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Samstag, 7. Juni 2014

Die FedCon - Ein Abschied auf Raten? Turons Senf zur FedCon 2014



Einleitung. Beinahe Mantra-artig haben es die Mitglieder der Tafelrunde immer wieder auf's Neue beschworen: 
"Dieses Jahr fahren wir nicht auf die FedCon."


Und plötzlich?
Gibt es doch wieder Beiträge, die den Besuch einzelner Mitglieder der Tafelrunde auf Deutschlands größter Science-Fiction-Convention belegen und der ein oder andere Leser kann sich schon zu Recht fragen, warum wir nach gegenteiligen Beteuerungen im Zuge der Star-Trek-Destination Germany doch wieder der Zugkraft dieser Großeventveranstaltung erlegen sind.
Aber die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, denn es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die uns bewogen haben, wenigstens eine Tageskarte zu erwerben.
Neben der Tatsache, dass wir diese Tickets vergleichsweise kostengünstig beschaffen konnten, war einer der Hauptgründe, eine Vergleichbarkeit zwischen der von uns hochgelobten Destination und dem Platzhalter FedCon zu ziehen. Zudem muss man der FedCon zugestehen, dass sie noch immer den Anlaufpunkt Nummer Eins für die Trekkies der Nation darstellt. Hier trifft sich, was Rang und Namen hat und hier kann man noch immer einige der ganz großen Stars aus nächster Nähe bewundern.
Zu guter Letzt war auch ein gewichtiges Argument für den Kurztrip, dass wir uns nicht mehr den Stress zumuten wollten, dem quirligen FedCon-Trubel ganze vier Tage ausgesetzt zu sein. Für weit gereiste Anhänger wie uns bedeutet die Reise nach Düsseldorf auch immer eine Menge Anstrengungen und auch wenn es vor Ort ohne Frage eine Menge Spaß macht, kann man die wuselige Veranstaltung dann doch nicht unbedingt als erholsamen 'Urlaub' bezeichnen.
Mittlerweile ist seit unserer Stippvisite eine ganze Woche vergangen und es ist vielleicht an der Zeit, das versprochene Fazit zu ziehen, denn unsere kurze Verweildauer genügte bereits für den ein oder anderen Einblick.


Lobenswerte Aspekte

Mittelpunkt der Fanszene. So schön die Destination gewesen sein mag: Die FedCon ist und bleibt im deutschsprachigen Raum das unbestreitbare Maß aller Dinge. Ein obligatorischer Treffpunkt für alle Fans unter dem Motto "Sehen und gesehen werden", der über das Verkleiden und Autogramm-Jagen hinweg entwickelt hat. Wer nicht anwesend ist, bleibt außen vor und diesen Status zelebrieren Fans und Verantwortliche nicht ganz ohne Berechtigung. Das Spektakel geht weit über olympischen Gedanken hinaus und das gute Gefühl, ein Teil des Ganzen zu sein und in die Atmosphäre eintauchen zu können, ist schon von einer ganz anderen Qualität, als die lieblos dekorierten Messehallen in Frankfurt entlangzuschreiten.



Bekannte und (noch) unbekannte Gesichter. Gerade weil die FedCon so ein Fanszene-Magnet ist, trifft man auch allerorten auf Gleichgesinnte und knüpft Kontakte zu anderen Star-Trek-Anhängern. Begegnungen mit Christoph und Henning vom Trekzone Network, Andrea von der Film Fan Force oder den Abgesandten der Cottbus Crew waren unbestreitbare Höhepunkte. Direkt schade, dass wir nicht mit den Delegierten des Berliner Trekdinners, der Zeitzeugin oder unserer Lieblings-Kölnerin Kristina in Kontakt treten konnten. Solche Begegnungen oder zumindest die theoretische Möglichkeit dazu machen ebenfalls zu einem guten Teil den Reiz der Veranstaltung aus.


