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Donnerstag, 4. Mai 2017

Die Tafelrunde empfiehlt: Things to Come


Seit der Star-Trek-Ausstellung 2011 in Potsdam-Babelsberg, den gelegentlichen Stippvisiten Martin Netters und natürlich der Mini-Ausstellung in Eberswalde gab es in der Region Berlin-Brandenburg lange Zeit keine so spannende, sehenswerte und vor allem gut aufgearbeitete museale Schau zum Thema: Bei der "Things to Come" in der deutschen Kinemathek am Potsdamer Platz in Berlin.


Die Ausstellung. Zugegeben; nicht alles auf den vier Ebenen von "Things to Come" dreht sich allein um Star Trek. Es handelt sich stattdessen um einen ganz generellen Blick auf die aktuelle Science-Fiction, die Science Fiction vergangener Tage und natürlich die damit verbundenen Sichtweisen auf die Zukunft, jenes unentdeckte Land, um das sich das gesamte Genre so beständig dreht.


So sieht man eben Requisiten, Filmschnipsel oder Artwork aus Filmen wie "Der schweigende Stern", "Alien", "Enemy Mine",  oder "Mars Attacks!". Und immer wieder dazwischen: Star Trek: Angefangen von Kostümen aus dem elften Kinofilm, über Szenenbilder aus "Star Trek – Der Film" bis hin zu den Köpfen aus der Zeitreise-Sequenz des vierten Kinofilmes (uvm.).


Unbedingt einpacken sollte man sich allerdings etwas Zeit, denn auch wenn man die einzelnen Etagen fraglos in zügigem Tempo durchlaufen kann, lohnt es sich schon, die verschiedenen Video-Einspieler ausführlich zu betrachten (z.B. gemütlich liegend), mit denen die Ausstellungsmacher auf bestimmte Thematiken (wie Wohnen in der Zukunft, Außerirdische oder Transport in der Zukunft) näher eingehen wollen.


Das Veranstaltungsprogramm. In seiner Laufzeit bot das Museum neben der Ausstellung auch einige lohnenswerte Vorträge im Konferenzraum des Gebäudes an. Wir hatten das unglaubliche Glück, eine Tafelrundenaußenmission zu einer dieser Gelegenheiten zusammenstellen zu können. So saßen Manu, Miri, K’olbasa und Turon47 gemeinsam vor dem Musiker Frieder Butzmann, der einmal genauer unter die Lupe nahm, was auf den 'Visitenkarten der Menschheit', den berühmten "Voyager Golden Records" gespeichert war, die beide seit 1977 im All als Botschafter der Menschheit unterwegs sind.


Das Ganze war durchaus unterhaltsam. Zum einen, weil das Thema interessant, interessiert und mit ansteckender Freude von einem musikalisch versierten Referenten präsentiert wurde. Zum anderen, weil er sich dabei unterhaltsam den Grundregeln der Vortragskunst verweigerte, Schwierigkeiten mit den Tabs seines Rechners hatte und vor allem Soundfiles während seiner weitschweifenden Ausführungen simultan weiter laufen ließ.
Dabei bewies er jedoch einen angenehmen Humor, einiges an Star-Trek-Fachwissen (auch wenn Voyager 6 leider nicht angesprochen wurde) und eine gewisse Originalität, so dass der Großteil des Außenteams die Veranstaltung gut unterhalten verließ.


Das Zeitfenster. Um sich die Ausstellung noch anzusehen, muss sich der geneigte Zuschauer inzwischen aber schon beeilen, denn die Heiligen Hallen der Kinemathek sind für diese Ausstellung zwar länger als geplant geöffnet, doch das Zeitfenster schließt sich innerhalb der nächsten zehn Tage. Am Sonntag den 14. Mai 2017 wird der finale Ausstellungstag anstehen und die Tafelrunde empfiehlt allen, die es noch nicht geschafft haben unbedingt, dieses Kleinod der Science Fiction im Allgemeinen und Star Trek im Speziellen anzusehen – so lange noch Zeit dafür ist…
Für mehr Informationen empfehlen wir außerdem unsere Kollegen von "Sie reden", die "Things to Come" so kurz vor Toreschluss ebenfalls einen Kurzbesuch abstatteten.


Denkwürdige Zitate.

"Letztlich bin ich nur ein Amateur, der seiner Leidenschaft frönt."
Frieder Butzmann

"Hier ist ein Pulsar, dort ist ein Pulsar. Überall sind Pulsare!"
Frieder Butzmann


Sonntag, 23. April 2017

Spielerunde 03: Star Trek Panic!


Einleitung.

"Mein Gott, Pille, was habe ich getan?"
Kirk, Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock

Nach zwei Spieleabenden, an deren Ende ich mir stolz die Krone des Gesamtsieges über mein Haupt stülpen konnte, ist das Undenkbare nun passiert:
Ich, Turon47, bin geschlagen.
Doch als ob das noch nicht genug Schmach für einen Abend gewesen wäre, habe ich auch noch in einem kooperativen Spiel verloren, in dem alle Mitspieler ihre Kräfte vereinen und als Team gegen den Unbill des Schicksals in Form eines Würfels antreten.
Aber um dieser beinahe griechisch anmutenden Tragödie abermals einen drauf zu setzen:
Wir haben dabei die Enterprise verloren.
Von multiplen Hüllenschäden wie ein Feuerball schimmernd schwebte sie bewegungslos vor uns im All und es gab nichts mehr, was wir für sie tun konnten. Plötzlich fühlten wir uns ebenso hilflos wie Kirk im dritten Kinofilm und uns alle beschlich ein Gefühl der Scham, so dass wir uns – bei der Ehre gepackt – noch einmal der Herausforderung stellten…


