich dagegen sehe eine andere Moral deutlich tiefer und übergreifender angelegt, denn sie ist allgegenwärtig und hier auf so ziemlich jeden Charakter der Serie gemünzt:
In "Si Vis Pacem, Para Bellum" (meine bescheidene Übersetzung "Wer Frieden will, muss sich für den Krieg rüsten") geht es nicht primär um den Krieg zwischen Föderation und Klingonen, sondern um jene Auseinandersetzungen, die wir tagtäglich im Inneren ausfechten. Wir alle haben nämlich kleine Dämonen in uns, denen wir uns auf die ein oder andere Weise stellen müssen. Den Figuren in "Discovery" geht es nicht anders:
Sarus Leben wird so sehr von Angst beherrscht, dass er bereit ist, extreme Maßnahmen zu ergreifen um einen Zustand zu erhalten, der ihn von dieser Last befreit.
Michael Burnham muss sich mit ihrer Zukunft im Gefängnis auseinandersetzen und darüber hinaus nicht nur mit der persönlichen Verantwortung für den Krieg gegen die Klingonen, sondern auch mit dem Kainsmal der Meuterei auf einem Sternenflottenschiff.
Paul Stamets hingegen kämpft nicht nur mit den immer deutlicher zu Tage tretenden Nebenwirkungen seines bewusstseinserweiternden Pilzkonsums, sondern auch mit dem Dilemma, seinen Partner Dr. Hugh Culber nicht in eine ausweglose Situation zu bringen.
Captain Gabriel Lorca kämpft gegen die Angst, die Oberhand im Krieg zu verlieren, Ash Tyler möchte die (vermeintlichen) Gräuel seiner Haft und die damit verbundene Gier nach Rache unter Kontrolle halten und selbst die Klingonin L'Rell hat mit ihrem Hass auf Kol ein Motiv zu bieten, dass von ihren Plänen für Voq abzulenken versteht.
Im Endeffekt zeigt die Folge dabei eines deutlich: Ohne die inneren Dämonen ist man nicht mehr man selbst, verliert den Antrieb, die Selbstregulation oder die Motivation. Die inneren Kämpfe sind so sehr Teil eines jeden Individuums, dass man ohne sie Gefahr läuft, auch sich selbst zu verlieren.


IV. Kritikwürdige Aspekte.
Auch dieses Mal fallen wieder einige der vormals positiven Aspekte in diese Kategorie, weil die überwiegende Tendenz eher negativ ausfiel.

Folgenaufbau. Ausgerechnet der verdiente Star-Trek-Buch-Autor David Mack – selbst eine Koryphäe darin, spannende und bewegende Star-Trek-Geschichten zu verfassen - gab laut Memory Alpha zu dieser Folge zu Protokoll (in meiner bescheidenen Übersetzung):

"Falls die Folge so gut wird wie das Drehbuch… Ich denke ihr Script war großartig. Ihr Drehbuch brachte mich zum Weinen; es war wunderschön. Das Ende des Scripts ist ergreifend. Ich hoffe, dass das Produktionsteam, das Editorenteam, das Nachbearbeitungsteam und überhaupt jeder das Drehbuch so gut auf die Leinwand bringt, wie sie es zu Papier brachte. Wenn jeder seinen Job so gut macht wie sie es tat, bleibt bei der achten Folge der dritten Staffel kein Auge trocken."