Die Stars. Unmittelbar nach den Fans sollte man an dieser Stelle vor allem auch die anwesenden Stars erwähnen. Als Samstags-Tageskarten-Inhaber hatten wir zwar leider nicht die Gelegenheit, prominente Sternchen wie Nichelle Nichols oder Diana Muldaur im Panel bewundern zu können, doch bereits die Auftritte von verdienten Veteranen wie Nana Visitor, Bruce Jenner oder Alexander Siddig boten erwähnenswerte Glanzpunkte, für die sich die beschwerliche Reise an den Rhein bereits gelohnt hat. Heimlicher Höhepunkt war es übrigens, den 72-jährigen David Warner erleben zu dürfen. Den Auftritt des kauzigen, aber sympathischen Darstellers erlebt man so sicher nicht alle Tage und der beinahe familiäre Rahmen dieser spärlich besuchten Veranstaltung im Nebensaal bot mehr Flair als die überlaufenen Massenpanels im Hauptsaal.


Kritikwürdige Aspekte

Déjà vu. Wer bereits einmal auf der FedCon gewesen ist, kennt das Prozedere. Er ist mit den Selbstläufern ebenso vertraut wie mit den kleinen Problemchen, an denen sich kaum etwas ändert. Über die vielen Jahre, an denen verschiedene Tafelrundenmitglieder an dieser Veranstaltung teilnahmen, hat sich am allgemeinen Trott kaum etwas gewandelt (man denke nur an die Inventargegenstände Richard Dean Anderson und Sea Shephard). Die Situation erinnert ein wenig an die TOS-Episode "Die Stunde der Erkenntnis", in der die Bewohner von Gamma Trianguli IV ein glückliches Leben ohne Zukunftsängste leben. Ein gottgleiches Wesen schützt seine 'Kinder' vor sämtlichen schädlichen Einflüssen. Doch der Preis für dieses Paradies ist hoch: Die Planetenbewohner müssen auf Innovation, Fortschritt und Entwicklung verzichten. Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch allmählich auf der FedCon ab: Es herrscht ein umfassender Stillstand, der ritualisierten Abläufen folgt, was allerdings dem ja auch nicht jünger werdenden FedCon-Publikum vielleicht ein Stück weit entgegenkommt.


Ausbleibender Destination-Effekt. Dabei hat die im Februar in Frankfurt aufgezogene Destination in vielen Belangen eindrucksvoll unter Beweis stellen können, dass auch auf der FedCon in puncto Organisation noch deutlich Luft nach oben besteht. Obgleich Bartholomä etwa verlauten ließ, Änderungen bei den Photoshoots initiieren zu wollen, blieb es beim altbekannten Bildersturm am Grabbeltisch. Auch die Autogrammstunde, die wieder einmal schneeballartig die nachfolgenden Veranstaltungen sabotierte, war bei der Destination ungleich cleverer strukturiert. Als sinnbildlich für diesen Qualitätsunterschied kann man ferner die Masken der beiden Ferengi-Darsteller heranziehen, die keinen Vergleich mit der klingonischen Maske Suzie Plaksons zuließen (von einer fehlenden Schmink-Show mal ganz zu schweigen).
So ganz ohne Einfluss blieb die Destination dann aber doch nicht. Mindestens einer der Händler schaffte auch den Sprung nach Düsseldorf und einen wichtigen Aspekt übernahm man vom britischen Vorbild: Während der Veranstaltung blieben die Helfer ungewohnt freundlich und bemühten sich sichtbar, dem zuvor erworbenen schlechten Image entgegenzuwirken. 
Vielleicht besteht ja doch noch Hoffnung?!


Kostümshow. Ich habe wirklich großen Respekt vor jedem kostümierten Fan, der sich der Öffentlichkeit stellt, um begafft, fotografiert oder belächelt zu werden. In der Tat machen sie einen Großteil des einzigartigen FedCon-Flairs aus und sind längst zu einem Alleinstellungsmerkmal geworden, um sich etwa von anderen Veranstaltungen wie der Destination abzuheben. So sehr ich die Cosplayer also schätze, so wenig gefällt mir immer wieder der Costume Contest, der unbedingt einmal überarbeitet werden sollte, denn er ist zu einer Lachnummer geworden, die aktiv unter Beweis stellt, dass es Deutschen im internationalen Vergleich an Humor mangelt (sie dafür aber gemeinsam im Takt klatschen können). 
Bin ich denn wirklich der einzige, der großartige Darbietungen wie die Opernsängerin aus dem Fünften Element sehnsüchtig vermisst?