Das Spiel.
Bei "Star Trek Panic" handelt es sich im Prinzip lediglich um eine Adaption des kooperativen Brettspiel-Vorbildes "Castle Panic" (also wieder einmal eine Star-Trek-Lizenz-Ausgabe eines bereits existierenden Produkts). Doch während die Spieler im Original gemeinsam eine Burg vor eindringenden Trollen, Kobolden und Orks zu verteidigen versuchen, gilt es in dieser Variante nicht nur, wütende Angriffe der Klingonen, Romulaner und Tholianer auf die Enterprise abzuwehren, sondern zusätzlich zu diesem ständigen Kampf ums Dasein noch mindestens fünf Missionen zu erfüllen.
Dafür gibt es – ähnlich wie bei Star Trek Catan – Charakterkarten die den einzelnen Spielern mit spezifischen Boni helfen können und Ereigniskarten, die entweder einen Treffer in einer bestimmten Region um das Schiff herum zur Folge haben, Ressourcen zur Vollendung einer Mission liefern oder verschiedene anderweitige Vorteile bieten.
In jeder Runde tut der jeweils aktive Spieler sein Bestes, um nicht nur die Mission zu erfüllen, sondern auch die feindlichen Schiffe davon abzuhalten, die Enterprise zu Klump zu schießen.  Allerdings ist er auch gezwungen, am Ende zwei neue Bedrohungen zu ziehen, die die Gesamtsituation weiter verschärfen. Wenn es den Spielern allerdings gelingt, alle fünf Missionen innerhalb der Zeitvorgabe erfolgreich zu bestehen und die Enterprise vor der völligen Zerstörung zu bewahren, tragen sie gemeinsam einen hart erkämpften Sieg davon.


Lobenswerte Aspekte.
Auch wenn es manchmal schön ist, sich im Wettstreit mit anderen zu messen, einander auszuspielen und am Ende die süßen Früchte eines Sieges auskosten zu können, muss man zugegeben, dass dieses Prinzip mitunter recht einseitig ist: Der ein oder andere bleibt trotz guter Leistungen stets zurück, es gewinnt vielleicht immer nur die selbe Person oder man hat von Anfang an nur Pech und keine Gelegenheit überhaupt in Fahrt zu kommen.
Das traurige Ergebnis solcher Erlebnisse ist häufig der Unwille, Brettspiele zu spielen.
Doch es geht auch anders.
So genannte kooperative Spiele lassen sämtliche Spieler ein gemeinsames Ziel verfolgen und bei einem Erfolg steht nicht einer einsam auf dem Siegerpodest, sondern das ganze Team als solches. So schweißt ein Triumph höchst unterschiedliche Menschen in einem unvergesslichen Spiel-Erlebnis auf ungeahnte Weise zusammen, anstatt einen weiteren Familienzwist vom Zaum zu brechen.
Eines solch‘ Geistes Kind ist auch "Star Trek Panic".  Anstatt sich gegenseitig die besten Planeten, längsten Handelsrouten oder profitträchtigsten Bahnhöfe wegzunehmen tauscht man nunmehr seine besten Karten zum Erhalt des Gemeinwohls mit seinem Gegenüber ein, zittert gemeinsam vor der Feuerkraft eines sich enttarnenden Romulanerschiffes oder verteilt eine Superkarte lieber auf eine Mission, anstatt sie zum eigenen Vorteil auf der Hand zu behalten.
Im Zusammenhang mit diesem Spielprinzip sind auch die Interaktionen zwischen den einzelnen Spielern plötzlich völlig andere. Man taktiert zusammen, überlegt welche Tauschgeschäfte sich am ehesten lohnen würden und erinnert sich gemeinsam an übersehene Bedrohungen, anfallende Spielzüge oder diskutiert Strategien zum weiteren Vorgehen. Mit der Zeit werden selbst vormals ruhige und zurückhaltende Mitspieler zu glühenden Verfechtern bestimmter Manöver, spezieller Angriffsziele oder erfolgsversprechender Kartenkombinationen.
Plötzlich herrscht eine völlig andere Atmosphäre, die einen angenehmen Gegenpol zu den sonst üblichen platzierungsorientierten Brettspielen bildet.
Zudem kommt man nicht umhin den Machern dieser Star-Trek-Adaption eine besondere Detailverliebtheit (vor allem zur Originalserie) zu attestieren. Das kann man schon allein am Hartpappe-Modell der USS Enterprise erkennen, die passende Hüllenbeschädigungen für jedes spezifische Viertel der Untertassensektion zu bieten hat. Hinzu kommen die Missionen, die man – getreu dem Original-Serienkonzept - episodisch abarbeiten muss. Auch der Einsatz von Redshirts um den Schaden durch Eindringlinge auf dem Schiff zu minimieren bietet einem augenzwinkernden Tribut an die Kult-Serie. Und schließlich kann sogar der Umstand, dass es einen Spielchip für eine Zeitverwerfung gibt, die den Spielern im Idealfall mehr Zeit zur Erfüllung einer Mission gibt, dem wohlwollenden Fan ein anerkennendes Lächeln abgewinnen.
Daneben gibt es aber noch deutlichere Anzeichen, dass definitiv beinharte Trekkies dieses Spiel konzipiert haben. So kann man in der Mission zu "Charlie X" die Janice-Rand-Karte nicht ausspielen. Nach der erfolgreichen Beendigung der Mission "The Trouble with Tribbles" erhalten alle ungetarnten Klingonenschiffe einen Schadenspunkt. Und die romulanischen Bird of Preys können sich nicht nur tarnen, sondern auch mit doppelter Feuerkraft schießen. Von der Umsetzung des letzten Punktes waren wir gar so beeindruckt, dass wir unsere traditionelle Pizza-Pause vor dem Fernseher mit "Spock unter Verdacht" verbracht haben.