In Anbetracht der Tatsache, dass ihr Kollege Ted Sullivan ähnliche Lobeshymnen anstimmte, bleibt nur eine logische Schlussfolgerung:
Da muss ordentlich was schiefgelaufen sein.
Meine Befürchtung ist nur, dass dies nicht allein an den Produzenten, Editoren oder Nachbearbeitern lag, sondern tatsächlich an allen Beteiligten, inklusive Beyer.
Schon allein das Konzept von Pahvo, das irgendwo auf einer Skala zwischen der TOS-Episode "Kampf um Organia" und James Camerons "Avatar" lag, war nicht unbedingt das, was ich an dieser Stelle als eine großartige Kreativleistung bezeichnen würde. Hinzu kommt der hanebüchene Ansatz eines planetaren Echolots, das im gesamten All bei der Jagd auf klingonische U-Boote getarnte Schiffe helfen soll.
In seiner ganzen Anlage passt dieses Stück pseudo-wissenschaftlicher Zauber-Technologie eher ins märchenhaftere Star-Wars-Universum und in Kombination mit dem ellenlangen Marsch durch die kanadische Flora und Fauna erinnerte es nicht minder stark an Stargate, dessen Ableger aufgrund des ebenfalls kanadischen Drehortes erschreckend ähnliche Außen-Sets aufwies.
Letzten Endes ergibt sich ein Gesamtbild, das mit 'aus jedem Dorf ein Köter' noch sehr wohlwollend formuliert ist.
Natürlich kann man dem ganzen zugutehalten, dass es in bester Star-Trek-Manier ein neues Alien-Konzept beschreibt, das nicht nur eine neue Welt und eine neue Lebensform, sondern sogar eine neue Zivilisation miteinbringt. Da sich aber die Pahvaner visuell kaum von den Pilz-Sporen unterschieden, großzügig bei Vorbildern aus Star Trek und anderen Science-Fiction-Franchises bedienten und auch optisch weit hinter ihren Möglichkeiten zurückblieben, kann das jedoch nur bedeuten, dass es sich um ein Versagen auf allen Ebenen handelte.
Und das war ja nur der Planet.


Die Multiperspektive, sonst stets ein willkommener Erzählstil, war in drei verschiedene Handlungsorte geteilt: Die Planetenoberfläche von Pahvo, die USS Discovery und das Sarkophag-Schiff der Klingonen.
Im Endeffekt verfügte durch diese Aufteilung keiner der drei Handlungsstränge über ausreichend Platz zur Entfaltung. Die unterschiedlichen Inhalte hätten bequem in zwei verschiedene Folgen gepasst, was nicht nur den einzelnen Handlungsentwicklungen gut getan, sondern auch die Zuschauer nicht mit so vielen Fragezeichen zurückgelassen hätte.
So aber rast man auf Pahvo wie ein Kelpianern mit gefühlten achtzig km/h durch die Story, während die Klingonen mit jedem einzelnen Wechsel klaffende Lücken ins Erzähltempo rissen.
Die Handlungselemente auf der Discovery hingegen waren plump konstruiert (z.B. diente die Anfangsszene um die Zerstörung der USS Gagarin allein der Verdeutlichung, wie schlecht es um die Föderation im Krieg gegen die Klingonen steht und wie nötig sie ein Gegenmittel gegen die klingonische Tarntechnologie benötigen) und so bruchstückhaft, dass man gleichermaßen auch bequem auf sie hätte verzichten können.
Bei Lichte besehen ist "Si Vis Pacem, Para Bellum" daran aber noch nicht einmal wirklich Schuld. Vielmehr leidet die Episode unter der Erzählfaulheit ihres Vorgängers und muss nun in viel zu kurzer Zeit den immensen Rückstand aufholen, der sich in einer Folge angesammelt hat, die sich dem engen Griff des generellen Handlungsstrangs erfolgreich entzogen hat.
So wurde schließlich aus einer ursprünglich vielleicht sogar gut geschriebenen Folge das, was sie am Ende ist:
Keine elegante, herzerweichende oder gar feinfühlige Episode, sondern eine pragmatische Lückenbüßerin. Sie ist ein funktionales Arbeitstier, das die Handlung vorantreibt und dabei nur wenig Zeit lässt, die gut gemeinten Ansätze von Charakterentwicklung mit ausreichend Verweildauer zu bedenken.
Daher wirkt sie am Ende – nicht zuletzt wegen des ersten richtigen Cliffhangers in der Serie – irgendwie unfertig wie der erste Teil einer Doppelfolge. Vielleicht legt "Si Vis Pacem, Para Bellum" den Grundstein für die Brillanz der nächsten (und vorerst letzten) Folge Discovery, aber für sich allein kann sie kaum etwas bieten, das die himmelhochjauchzenden Jubelarien ihrer Autorenkollegen wirklich verdient hätte.