Tageskarten. Die Empörung unter vielen Tageskartenkäufern ist groß. Sie beklagen systematische Diskriminierung, da wegen ihnen mehrfach der Saal geräumt wurde, um den Wochenendticketinhabern Vorzug bei der Platzwahl zu ermöglichen. Sie wurden bei einigen Panels in den Nebensaal verbannt und mussten sich dort mit einer qualitativ schlechten Leinwand-Übertragung zufrieden geben.
Davon haben wir allerdings nichts mitbekommen. Zwar wurde auch uns der Zugang zum Auftritt Amanda Tappings verwehrt, doch tatsächlich mangelte es uns ohnehin am Interesse für diesen Programmpunkt, weswegen wir dies nicht unbedingt als sonderlich tragisch empfanden. Nichtsdestotrotz mutet dieser Ausschluss schon wie ein Etikettenschwindel an und die Verantwortlichen sollten sich überlegen, den Preis für Tagestickets eventuell um zehn Euro zu reduzieren. An Hinweisen auf diese Betreiberpolitik fehlte es aber (zumindest am Sonnabend) nicht; im Ticketausgabebereich ließen sich immerhin gleich klare Ansagen finden.


Abkehr von Star Trek. Am bedenklichsten war allerdings eine ganz andere Tendenz. Die Veranstaltung war gut besucht, doch wie man hier und dort feststellen konnte, lag dies weniger an Nichols, Siddig und Co., sondern eher an den Darstellern aus Charmed, Stargate oder Star Wars. Dieser Trend wird den ausverkauften Veranstaltern sicherlich nicht entgangen sein und es steht zu befürchten, dass der spürbare Rückgang von Star-Trek-Schauspielern auch in Zukunft weiter voranschreiten wird. Zwar liegt es auf der Hand, dass die Zahl noch nicht bei einer FedCon präsentierten Star-Trek-Veteranen überaus überschaubar ausfällt, doch während wir hierzulande den mittlerweile vierten Auftritt Nichelle Nichols miterleben durften, kündigte die Destination #3 neben Karl Urban mit Bruce Greenwood bereits den zweiten Abramsverse-Schauspieler an. Während sich die FedCon also immer mehr von Star Trek abwendet und sich an fragwürdige Heilsbringer wie Defiance richtet, entwickelt sich die Destination trotz ihrer Rückkehr in den angelsächsischen Raum immer mehr zu einer echten Alternative.


Fazit. Vor allem wegen des sinkenden Star-Trek-Anteils wirkt der Titel 'FedCon' zunehmend deplatziert. Der eine Tag im Maritim-Hotel (bei strahlendem Sonnenschein) genügte alten Star-Trek-Hasen wie uns jedenfalls völlig, um den altbekannten Einheitsbrei wiederzuerleben und daran erinnert zu werden, was der eigentliche Grund war, ursprünglich gar nicht kommen zu wollen.


Doch bei aller angebrachten Kritik hat es dennoch trotz der vielen Mühen auch eine Menge Spaß bereitet, den Ausflug ins weit entfernte Düsseldorf zu wagen. Die FedCon ist und bleibt nämlich ein lohnendes Reiseziel für den heimischen Fan, dem mittlerweile aber ein einziger Tag Convention-Action völlig ausreichen dürfte, um seinen Jahresbedarf an Star-Rummel zu decken. Würde mich heute jemand fragen, ob ich mir vorstellen könnte, den Stress eines Ein-Tages-Tripps nochmals auf mich zu nehmen, um das FedCon-Feeling zu erleben...


...würde ich das Feld sofort jüngeren Tafelrunden-Mitgliedern kampflos überlassen. Ich bin wohl doch schon etwas zu alt für solch ein kräftezehrendes Martyrium. Für dieses Maß an Aufwand ist das Verhältnis von Entfernung des Veranstaltungsortes zur Star-Trek-Stardichte einfach zu ungenügend.
Doch wer kann nach den Entwicklungen der letzten turbulenten Monate schon heute beschwören, dass die nächste FedCon ohne Tafelrundenbeteiligung ausfallen wird?
Schauen wir einfach mal, was das unentdeckte Land uns bringen wird...