Kritikwürdige Aspekte.
"Star Trek Panic" ist beileibe kein Einsteiger-freundliches Spiel. Am günstigsten ist es ohne Frage, wenn man bereits über einige Vorkenntnisse im Originalspiel verfügt, wobei anzumerken bleibt, dass es selbst dann durch die Einführung völlig neuer Spielprinzips-Erweiterungen wie etwa den Missionen noch reichlich verwirrendes Neuland zu entdecken gilt.
Zwar gibt es eine ausführliche Erklärung zum Spiel, aber auch die hat ihre Grenzen:
Zum einen gibt es "Star Trek Panic" noch nicht auf Deutsch, was zur Folge hat, dass man sich durch eine umständlich formulierte, fremdsprachige Anleitung quälen muss, die doch viele Fragen offenlässt.
Man wird förmlich von der Vielzahl an Regeln, Sonderfällen, Aktionskarten, Ausnahmen, beschrifteten Chips, Missionseinschränkungen oder Spezialgegnern erschlagen und es benötigt daher ein komplettes Spiel, um zumindest einmal erfolgreich in die Materie eintauchen zu können.
Und selbst dann ist trotz der Karten zur 'Zug-Reihenfolge' noch immer möglich, dass man den ein oder anderen Part vergisst oder übersieht – ganz besonders in Stress-Situationen wie etwa kurz vor dem Fehlschlag einer ganzen Mission. So muss man stets die Konzentration wahren oder die Last auf mehreren Schultern verteilen und auch seine Mitstreiter zur Überwachung der korrekten Reihenfolge einspannen.
Ein weiterer großer Unterschied zum Originalspiel bildeten ferner die Bewegungsoptionen, die man mit der Enterprise hat. Allerdings sind sie mitunter etwas unnachvollziehbar (wenn zum Beispiel die Schiffe im Bugbereich einen Bereich näher rücken, während die Schiffe im Heckbereich auf ihrer Position verbleiben). Hinzu kommt der Vorwurf, den bereits Spock in „Der Zorn der Khan“ an seinen Gegner wie wohl auch an dieses Spielbrett richtete:

"Seine Struktur deutet auf zweidimensionales Denken hin."


Unser Spiel.
Wie bereits eingangs erwähnt haben wir unser erstes Spiel gnadenlos in den Sand gesetzt. Die Ursachen dafür waren fraglos mannigfaltig: Wir waren noch nicht so eingespielt. Wir mussten uns erst an dieses Wirrwarr an Regeln, Ausnahmen und Ausnahmen von den Regeln gewöhnen. Und wir haben die wirklich schweren Missionskarten gleich zu Beginn gezogen.


Das wirklich Bemerkenswerte daran war aber, dass wir die Enterprise wie Phönix aus der Asche neu auferstehen ließen und uns nach der schmachvollen Niederlage umgehend daran machten, einen neuen Anlauf zu starten.
 
Dieses Mal waren K'olbasa (mit der Spock-Charakterkarte), Rok (Chekov), unsere Neu-Mitspielerin Miri (Scotty) und ich (Sulu) nicht nur um die ein oder andere traumatische Erfahrung reicher, sondern auch ungleich abgeklärter. Wir wussten sofort was zu tun war, sobald wie mit "Day of the Dove" die erste Mission zogen. Jeder von uns achtete darauf den Timer nach jedem Zug zu verrücken, die gegnerischen Schiffe tarnen und enttarnen zu lassen sowie neue Gegner aus dem blauen Sack des Todes zu ziehen. Unser Schiff sah noch erstaunlich gut aus, als wir nach einem Notsignal und einer Begegnung mit der Weltraumamöbe plötzlich auch schon drei Missionen in Windeseile erledigt hatten. Als wir dann auch noch einen Orion-Piraten in erschreckend schnellem Tempo außer Gefecht setzen konnten und nur vergleichsweise geringe Schäden davontrugen, zeichnete sich das Unmögliche am Horizont ab: Wir würden das Spiel gewinnen.
Und so kam es dann auch. Es oblag K'olbasa den letzten Klingonen aus dem Orbit zu pusten, einen triumphalen Sieg einzuleiten und die Schmach aus dem Hinspiel wieder wettzumachen. Erschöpft aber glücklich genossen alle (außer Miri) den anschließend wahrlich verdienten Sieges-Whisky.

Fazit.
Bei "Star Trek Panic" ist vor allem das Spielsystem der Star, das mal nicht darauf abzielt, dass man sich gegenseitig übertrumpft und aussticht, sondern gemeinsam für ein höheres Ziel kämpft. Es bietet eine überaus liebevolle Umsetzung für Fans der Originalserie, die in den richtigen Händen für eine Menge Spielspaß sorgen kann.
Sorgenfalten bereitet allerdings die unübersichtliche Spielmechanik mit ihren vielen Sonderfällen, Zusatzregelungen und Bewegungsvorgaben, denen es zu oft an Nachvollziehbarkeit mangelt. So benötigt man mindestens ein Vorbereitungsspiel, bevor sich wirkliche Spielfreude einstellen kann.


Bewertung. Verwirrend, aber erfüllend.


Weiterführende Leseliste.

Spielerunde 01: Das klingonische Monopoly.
Spielerunde 02: Star Trek Catan.
Spielerunde 03: Star Trek Panic.