Charaktermomente. Eigentlich ist Saru der absolute Gewinner dieser Folge, die auch den Titel "Saru rennt" verdient hätte. Seine innere Zerrissenheit, die bei seinem Trip auf dem blauen Planeten stärker als sonst zu Tage tritt, macht ihn zur tragischen Figur dieser Folge, nicht zuletzt weil sein Schauspieler sich bemerkenswerterweise durch die schweren Silikon-Prothesen auf seinem Gesicht hindurchspielt.
Bedenkt man ferner, dass die Figur des Saru ein Kind der Ideen seines Darstellers Doug Jones und der Autoren von Discovery ist, kommt man nicht umhin anzuerkennen, wie schnell diese Kreation zu einem zentralen und unverzichtbaren Teil der Serie geworden ist.
Der Reiz der Folge liegt daher nicht zuletzt in den vielen Informationen, die man über das Volk der Kelpianer erhält und beginnt, die Existenz dieser Spezies mit einer gewissen Wehmut zu betrachten.
Doch am Ende fühlt man sich von der Entwicklung Sarus – so nachvollziehbar sie auch ist – schnell überrumpelt, denn die Drehbuchautoren  lassen sich schlichtweg viel zu wenig Zeit, um etwa Sarus plötzlichen Gewaltausbruch ausreichend zu begründen.
Von allen Klingonen bleibt L'Rell am ehesten in Erinnerung, denn trotz ihrer nicht weniger schweren Maske bot auch Mary Chieffo eine sehr gute Leistung und stach damit unter allen anderen Neo-Klingonen heraus. Dabei trug ihr dubioser Charakter, bei dem man die gesamte Folge nicht wusste, ob sie es ernst meinte oder nur eine weitere Intrige spann, eigentlich zum verwirrenden Gesamteindruck der Folge bei. Doch gerade diese beinahe mystische Aura der Unwägbarkeit macht sie zu einem der wenigen außergewöhnlichen Klingonencharaktere mit einem hohen Wiedererkennungswert.
Der Hauptprotagonist der Serie, Michael Burnham, leidet hingegen am meisten unter der Mulitperspektive, die ihr vor allem wertvolle Screentime kostet. Immerhin springt dieses Mal eine Romanze, ein erster richtiger Kuss und der erste Beziehungsstreit heraus. Während Burnham also die typischen ersten Zeltlager-Erfahrungen macht, muss sie aber zeitgleich auch die Wissenschaftsoffizierin, die Meuterin, den Antagonisten für Saru und die Repräsentantin der Sternenflotte mimen – zu viel für so schmale Schultern, vor allem in so kurzer Zeit.