Dienstag, 3. Juni 2014

Turons FedCon-Logbuch 2014

Weil es eine so schöne Tradition ist, erscheint an dieser Stelle erst einmal die chronologische Aufarbeitung unserer Ein-Tages-Expedition zur FedCon. Dieses Jahr waren wir aufgrund der Star Trek Destination Germany sowie dem geringen Star-Trek-Star-Aufkommen während der FedCon eigentlich darüber einig, nicht nach Düsseldorf zu fahren. Doch als K'olbasa die Gelegenheit hatte, günstigere Tagestickets zu erstehen, sprangen wir schließlich doch über diesen Schatten und statteten dem größten nationalen Convention-Anbieter einen Kurzbesuch ab.
Sicherlich ist dieses Logbuch nicht so aktuell, wie unsere Leser es normalerweise gewohnt sind, doch aufgrund der Müdigkeit war ich Sonntags nicht mehr in der Lage, noch einen Text zu verfassen. Zudem hatte ich meine Notizen in Kolbasas Shuttle vergessen (zum Glück hat dieser schnell reagiert und an meiner Statt bereits erste Fotos eingestellt). Erst nachdem er mir diese einscannte, konnte ich nun dieses Protokoll verfassen, dass in erster Linie als Nacherzählung für all jene gedacht ist, die nicht mit uns auf dem Düsseldorfer Großereignis waren. Einen ausführlicheren Senf, in dem ich auch meine persönliche Meinung zu den geschilderten Eindrücken unter dem Titel "FedCon: Ein Abschied auf Raten" nachreiche, gibt es in den kommenden Tagen zu lesen.

03:28Uhr. Aufstehen in der Casa del K'olbasa. Aus Zeitmanagementgründen bin ich einfach vor Ort geblieben und habe die Nacht auf der ausgezogenen Wohnzimmercouch verbracht. Doch die nicht einmal drei Stunden Schlaf waren getrübt von längeren Wachphasen, panischen Blicken auf den Wecker und unruhigem Schlaf.
Obwohl selbst ich zwei Minuten vor der eigentlich geplanten Aufstehzeit fertig bin, begegnet mir auf dem Flur bereits K'olbasa, der in der Nacht überhaupt gar nicht schlafen konnte. Präzise und organisiert beginnen wir mit den unmittelbaren Reisevorbeitungen.

03:47Uhr. Nur neunzehn Minuten später verlassen wir auch schon das Haus. Das überschaubare Reisegepäck ist rasch verstaut und keine drei Minuten später rollen wir beide bereits in Richtung Düsseldorf. FedCon, wir kommen!

04:09Uhr. Es ist noch verdammt früh und keiner von uns beiden strotzt vor Vitalität und Ausgeruhtheit. Die musikalische Reiseuntermalung übernimmt gütigerweise die Five Year Mission. Während ihrer Interpretation von "Catspaw" drehen sich unsere geistreichen Konversationen beispielsweise darum, ob es moralisch verwerflicher ist eine Katze oder einen Hund zu überfahren.

04:40Uhr. Ankunft im "Land der selbstproklamierten Frühaufsteher". Die Autobahn ist erschreckend leer für derlei Behauptungen. Pah, denen haben wir es aber gezeigt!

05:28Uhr. Während wir die A2 hinuntertreiben, entwickelt das Navi ein Eigenleben wie Hal 9000 und will uns zu todbringenden Richtungswechseln treiben, denen K'olbasa aber im zweiten Anlauf ein Ende bereitet. Fortan funktioniert das Gerät so gut, dass der schlaflose Fahrer nicht einmal mehr Ausfahrten verpasst.

05:57Uhr. Ein genauerer Blick auf das Navigationsgerät verrät uns, dass es uns seit der Neujustierung eine Ankunftszeit von 08:14Uhr statt zuvor 10:23Uhr prognostiziert. Etwas entsetzt fragen wir uns innerlich beide, was zum Fek'Ihr uns geritten haben könnte, so früh aufzubrechen. Äußerlich versichern wir uns im Brustton der Überzeugung allerdings gegenseitig, dass unsere Zeitplanung dennoch völlig angemessen war. Jaja!!