Sonntag, 26. März 2017

Spielerunde 02: Star Trek Catan


"Einen Moment; es geht mir wirklich gut! Antworten Sie: Auf welchem Planeten sind wir?"
"Dies ist der Planet [dramatische Pause] Catan."
"Catan?! Kein Planet der Föderation…"

Picard und Batai, TNG S5Nr25, "Das zweite Leben"

Einleitung.
Zugegeben: Die Schreibweise des obigen Zitates wurde von mir orthografisch angepasst, aber dennoch (oder gerade deswegen) zeigt es ein Dilemma mit dem Spielehit von Klaus Teubner auf, der mir als Star-Trek-Fan jahrelang den Zugang zum Spiel erschwerte: 'Catan', beziehungsweise 'Kataan' in 'Föderationsstandard' ist für mich in erster Linie der namensgebende Planet einer der zweifelsohne besten Star-Trek-Episoden überhaupt und erst danach (mit weitem Abstand) der Titel eines populären Gesellschaftsspieles. Während aber das 1987 erstmals ausgestrahlte TNG mehr und mehr in die Jahre kommt, während Brettspiele mehr und mehr an Popularität gewinnen, hat sich dieses Verhältnis längst ins Gegenteil verkehrt und so ist es nicht nur folgerichtig, dass es seit 2012 eine Star-Trek-Adaption dieses Spieles gibt, sondern auch, dass es zum Gegenstand unseres zweiten spannenden Spielerundenabends wurde.


Lobenswerte Aspekte.
Um potentiellen Kritikern gleich von Beginn den Wind aus den Segeln zu nehmen: Star Trek: Catan ist keine fundamentale Neuinterpretation des populären Grundspieles, sondern lediglich eine moderate Variation des Originals (vor allem in grafischer Hinsicht), deren einzig nennenswerte Neuerung die Einführung so genannter Charakterkarten ist. Mit ihnen können sich die Spieler Unterstützung von bekannten Figuren der Original-Crew um Kirk, Spock, Pille, Uhura, Scotty, Sulu, Chekov, Schwester Chapel, Janice Rand und sogar Sareks einholen, die allesamt Spezialfähigkeiten einbringen, die man temporär nutzen kann.



Vergleicht man aber das Originalspiel und die Star-Trek-Ausgabe genauer, fällt vor allem auf, dass die Spielfiguren sich stark unterscheiden. Während in meiner Version der "Siedler von Catan" noch klobige Holzsteine die Spielfiguren repräsentierten, ist der Star-Trek-Ableger auf die Verwendung von Plastik-Teilchen umgeschwenkt (die allerdings ab den 2003 erhältlichen Catan-Ausgaben generell gab). Auch wenn man fraglos Vorsicht bei den filigranen Enterprise-Refit-Modellen walten lassen muss, die hier die zuvor üblichen Straßen markieren, machen sie zusammen mit den Sternenbasen einen ganz besonderen Reiz für die Brettspiel-vernarrten Trekkies aus.
Natürlich sind auch die Rohstoffe Holz, Lehm, Schafe, Getreide oder Erz thematisch verändert worden. Sie werden nunmehr – in bester Star-Trek-Manier - als Dilithium, Sauerstoff, Wasser, Nahrung oder Tritanium bezeichnet. Für Neueinsteiger, vergessliche Gelegenheitsspieler oder Catan-Jungfern stellt das kein Problem dar, auch wenn es älteren Spiele-Hasen durchaus passieren kann, dass sie (wie bei Wil Wheatons Tabletop-Folge zu diesem Spiel) die Rohstoffe miteinander verwechseln können.



Doch am Ende ist das Spielprinzip der Star. Dass Catan unserer Tage längst Monopoly (vergleiche dazu unsere erste Spieleabend-Rezension) als das führende Gesellschaftsspiel abgelöst hat, wird spätestens beim Spielen deutlich. Die mitreißende Mischung aus Taktieren, Understatement, Warentausch, Würfelglück und Star-Trek-Feeling hat das Potential verschiedene Fangruppierungen in leidenschaftlichem Austausch um einen gemeinsamen Tisch zu versammeln. Mich für meinen Teil verwundert es nicht, dass zu den bekennenden Fans des Spiels nicht nur die Spieler der Green Bay Packers, Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, Mozilla-Chef John Lilly oder LinkEdin-Erfinder Reid Hoffman gehören.
Und das beste daran ist, dass es sich um ein Stück Erfolgsgeschichte handelt, das von einem Zahntechniker aus Deutschland erfunden wurde und nicht zuletzt deshalb dieses weltweit erfolgreiche Spiel mit offizieller Star-Trek-Lizenz für viele hiesige Fans den Kreis schließen lässt.


Kritikwürdige Aspekte
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So sehr man – wie man am Eingangszitat wunderbar sehen kann - Schnittmengen zwischen Catan und TNG ziehen kann, ist es doch erstaunlich, wie wenig das Spiel am Ende mit der Serie um Picard, Data oder La Forge zu tun hat. Stattdessen ist es, unter Auslassung des größten Teils des Potentials des Star-Trek-Franchises, auf die ersten sechs Kinofilme beschränkt.
Warum gibt es keine Charakterkarte von Picard? Oder von Janeway? Warum nicht Archer? Warum gibt es keinen Super-Joker in Form von Q?
Der Star-Trek-Variante des Spiels würden daher Erweiterungen für andere Ableger wie Deep Space Nine, Voyager oder selbst die Abrams-Kinofilme gut tun. Zwar ist mit der "Federation Space Expansion" eine Erweiterung verfügbar, doch diese beschränkt sich in erster Linie auf eine größere Spielfläche durch zusätzliche Planetenkarten.
Das ist ein wenig schade, denn es wären auch viel spannendere Szenarien wie etwa die Unterscheidung der Mitspieler durch die Wahl von Fraktionen wie Klingonen, Romulaner oder Cardassianer denkbar gewesen. Wahrscheinlich obliegt es der Weiterentwicklung von 3D-Druckern, so dass findige Bastler in den nächsten Jahren ihre eigenen Star-Trek-Varianten des Spieles entwickeln können.