Die Autorin der Folge gab sich zudem alle Mühe, Ash Tyler vom Status eines Spions reinzuwaschen. Eine Beziehung mit Burnham, Träume über einen Segeltörn am Lake Shasta und so eine Art Gedankenverschmelzung mit Saru können nun auf der ständig wachsenden Liste der Gegenargumente geführt werden. Zudem wird sein Leiden unter der klingonischen Gefangenschaft erstmals zum Gegenstand seiner Ausführungen, wobei er nähere Schilderungen seiner Erlebnisse allerdings noch immer schuldig bleibt.
So reißen die Belege für die Theorie des klingonischen Spions in Menschengestalt keineswegs ab.
Beispielsweise verrät L'Rell vage, dass Voq 'davongejagt' sei, will zielgerichtet auf die USS Discovery (warum bloß?) und ihr entstelltes Gesicht kann unter klingonischen Gesichtspunkten eigentlich nur dann als ehrenhafte Verletzung gelten, wenn ihrer Niederlage gegen flüchtende Sternenflotten-Gefangene etwas anderes zugrunde lag, als die Schande einer gelungenen Flucht.
Admiral Cornwall bleibt, nachdem sie sich in einer Folge mal richtig austoben konnte, wieder so blass wie zuvor. Die spannendste Frage im Zusammenhang mit ihr bleibt wohl, ob sie wirklich tot ist, denn es wirkt zweifelhaft, dass L'Rell wirklich so dumm ist, ihren besten Trumpf einfach so aus der Hand zu geben.
Viel zu wenig zu sehen blieb am Ende vom Chefingenieur Paul Stamets. Zwar wurde der Zuschauer zum ersten Mal Zeuge, wie er während eines Sprunges aussieht, aber seine stärkste Szene war eine andere:
Jedes Wort, das er mit Tilly am Tisch in der Mannschaftsmesse besprach, war tiefsinniger als alles, was man in der vorigen Episode von ihm hören konnte. Am Ende war dies aber nur ein loses Fragment, das sich wie ein Fremdkörper in dieser Episode anfühlte.
Der Rest des Main Casts blieb auf ähnliche Weise im Hintergrund. Lorca war bestenfalls grummelig, Tilly einmal mehr ein besserer Stichwortgeber, Kol neben L'Rell einer der wenigen erwähnenswerten klingonischen Charaktere und Culber beinahe so etwas wie ein Statist mit einem einzigen Satz.


Kanonbrüche und Logiklöcher. Tatsächlich gibt es in "Si Vis Pacem, Para Bellum" durchaus den ein oder anderen Querbezug zum offiziellen Kanon. Diese Anleihen sind nicht sonderlich aufdringlich, aber nichtsdestotrotz eindringlich. So erinnert Sarus Wandlung stark an die Spocks in "Falsche Paradiese". Die Opferungsbereitschaft der Discovery, ein für ein anderes Schiff gedachtes Paar Torpedos abzufangen lässt an eine ähnliche Aktion der USS Excelsior im Orbit von Khitomer denken. Und die Diskussion zwischen L'Rell und Admiral Cornwell um vermeintliche Kriegsverbrechen der Föderation gegen Klingonen ist eine deutliche Anleihe aus "Das Gleichgewicht der Kräfte".
Zudem war der Dialog zwischen Tyler und Burnham über das Wohl der vielen und einzelnen (vgl. 'Denkwürdige Zitate') ein weiteres vergleichsweise dezent eingebautes Sahnehäubchen für die Alt-Fans.
Aber wiederum verliert sich die Folge in einer Vielzahl von Ungereimtheiten, Widersprüchen und Unsinnigkeiten, wobei ich an dieser Stelle gar nicht erst auf die in vorangegangenen Rezensionen bereits hinlänglich thematisierten Themen 'Aussehen der Klingonen', 'ahistorisches Schiffsdesign' oder 'Holokommunikation' eingehen will – schließlich bietet diese Folge allein genug Gesprächsstoff.
Der unsinnigste Teil kreist fraglos um den Planeten Pahvo.