06:16Uhr. Erste Pause unserer Tages-Mission. Bei den mit Liebe geschmierten Brötchen und des mit nicht weniger Liebe gekochten English-Breakfast-Tees (die während meiner kurzen Schlafphase von der okkulten Ehefrau K'olbasas bereitet wurden) lassen wir die müde Seele für einige Minuten vor sich hinbaumeln und erfreuen uns an der Tatsache, dass Polnisch die Verkehrssprache auf dem Bückethaler Knick zu sein scheint. Kurz nach Aufbruch winken wir im Geiste auch nach Lauenau, in dessen Umgebung der sagenumwobene Supersammler Martin Netter laut Eingeborenenfolklore sein Unwesen treiben soll.

06:58Uhr. Erstaunlich zeitig rollen wir in Nordrhein-Westfalen ein, dass für das am meisten verstädterte Bundesland unserer Heimat erstaunlich ländlich riecht.

07:51Uhr. Während wir uns als Bewohner eines nur mäßig industrialisierten Raumes mit viel zu viel Natur an der pittoresken Aussicht auf Kraftwerke, Fabrikschlote und noch mehr Kraftwerke herzlich erfreuen, spielt unserer Player "How Soon is Now?" von den Smiths. Wahrscheinlich weiß er, dass ein seelenloses Cover dieses grandiosen Stückes zum Intro für die TV-Serie "Charmed" zusammenverstümmelt wurde und dass genau zwei Hauptdarstellerinnen auf der FedCon zu sehen sein werden. Verständnisvoll schütteln wir ob dieser Entwicklung der ehemaligen Star-Trek-Convention hin zu einer Massengeschmacksveranstaltung einträchtig mit dem Kopf und beschließen feierlich, Holly Marie Combs und Shannen Doherty aus dem Weg gehen zu wollen.



08:20Uhr. Im Herzen des Potts angelangt fahren wir in Lü(t)gendortmund ab, um dem hungrigen Treibstoffmonster ein Opfer zu bringen. Von der anhaltenden Schönheit der Umgebung beeindruckt beschließen wir, so schnell wie möglich wieder aufzubrechen.

09:37Uhr. Endlich angekommen verlieren wir uns, durch wohlwollende Fehlinformation eines Tafelrundenmitgliedes geleitet auf einer Parkplatz-Odyssee. Da uns 24,50€ für zehn Stunden Parken zuviel erscheinen, drehen wir gleich mehrere Ehrenrunden auf der erfolgfreien Suche nach einem kostengünstigeren oder gar kostenfreien Parkplatz, bevor wir uns dem alternativlosen Angebot ergeben und missmutig eines der lokalen Parkhäuser in Anspruch nehmen.

09:45Uhr. Als wir endlich aus dem düsteren Parkhaus zum strahlend leuchtenden Maritim-Hotel herüberstapfen, wird unser Vormarsch durch den strahlenden Sonnenschein jäh durch die Tatsache getrübt, dass K'olbasa sein Portmonee auf dem Dach seines PKWs zurückgelassen hat. Als er endlich wiederkommt, fällt mir plötzlich ein, dass auch ich noch einmal zurückkehren sollte, um meinen Fotoapparat an mich zu nehmen. Von der anfänglich positiven Prognose, vor neun Uhr am Veranstaltungsort zu sein, ist jedenfalls nicht mehr viel übrig, als wir knapp fünf Minuten später endlich die Heiligen Hallen der FedCon betreten.

09:50Uhr. In urdeutscher Manier stellen wir uns in einer Schlange an, an deren Ende wir erfahren, in welche Schlange wir uns eigentlich einordnen sollen. Wir machen uns auf dem Weg dorthin und als wir auch dieses Untier bezwingen, werden wir zu einer weiteren Schlange beordert, um unsere umgeschriebenen Tickets umzuschreiben. Nach nur wenig mehr als zwanzig Minuten, die größtenteils aus Warten bestanden, erhalten wir endlich unsere rosa (!) Armbänder und unsere Eintrittskarten. Weil doppelt noch immer viel besser hält, zeigen wir beides gleich zum ersten, aber beileibe nicht letzten Mal den hartnäckigen Einlassern vor, um in den Hauptbereich einkehren zu dürfen.