Ansonsten bleiben die Kritikpunkte am Spiel eher zweitrangig. So ist etwa die Tatsache, dass es sich nicht um ein verändertes Spielprinzip handeln würde genauso Meckern auf hohem Niveau wie die häufigen Anmerkungen zur potentiellen Zerbrechlichkeit der mitgelieferten Plastik-Schiffchen (meine sind jedenfalls allesamt noch immer unbeschädigt). Wie aber mein zusätzlicher Kritikpunkt, dass die Anleitung nicht immer eindeutig formuliert ist, zeigt es vor allem, dass das Grundproblem solcher Kritik zumeist vor dem Spielbrett auf einem Stuhl zu finden ist.


Unser Spiel.
Klaus Teubner, seines Zeichens Erfinder des Spieles, gab einen zentralen Hinweis zum Spiel: "Baue niemals zu Beginn des Spieles die längste Straße." Und obwohl ich zu Beginn die längste Straße baute, von meinen eigenen Freunden von wichtigen Planeten abgeschnitten wurde und partout keine vernünftigen Würfelergebnisse zustande brachte, gelang es mir auf mysteriöse Weise das Spiel zu gewinnen.
Vor allem, weil ich instinktiv eine wichtige Grundregel des Spieles beherzigte, die Benny Teubner dereinst so beschrieb: "Selbst wenn Du gewinnst musst Du stets behaupten dass Du es nicht tust.". Doch das ist nur die halbe Wahrheit.
Genauso gut könnte man meinen zweiten Sieg im zweiten Spiel auch darauf zurückführen, dass Rok ständig die sieben würfelte (und damit sich und K'olbasa um wertvolle Kartensammlungen erleichterte), meine beiden Kontrahenten die Trophäe für längste Straße beinahe rundenweise miteinander tauschten und dass ich beim Ziehen von Ereigniskarten ein glückliches Händchen bewies.
Vor allem aber hat uns das Spiel nicht nur deshalb Freude bereitet, weil wir es in sympathischer Runde genießen konnten, sondern auch, weil man sich dem Zauber des Spiels und den Interaktionen mit anderen kaum entziehen kann. Bis zum Ende war es ein offener Wettkampf zwischen drei Gegnern auf Augenhöhe, was nicht zuletzt unter Beweis stellt, dass dieses Spiel Monopoly zu Recht vom Thron der Brettspiele gestoßen hat.



Fazit.
Die Star-Trek-Variante von Catan ist sicherlich nichts für alte Siedler-von-Catan-Hasen, die das Rad noch einmal neu erfunden haben wollen. Die Zielgruppe bilden tatsächlich eher Star-Trek-Fans, denen das mittlerweile klassische Spiel mit dieser grafischen Aufarbeitung schmackhafter gemacht werden soll.
Aufgrund seines zeitlosen Spielprinzips versteht es Catan aber auch im Sternenflottengewand seine Mitspieler zu fesseln, zu faszinieren und zu verzaubern. Es ist verdienterweise das beliebteste Brettspiel unserer Zeit und durch die Verwendung von Dilithium, Sauerstoff, Wasser, Nahrung oder Tritanium statt Holz, Lehm, Schafe, Getreide oder Erz überträgt man die Faszination des Originals nahtlos in ein Format, das nunmehr auch Star-Trek-Anhängern beim Tausch von Rohstoffen Glücksgefühle beschert.
Letztendlich ist unter allen Brettspiellizenzen, die Star Trek hätte erhalten können, die von Catan die mit Abstand die attraktivste.


Bewertung.


Weiterführende Leseliste.

Spielerunde 01: Das klingonische Monopoly.
Spielerunde 02: Star Trek Catan.
Spielerunde 03: Star Trek Panic.

Sonntag, 5. Februar 2017

Der große Tafelrunden-Check zum Super Bowl LI


Einleitung
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Auch in diesem Jahr pflegen wir natürlich die wunderschöne Tafelrunden-Tradition, der mittlerweile einundfünfzigsten Auflage der US-amerikanischen American Football Meisterschaft – dem sogenannten 'Super Bowl' mit einer augenzwinkernden Analyse zu bedenken.
Doch warum eigentlich?
Nun, Football ist genauso wie Star Trek ein wesentlicher Bestandteil der US-amerikanischen Kultur. Daher kann man innerhalb der verschiedenen Serien unterschiedliche Referenzen auf diesen Sport ausmachen, Schauspieler wie William Shatner, Connor Trinneer oder J.G. Hertzler übten in ihren jungen Jahren diese Sportart aus und sogar sprachlich fanden Begriffe wie "End Run" Eingang in Folgen wie "Best of Both Worlds" (leider ist dieser Begriff in der deutschen Übersetzung von "In den Händen der Borg" der deutschen Synchronisation zum Opfer gefallen).
Doch damit nicht genug der Querverbindungen!
Bereits beim ersten Super Bowl im Jahre 1967 war mit Fred "the Hammer" Williamson ein späterer Star-Trek-Darsteller mit von der Partie, die Halbzeitpause ist ein beliebter Austragungsort für Trailer anlaufender Star-Trek-Filme und im 1991 veröffentlichten Football-Film "Necessary Roughness" (auf Deutsch lautete der Filmtitel "Armadillo Bears – ein total chaotischer Haufen") spielte mit Scott Bakula sogar der erste Captain einer Enterprise die Hauptrolle.