Ich habe noch immer nicht verstanden, warum ausgerechnet die Discovery als 'Rückgrat der Sternenflottenverteidigung' auch noch allen Ernstes das Geheimnis dieses entlegenen Himmelskörpers lösen muss.
Oder ist sie – in bester Star-Trek-Tradition -  wieder das einzige Schiff im Quadranten?
Ebenso interessant ist die Auslegung der Obersten Direktive, die Burnham hier anwendet um zu begründen, dass man ihr hier beim Erstkontakt mit den Pahvanern gerade nicht zuwider handelt. Bei ihrer kreativen Interpretationsfähigkeit mutet es beinahe erstaunlich an, dass sie dem Sternenflottengericht ihre Meuterei nicht als strikte Einhaltung von schiffsinternen Protokollen verkaufen konnte.
Andererseits erklärt ihr lockerer Umgang mit der Hauptrichtlinie der Föderation immerhin, warum bereits Kirk und Co. so häufig Kontakt mit eindeutigen Prä-Warp-Zivilisationen hatten.
Nicht minder fragwürdig scheint, woher die Pahvaner ein Stoffzelt zaubern konnten, wie sie Tyler zum Sender 'beamen' konnten und warum ihre erstaunlich filigrane Kristallantenne, die wie Jacks Bohnenranke in den Himmel des Planeten ragte, sich nicht der Schwerkraft beugte um umzukippen.
Ich kann nur hoffen, dass sich die Pahvaner nicht als eine Art Organier entpuppen, die einige Jahre von den anderen großen körperlosen Wesen der Star-Trek-Geschichte ebenfalls alle Kriegsparteien zu ihrem Friedensglück zwingen werden.
Doch dies scheint in Anbetracht von noch sechs unausgestrahlten Folgen vergleichsweise unwahrscheinlich, auch wenn der Krieg zwischen Föderation und Klingonen so blutig wie ausgeglichen ist. Er wurde nicht zuletzt dadurch wieder ausgewogener, weil die noch nicht ganz ausgereifte, aber dafür allen Häusern offenstehende klingonische Tarntechnologie den einzigen Sporenantrieb der Föderation egalisiert.
Selbst wenn ich etwas Bauchschmerzen mit beiden Technologien zu dieser Zeit habe, liegt es noch immer in der Hand der Autoren, diese vermeintlichen Widersprüche aufzulösen und zum Gegenstand der größeren Handlung zu machen.
Dass sich Admiral Cornwell übrigens so schnell gegen die Todesstrafe ausspricht, hat mich zwar persönlich gefreut, aber ihrer Äußerung stehen anderweitige Aussagen zum Beispiel in "Talos IV - Tabu" oder "Computer M5" entgegen.
Amüsiert hat mich ferner, dass es nach der USS Buran mit der USS Gagarin bereits das zweite Sternenflottenschiff in einer sowjetischen Benennungstradition gab. Ich für meinen Teil freue mich schon auf die USS Potemkin, die USS Aurora und die USS Red October (die mit der Föderationsvariante der Tarnvorrichtung)…


VI. Fazit.
"Si Vis Pacem, Para Bellum" dürfte wohl keine von jenen Episode sein, bei denen irgendwann mal jemand sagen wird "Das war aber die beste Discovery-Folge!".
Auch wenn in Ansätzen der gute Wille durchaus erkennbar war, bleibt die Qualität der Episode weit hinter den Erwartungen zurück. Zu groß sind die Diskrepanz zwischen der Handlung und der Folgendauer, die Lücke zwischen Kreativität und Wiederholung oder die Löcher, die durch zu viele offene Fragen gerissen wurden. Den Figuren gelingt es nicht, die geschickt platzierte Moral angemessen mit Inhalt zu füllen, weil ihnen die Dialogzeit wie Sand zwischen den Fingern davonläuft. Kirsten Beyers ursprüngliches Konzept ist jedenfalls von den angesprochenen Mitarbeitern gegen die Wand gefahren worden – falls es nicht schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.
So lässt die Folge den Zuschauer jedenfalls in zu vielen Belangen unbefriedigt zurück und präsentiert sich eher als erster Teil eines Zweiteilers, dessen Bewertung ohne Kenntnis seines Nachfolgers nur negativ ausfallen kann.

Bewertung. "Es war nicht schmerzhaft. Nur verwirrend."