10:21Uhr. Endlich im Epizentrum des Geschehens angekommen, widmen wir uns gleich zu Beginn kurz dem allgegenwärtigen Merchandise und drehen eine flotte Runde durch den Verkaufsbereich. Bereits von Weitem bewundern wir die Strahlkraft einer lebensgroßen Spock-Figur, die wir noch am Vorabend ehrfürchtig im Privatsammlerparadies unseres Tafelrundenmitgliedes TAK bestaunen durften. Aber auch andere Kuriositäten fallen deutlich ins Auge: An vielen Ständen werden zuhauf die hierzulande einigen Unmut erregenden Eaglemoss-Raumschiffmodelle angeboten. Während die ersten paar Ausgaben auch tatsächlich in deutsch erhältlich sind, gibt es auch viele, die aus dem britischen Raum stammen. Und weil die Konkurrenz die Preise drückt, gelingt es K'olbasa, einen bajoranischen Sonnensegler zum selben Preis zu erwerben, für den man die Zeitschrift im hiesigen Handel kaufen konnte.


10:32Uhr. Nach unserem kurzen Abstecher in die Konsumwelt widmen wir uns unmittelbar im Anschluss ungleich anspruchsvolleren Themen als dem schnöden Mammon: Hubert Zitt stellt sich im Hauptsaal geduldig den Fragen des Publikums. Zum Teil fallen einige Fragen, die durch seinen vielen thematischen Vorträge bereits abgedeckt wurden, doch auch die ein oder andere harte Nuss (zum Beispiel über Quantenphysikthemen) brachte den verdienten Star-Trek-Erklärer zum Schwitzen. Doch Zitt blieb die gesamte Dauer hinweg freundlich, respektvoll und sogar familiär. Nur eine grafische Untermalung fehlte ein wenig, auch wenn man bei aller Kritik dahingehend zugestehen muss, dass der spontane Charakter dieser denkwürdigen Veranstaltung damit auch wieder verloren gegangen wäre.


11:00Uhr. Nun hat man das erste Mal die Gelegenheit, den frisch gebackenen MoC Nessie in Aktion zu erleben. Mit einem unterirdischen Visitor-Wortspiel kündigt er das erste große Panel des Tages an: Den gemeinsamen Auftritt von Nana Visitor und Alexander Siddig.
Die ehemaligen Eheleute hatten vor allem ein immer wiederkehrendes Thema: Ihren gemeinsamen Sohn Django. Man lernt nur wenig Neues über die beiden Darsteller, außer vielleicht, dass Visitor eine begnadete Feder schwingt und Siddig über den grünen Daumen verfügt. Die Gesprächsanteile sind jedenfalls in etwa so schief wie die Verteilung von männlichen und weiblichen Fragestellern. Siddig kam ebenso mühelos auf achtzig Prozent wie die Damenwelt, deren Fragen auch größtenteils in Richtung des Bashir-Darstellers gingen.
Während die Show einen gewissen Unterhaltungsfaktor hat, wird dies jedoch durch eine peinliche Bilderschau zunichte gemacht, die allenthalben für platte Lacher im Publikum sorgen. Und während sich K'olbasa nach einem kurzen Ausflug in den unteren Teil des Saal längst zum Photoshoot mit den beiden Ferengidarstellern Aron Eisenberg und Max Grodénchik aufgemacht hat, leide ich unter der zunehmend schlechten Luft im Saal und den unüberriechbaren Schweißausdünstungen meiner korpulenten Sitznachbarn.
Als der Saal im Anschluss für die Vorbereitungen zur Autogrammstunde geräumt werden muss, freue ich mich trotz des im Kern lohnenswerten Panels jedenfalls sehr, dieser olfaktorischen Vorhölle entronnen zu sein.