Genau wegen dieser Überschneidungen, den Traditionen unseres Blogs und unserer Sympathie für die in Europa noch immer recht unterrepräsentierte Sportart versuchen wir in der Folge anhand von zwanzig geografischen, kulturellen und sportlichen Fakten zu klären, ob dieses Jahr die Atlanta Falcons oder eher die New England Patriots aus Boston die Vince-Lombardi-Trophy erringen können. So wollen wir den hiesigen Lesern ermöglichen, seine Sympathien dadurch auf eine Mannschaft zu verteilen, dass man beim Lesen Informationen erhält, die zwar einem Großteil der Amerikaner, nicht aber dem durchschnittlichen Mitteleuropäer vertraut sind.
Wenn Ihr wollt, könnt Ihr uns gern in den Kommentaren auf unserem Blog, auf Facebook oder über Twitter wissen lassen, wo ihr uns widersprechen würdet, wen ihr für den aussichtsreichsten Sieges-Kandidaten haltet oder für wie doof ihr Leute haltet, die in einer Sonntagsnacht zugunsten einer Übersee-Sportart auf Schlaf verzichten…


Teilgebiet A

In diesem Teil werden vor allem die Herkunftsorte der Falcons (Atlanta) und der Patriots (Boston, auch wenn die Mannschaft im Vorort Foxborough spielt) miteinander verglichen.

Die größere Stadt.
Gleich der erste Punkt stellt uns vor ein kleines Problem. Zwar ist das verwaltungstechnische Stadtgebiet von Atlanta mit 420.000 Einwohnern deutlich kleiner als das Bostons mit 617.000 Einwohnern, doch da dies vor allem einer recht willkürlichen Grenzziehung geschuldet ist, die nur wenig über die Stadt verrät, lohnt es sich an dieser Stelle einmal die Metropolregion (also das eigentliche Siedlungsareal inklusive Speckgürtel) in die Betrachtungen miteinzubeziehen: Diesen Vergleich kann die Gegend um Atlanta mit etwa 5,7 Millionen Einwohnern deutlich vor Boston mit ca. 4,5 Millionen für sich entscheiden. Für ein endgültiges Ergebnis bietet sich schließlich an die Einwohnerzahlen jener US-Bundesstaaten heranzuziehen, denen beide Städte als Hauptstädte dienen. Während Massachusetts (Boston) auf 6,7 Millionen Bürger kommt, gibt es in Georgia mit 9,7 Millionen Steuerzahlern deutlich mehr Fanpotential.
Vorteil: Falcons.



Die ältere Stadt.
Wie jedes Jahr lässt uns Europäer diese Kategorie immer ein wenig schmunzeln, denn mit Städten wie Trier (2033 Jahre), Potsdam (1024 Jahre) oder Berlin (773 Jahre) haben deutsche Städte im Regelfall ein deutliche höheres und geschichtsträchtigeres Alter inne als die recht jungen Metropolen der USA. Doch bei Lichte betrachtet ist das 1630 gegründete Boston älter als Karlsruhe, Neustrelitz oder Bremerhaven und selbst das zweihundert Jahre 'jüngere' Atlanta (1847 gegründet) ist betagter als beispielsweise Leverkusen, Eisenhüttenstadt oder Wolfsburg.
Vorteil: Patriots.


Die größere Nummer im Sport.
Die sportliche Bedeutung einer Stadt wird in der ergebnisorientierten Gesellschaft der USA darin gemessen, wer die meisten Mitglieder in den 'Big Four', also den vier großen Sportligen des Landes innehat (und nicht etwa daran, dass Atlanta 1996 die olympischen Sommerspiele ausrichtete). Mitunter wird dieser Kreis aus Football, Basketball, Baseball oder Hockey noch um das aufstrebenden Fußball (bzw. "Soccer" wie die Amerikaner zur Unterscheidung vom "Football" sagen) ergänzt.
Diese Aufstellung wird von Boston mit fünf Teams in allen fünf Sportarten deutlich angeführt (Neben den Patriots sind das die Red Sox, Celtics, die Bruins und New England Revolution).
Atlanta hat hingegen neben seinem Footballteam mit den Braves (Baseball) und den Hawks (Basketball) nur noch zwei weitere Spitzenteams im Angebot, auch wenn ab 2017 mit dem Atlanta United FC ein erstklassiger Fußballverein aus dem Boden gestampft werden soll.
Vorteil: Patriots.


Entfernung zum Austragungsort.
Nicht unerheblich für einen Sieg kann auch die Umgebung sein. Während Boston mit 2584km etwa dreieinhalb Flugstunden vom Austragungsort im texanischen Houston entfernt liegt, sind es für die Spieler aus Atlanta lediglich 1130km und ein knapp zweistündiger Flug.
Dennoch haben die Patriots einen entscheidenden Vorteil: Im NRG-Stadium konnten sie im Jahr 2004 den Super Bowl XXXVIII für sich entscheiden. Zudem spielen die hier ansässigen Houston Texans in ihrer Liga, der AFC. In diesem Zusammenhang gelang es den 'Pats', drei der vier Spiele in diesem Stadion für sich zu entscheiden. Besser stehen allerdings die AtlantaFalcons da, denn sie konnten ohne Niederlage beide Spiele gegen die Texans für sich entscheiden.
Vorteil: Falcons.


Größere Trump-Wählerschaft.
Weil man im 'alten Europa' Sympathien für US-amerikanische Angelegenheiten nicht wegen, sondern eher trotz des seit kurzem amtierenden Präsidenten Donald Trump verteilt, lohnt es sich an dieser Stelle ob der Punktgleichheit einmal zu schauen, wie das Abstimmungsverhalten in beiden Städte bei der US-Präsidentenwahl aussah.
Dabei ist überraschend, dass die Stadt Atlanta so etwas wie eine liberale Insel in dem Republikaner-treuen Südstaat Georgia (51,3% für Trump) ist und lediglich 27,35% der Einwohner für den polternden Mauerverfechter stimmten.
Aber in den USA ist kaum eine Stadt in seiner Liberalität mit Boston zu vergleichen, denn hier waren es mit 16,49% noch einmal deutlich weniger Protestwähler (im gesamten Bundesstaat Massachusetts waren es übrigens 33,5%).
Vorteil: Patriots.