VII. Schluss.
Nachdem die siebente Star-Trek-Serie "Discovery" nun definitiv in Form einer zweiten Staffel in die Verlängerung geht, gilt es nun, auch auf dem Fernsehschirm nachzulegen.
Bislang deutet die Formkurve kurz vor dem Ausstrahlungsende des ersten Teils der Serie nämlich eher nach unten, als in die entgegengesetzte Richtung und dies war die mit Abstand schlechteste Folge der noch jungen Ausstrahlungseschichte. Es liegt somit an den Produzenten, für die neunte Folge mehr "Wähle Deinen Schmerz" und weniger "Si Vis Pacem, Para Bellum" nachzulegen, um das Interesse an der Serie lebendig und die öffentliche Meinung positiv zu halten.
So wird man nächste Woche nicht umhinkommen, eine spannende Folge mit schlüssiger Handlung nachzuliefern und - wer weiß? – vielleicht sogar eines der vielen Geheimnisse etwa um Stamets Zustand, Cornwells Tod oder Tylers Identität lüften…
So oder so; der Druck auf die nächste Folge ist nach dieser hier ins unermessliche gestiegen…


VIII. Denkwürdige Zitate.

"Mr. Rhys, hätten Sie wohl die Güte und fangen mal an zu feuern?"
Captain Gabriel Lorca zu seinem taktischen Offizier

"Es wird Gelegenheit zum Trauern geben. Aber alles zu seiner Zeit."
Lorca zur Brückencrew

"Ich wusste ja gar nicht, dass Sie so ein Sprinter sind, Mr. Saru."
"Kelpianer können auf der Flucht Geschwindigkeiten von bis zu achtzig km/h erreichen. Sie können auch Jäger wittern aus einer Entfernung von zehn Kilometern."
"Und wir mögen es besonders, wenn von uns in der dritten Person gesprochen wird wenn wir anwesend sind."
Ash Tyler, Michael Burnham und Saru

"Ich grüße Sie! Wir sind Forscher vom Föderationsschiff Discovery. Wir kommen in Frieden."
Saru

"Das Wohl von vielen…"
"Es lohnt sich, dafür zu kämpfen; sogar dafür zu sterben. Aber auch für das Wohl von wenigen."
"Auch das von einzelnen…"
Burnham und Tyler

"Die Föderation kennt keine Todesstrafe."
Admiral Katrina Cornwell

"Es ist doch höchst erstaunlich, dass während wir einen Krieg austragen, hier ein Ort des Friedens und der Harmonie überlebt. Und nicht nur das. Gedeiht!"
Saru

"Ich habe große Angst. SolcheAngst."
Saru

"Ich kenne jedes Schott auf diesem Schiff. Es war einmal mein Zuhause."
L'Rell zu Cornwell

"So sterben Sie wenigstens nicht in einem Käfig, Admiral."
L'Rell zu Cornwell

"Na ja, jeder will die Klingonen besiegen. Ich will… ihnen wehtun."
Tyler

"Sehen so Harmonie und Balance aus? Wo ist der Frieden, den Sie hier gefunden haben wollen?"
"Sie haben ihn mir weggenommen! Immer nehmen Sie mir alles weg!"
"Ich würde alles dafür geben, wenn ich eine Sekunde – eine Milisekunde! – Frieden hätte! Aber so lange der Krieg nicht vorbei ist, wird ihn niemand von uns finden!"
Saru und Burnham

"Ich habe Sie belogen. Und Lieutenant Tyler. Ich habe Sie angegriffen und hätte Sie töten können."
"Das sind nicht Sie gewesen."
"Doch. Das war ich. Wir werden furchtsam geboren, wir Kelpianer. Nur so überleben wir. Infolgedessen habe ich mein Leben lang auch nicht einen einzigen Moment ohne Furcht verbracht oder mich frei gefühlt. Keinen einzigen Moment. Erst auf Pahvo."
Saru und Burnham


Weiterführende Leseliste.

01. Rezension zu "Leuchtfeuer" und "Das Urteil"
03. Rezension zu "Lakaien und Könige"
04. Rezension zu "Sprung"
05. Rezension zu "Wähle Deinen Schmerz"
06. Rezension zu "Lethe"
07. Rezension zu "T=Mudd²"
08. Rezension zu "Si Vis Pacem, Para Bellum"
09. Rezension zu "Algorithmus"
10. Rezension zu "Nur wegen Dir"
11. Rezension zu "Der innere Wolf"