12:19Uhr. Captain K'olbasa ordnet Alarmstufe an! Erst im Eingangsbereich des Maritim-Hotels angekommen durchfuhr es ihn wie ein Blitz, dass er dieses Mal nicht bereit sei, 35€ für ein Autogramm zu bezahlen. Vielleicht hatte er deshalb seiner Plakatrolle, auf der kaum mehr als die Unterschrift Roxann Dawsons fehlte, nicht die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt und sie irgendwo vergessen. Nach erfolgloser Rückkehr in den Saal finde ich mich am Informationsthresen ein, der laut Aussage der Einlasser auch als Fundbüro dient. Tatsächlich sehe ich schon von weitem die sperrige Papprolle blinken, doch es kostet mich etwas mehr als zehn Minuten, bis ich das verlorene Gut wieder an mich nehmen kann. Im Anschluss startet der dankbare Eigentümer K'olbasa mit mir eine Expedition in die Flughafenhalle, wo wir nicht nur Mittagessen zu uns nehmen, sondern auch leckeres polnisches Bier im abermals thematisch angepassten Rewe erwerben.



13:44Uhr. Im Zuge des gewohnten Leerlaufes, der während der Autogrammstunden in den Veranstaltungshallen herrscht, treffen wir auf alte Bekannte wie Henning vom Trekzone-Network oder Andrea von der Film-Fan-Force. Gemeinsam nehmen wir Kaffee zu uns und tauschen Erfahrungen aus. Anschließend nutzen wir die Gelegenheit, Fotos von angehenden Costume-Contest-Teilnehmern zu schießen, die die Gänge in Scharen bevölkern.


15:47Uhr. In den Verkaufshallen bietet sich ein absonderliches Bild: Während Turon47 mit seiner Gemahlin telefoniert, ist K'olbasa mit seiner abwesenden Angetrauten in ein Gespräch vertieft. Unabhängig voneinander versuchen wir, den geäußerten Bekleidungsmitbringselwünschen gerecht zu werden. Daher werden Handyfotos verschickt, Sonderangebote überprüft und zusammengelegt. Nach fast vierzig Minuten haben wir beide unsere Tributleistungen erworben und zufrieden widmen wir uns wieder dem Tagesgeschehen auf der FedCon, während uns der ein oder andere Händler stirnrunzelnd hinterherblickt.


16:31Uhr. Etwas verspätet gelange ich ins Panel zur hochkarätig besetzten Web-Serie "Axanar", was ich auch umgehend bereue, denn der Enthusiasmus der anwesenden Delegation ist ansteckend. Geduldig beantworten die drei Podiumsgäste die Publikumsfragen und beweisen einen ungeahnte Abstraktionsfähigkeit, indem sie tatsächlich ergründen können, was einige Fragensteller meinen könnten. Mein Segen hat das Projekt, in dem die Karriereumstände Garth von Izars näher beleuchtet werden sollen definitiv und sicherlich wird man dazu bei uns zukünftig auch noch den ein oder anderen Eintrag finden können.


17:05Uhr. Lee Stringer, der zu "Iron Sky" eine knapp angelegte Powerpoint-Präsentation mit Filmschnipseln zum Besten gibt, markiert einen netten Pausenfüller. Sein Panel ist unterhaltsam genug, um meine verstärkte Müdigkeit in Zaum zu halten und das kühle polnische Bier aus dem Rewe und die angenehme Raumdurchlüftung helfen mir aktiv dabei, weiterhin wach zu bleiben.

17:49Uhr. Der britische Schauspieler David Warner, der Star-Trek-Fans mindestens als Kanzler Gorkon ein Begriff sein dürfte, betritt die Bühne des Nebensaals, der leider nur mäßig gefüllt ist. Der kauzige Senior gibt ein Panel, wie man es nicht alle Tage sieht, denn immer wieder müssen die Fragenden ihre Anliegen erneut formulieren, da es um das Gehör des fast 73-jährigen Rentners nicht mehr allzu gut bestellt ist. Doch Warner, der sich selbst als Schauspielsöldner sieht, beweist immer wieder einen sympathisch-britischen Humor und eine rührselige Bescheidenheit, die einem so vielseitigen und verdienten Darsteller nur selten anhängt. Selbst ich raffe mich allen schlechten Erfahrungen zum Trotz zu einer Frage über seine Verbindung zu Shakespeare auf, die Warner ohne Wiederholungsaufforderung geistreich zu beantworten weiß. Für mich der Höhepunkt des Tages.