Teilgebiet B

In diesem Teil der Betrachtungen geht es eher um die kulturelle Bedeutung beider Heimstätten, vor allem für Personen, die mit amerikanischer Musik, amerikanischen Fernsehen und amerikanischen Kinofilmen groß geworden sind.

Berühmte Einwohner.
Der fraglos bedeutendste Sohn der Stadt Atlanta ist der Prediger Martin Luther King Jr., dessen Kampf gegen die Rassendiskriminierung in den USA die gesamte Gesellschaft des Landes veränderte und der laut Nichelle Nichols dafür sorgte, dass sie nicht aus der Serie ausstieg. Darüber hinaus hat die Stadt mit der Schauspielerin Julia Roberts, dem Community-Star Donald Glover (den sich LeVar Burton laut eigener Aussage als möglichen Geordi La Forge bei einem möglichen TNG-Reboot wünscht) oder dem letztjährigen Super-Bowl-Finalisten Cam Newton eine Reihe bedeutender Persönlichkeiten hervorgebracht. Schließlich gelang der Stadt mit Jimmy Carter sogar die Platzierung eines demokratischen (!) Präsidenten (1977-1981).


Was kann Boston dem schon entgegenhalten?
Nun, bedeutend mehr natürlich!
Aus Boston entstammten nicht einer, sondern gleich vier US-Präsidenten (John Adams, John Quincy Adams, John F. Kennedy und George Bush Senior) und mit Benjamin Franklin auch einer der bekanntesten Persönlichkeiten der frühen Unabhängigkeitsjahre. Darüber hinaus wurden in der Hauptstadt Massachusetts und ihren Vororten auch Persönlichkeiten wie Leonard Bernstein, Matt Damon, Edgar Allan Poe oder Jack Lemmon geboren. Mit Schauspielern wie Chris Evans, Ben Affleck oder Edward Norton kamen darüber hinaus auch drei zentrale Superheldendarsteller aus der Stadt – und wer kann es schon mit Captain America, Batman und dem Hulk aufnehmen?
Vorteil: Patriots.

 

Berühmte Musiker.
Immerhin kann Atlanta mit einigen Megastars der Musikszene aufwarten, denn Stars wie die Orhwurmfabrikantin Whitney Houston, der R'n'B-Künstler Usher oder der extrovertierte Kanye West sind eng mit der Stadt verbunden und prägen deren künstlerische Wahrnehmung. Weil es sportlich an dieser Stelle passt, soll einmal Whitney-Houstons Hymne für die olympischen Sommerspiele 1988 in Seoul an dieser Stelle die Stadt Atlanta repräsentieren.



Doch die Hauptstadt Georgias kann es beim besten Willen nicht mit der großen Bandbreite unterschiedlichster Musikstile in Boston aufnehmen, denn der Hauptstadt Massachusetts entstammen Acts wie Aerosmith, Boston, Dick Dale, die Dresden Dolls, Dropkick Murphys, Godsmack, die Pixies, die New Kids on the Block, die Mighty Mighty Bosstones, Staind, Donna Summer oder Rob Zombie. Stellvertretend für diese Musik-Szene und weil es inhaltlich zum Siegeswillen der Patriots passt, soll an hier Aerosmiths erster großer Superhit stehen.



Eine Erwähnung ehrenhalber sollte auch die Bostoner Metall-Band Deathamphetamine erhalten, die Songs auf Grundlage von TOS-Episoden wie "Bele jagt Lokai" oder "Seit es Menschen gibt"
Vorteil: Patriots.

Verbindungen zu Star Trek.
Und wo wir gerade bei Star Trek gelandet sind: Boston ist auch ein Wallfahrtsort für Trekkies, denn der Stadt entstammen nicht nur berühmte Nebendarsteller wie Martha Hackett, Richard Herd oder John Schuck, sondern auch der legendäre Spock-Darsteller Leonard Nimoy.


Was könnte Atlanta diesem Autoritätsargument entgegensetzen?
Ganz einfach, seinen eigenen berühmten Star-Trek-Darsteller: DeForest Kelley!


Der nicht minder legendäre Darsteller Leonard 'Pille' McCoys ist nicht nur in Atlanta geboren, sondern gab durch diesen Umstand auch Grund zur Annahme (in vielen Sekundärwerken), dass auch sein Charakter hier das Licht der Welt erblickte.
Während sich beide Städte also im Hinblick auf Star Trek die Waage zu halten scheinen und auch die Erwähnungen beider Orte innerhalb der verschiedenen Serien mit dem Prädikat 'vernachlässigungswürdig' noch sehr wohlwollend umschrieben sind, bleibt nur noch, sich beide Teams innerhalb der Star-Trek-Historie anzusehen. Denn tatsächlich hat es nur ein Football-Team in der mehr als fünfzig Jahre zählenden Geschichte der Franchise jemals in Bild geschafft:
Unter den Besuchern des Meeresmuseums im vierten Kinofilm "Zurück in die Gegenwart" trägt ein Mitglied der Gruppe um Spock und Kirk nämlich ein Base-Cap des Teams. So unbedeutend es auch erscheinen mag – dieser Moment markierte tatsächlich den nennenswertesten Auftritt eines namentlich bekannten Erstliga-Teams.
Vorteil: Falcons.

Der Falcons-Basecap-Träger (3.v.r.)

Berühmte fiktive Einwohner.
Während Atlanta in mehreren Serien wie "Futurama", "The Walking Dead" oder "Profiler" entweder in Atlanta spielen oder zumindest denkwürdige Exkursionen dorthin unternehmen, wird die Stadt zusätzlich in Filmen wie "Miss Daisy und ihr Chaffeur", "Outbreak" oder "Vom Winde verweht" prominent platziert.
Besondere Bedeutung aber hat die Stadt durch einen älteren Anwalt erhalten, der mit seinem Südstaatenflair vor allem das Zuschauersegment im Rentenalter in seinen Bann zog:
Ben Matlock.