19:01Uhr. Es ist viel passiert: K'olbasa und ich sitzen im Flughafengebäude und nehmen einen weiteren, dringend benötigten Kaffee zu uns. Doch statt miteinander zu reden, ist K'olbasa wiederum mit seiner Gattin ins Gespräch vertieft. Grund dafür ist die Tatsache, dass einer der Händler bereit ist, für die lebensgroße Spock-Statue so deutlich im Preis herunterzugehen, dass unser Tafelrundencaptain ins Grübeln gerät. Der Abend nimmt jedoch erst eine wirklich dramatische Wendung, als K'olbasa tatsächlich grünes Licht zum Kauf seines eigenen Spocks erhält und das Unheil damit seinen Lauf nimmt.


19:51Uhr. Doch zuerst versuchen wir noch einmal, wenigstens dem Costume-Contest beizuwohnen, auch wenn ich in der Vergangenheit nicht unbedingt die besten Erfahrungen mit diesem Veranstaltungspunkt sammeln konnte. Immerhin haben wir keine Probleme damit, rechtzeitig wieder vor Ort zu sein, da wie gewohnt die Zeitplanung wieder einmal weit hinterherhinkt. Doch zwischen Klatschen im Takt, technischen Pannen und einem hohen Fremdschämfaktor verlassen wir nach nur kurzer Zeit dieses Kabinett der Peinlichkeiten. Immerhin gelang es uns im Vorfeld, einen Teil der sympathischen Cottbus Crew kennenzulernen, mit denen wir gern mehr Zeit verbracht hätten. Doch unsere verbliebene Aufmerksamkeit richtete sich ganz allein auf eine Person und dessen lebensgroße Nachbildung.

20:41Uhr. Zähneknirschend haben wir die Parkhausschutzgelder entlöhnt und irren auf der Suche nach Bankautomaten weiter in der unmittelbaren Gegend des Maritim-Hotels herum. Wieder beim Händler angekommen ahnen wir langsam, warum er bereit war, K'olbasa im Preis so weit entgegenzukommen: Die riesigen Kartons machen den Transport zu einer Herkules-Aufgabe und jede Figur, die man nicht mehr in den LKW zurückhieven muss, ist zumindest ein moralischer Sieg.
Dieser jedoch bleibt uns verwehrt, denn wir verbringen die nächste Stunde komplett damit, die Statue einzupacken, herunterzuschleppen und in Tetris-Manier in unserem Fahrzeug unterzubringen. Selbstverständlich gelingt dies nur unter großem Platzverlust für uns selbst und wir müssen einiges an Improvisationsvermögen unter Beweis stellen, um sämtliche Teile und deren Verpackung unterzubringen.
Natürlich könnte man an dieser Stelle nicht ganz zu Unrecht fragen, warum wir die Verpackung nicht einfach dort gelassen haben, zumal K'olbasa sie ohnehin in Potsdam auf den Müll warf. Aber aufgrund unseres Martyriums, unserer Übermüdung und aus reinem Selbstschutz stellt sich diese Frage selbstverständlich gar nicht erst.


22:01Uhr. Und Tschüss, FedCon! Wir haben den Kampf gegen das sperrige Verpackungsungetüm endlich für uns entscheiden können und treten sichtlich erschöpft die mehr als fünfhundert Kilometer lange Heimreise an. Nach dem aufreibenden Tag fällt es uns beiden schwer, die notwendige Konzentration aufzubringen, die endlos lange und belastend monotone Autofahrt durchzustehen. Aber der Mut der Verzweiflung, laute Musik und viel frische Luft lassen uns irgendwie durchhalten und Kilometer für Kilometer zurücklegen.

03:25Uhr. Als ich ohne mich noch einmal umzudrehen schließlich erschöpft ins heimische Bett falle, ist K'olbasa mit seinem in drei Kisten zerlegten Spock noch immer auf dem Weg nach Potsdam. Doch auch er bleibt von Sekundenschlaf, Warpkernbrüchen und Ferengi-Piraten auf der Suche nach vulkanischen Liebessklaven verschont und gelangte wohlbehalten in sein trautes Heim zurück.
Vielleicht wird er ja demnächst einmal exklusiv auf diesem Blog von seiner neuesten Errungenschaft berichten!?