Aus gänzlich anderem Holz ist hingegen Boston geschnitzt. Während die Stadt als Handlungsort für eine ungleich größere Zahl an Serien wie "Spenser" (mit einem jungen Avery Brooks), "Cheers" (mit einer jungen Kirstey Alley), "Fringe" (mit einem älteren Leonard Nimoy), "Crossing Jordan" (mit Miguel Ferrer) oder "Leverage" oder Filmen wie "Good Will Hunting", "Shutter Island" oder "X-Men" (mit Patrick Stewart) aufwarten kann, ist sie darüber hinaus auch der Lieblingshandlungsort der Serien von David E. Kelley, der in seiner Heimatstadt nicht nur Serien wie "The Practice", "Ally McBeal" oder "Boston Public", sondern auch die Kult-Serie "Boston Legal" ansetzte.
Neben dem gebürtigen Bostoner James Spader brilliert die Serie vor allem durch William Shatner und die vielen Star-Trek-Darsteller, die in den fünf Staffeln Auftritte absolvieren.
Vorteil: Denny. Crane.



Fiktive Fans.
Der berühmteste fiktionale Fan der Atlanta Falcons offenbart sich eher beiläufig in einem Dialog der Simpsons: Ausgerechnet Homers Stammbarkeeper Moe Szyslak gibt in "Nur für Spieler und Prominente" zu Protokoll, dass er das Team aus Georgia seit Kindestagen lieben würde.
Allerdings halten sich während des Gespräches alle Teilnehmer ein Bierglas vor den Mund, um im Bedarfsfall noch einmal nachsynchronisiert werden zu können.



Deutlicher fällt der Liebesbeweis pro Patriots hingegen beim Simpsons-Konkurrenten "Family Guy" aus. Hier bekennt sich nicht nur Hauptcharakter Peter Griffin mehrfach als absoluter Fan, sondern besucht häufiger das Stadion, spielt für das Team und sucht sogar Gott auf, um eine Pechsträhne des Teams zu beenden. Der Patriots-Quarterback Tom Brady nahm sich für diesen ganz besonderen Edelfan sogar die Zeit, sich selbst für eine Episode einzusprechen.
Vorteil: Patriots.



Berühmte Fans.
Atlanta hat den ein oder anderen bekannten Anhänger. Neben Söhnen der Stadt wie Usher oder Jimmy Carter oder zählen auch andernorts geborene Personen wie Evander Holyfield, Ludacris oder gar Justin Bieber zum erweiterten Sympathisanten-Kreis. Vorzeige-Anhänger ist jedoch Samuel L. Jackson, den der ein oder andere Science-Fiction-Fan noch als Mace Windu in den Star-Wars-Prequel-Filmen oder Nick Fury aus den Marvel-Comicverfilmungen kennen könnte.


Auf der anderen Seite hingegen wären neben Jon Bon Jovi, Mark Wahlberg oder Conan O’Brien vor allem der Marsianer Matt Damon und der Captain America Chris Evans als treue Anhänger der Patriots zu nennen. Besonders Evans tat sich in der Vergangenheit als öffentlichkeitswirksamer Fan heraus, der schon beim Super Bowl XLIX im Jahr 2015 sein Team erfolgreich gegen die Schmähungen des Star-Lords und Seahawks-Fan Chris Pratt verteidigte.
Vorteil: Patriots.




Maskottchen.
Als Teil der amerikanischen Fan-Kultur der in unseren Breiten nicht selten müde belächelt wird sind Maskottchen dennoch ein Aushängeschild eines jeden Football-Teams. Dabei bleibt festzuhalten, dass im Angesicht des Umstandes, dass Pat Patriot irgendwie aussieht wie Gaston aus "Die Schöne und das Biest" nachdem er Uncle Sam die Klamotten von der Wäscheleine geklaut hat, scheint der Hornbrille tragende Freddie Falcon aus Atlanta das eindeutig kleinere Übel zu sein.
Vorteil: Falcons.


Teilgebiet C
In diesem Teil geht es vor allem um die sportliche Seite, die Wahrscheinlichkeiten eines Sieges und natürlich um blanke Mathematik.

Statistik.
Auf den ersten Blick scheint die Statistik durchaus für die Falcons zu sprechen, denn in der Super-Bowl-Historie konnten sich bislang sechsundzwanzig Mal Teams durchsetzen, die wie die Mannschaft aus Atlanta der NFC angehören. Für AFC-Mitglieder wie die Patriots reichte es hingegen lediglich vierundzwanzig Mal für einen Titelgewinn.
Auf den zweiten Blick hingegen muss man den Falcons allerdings ankreiden, bislang erst einmal überhaupt den Weg ins Finale geschafft zu haben: 1999 unterlag das Team aus Atlanta dabei den Denver Broncos.
Die Patriots hingegen haben es bereits acht Mal in die Endrunde geschafft, wobei es ihnen vier Mal gelang, ihren Weg mit einem Titelgewinn zu krönen.
Darüber hinaus spricht auch die direkte Bilanz beider Teams leicht für die Pats: Zwar konnten die Falcons z.B. 1998 ihr Spiel gegen New England deutllich mit 41:10 für sich entscheiden, doch mit insgesamt sechs Siegen für Atlanta und sieben für die Patriots fällt auch diese Bilanz für die Südstaatler negativ aus.
Vorteil: Patriots.


Die Trainer.
Die Bilanz könnte für den langjährigen Patriots-Trainer Bill Belichick nicht besser lauten: Seit seinem Amtsantritt gelang es ihm, sein Team stolze sieben Mal zum Finalspiel zu schleifen, wobei ihm vier Titelgewinne gelangen. Er gilt als gewiefter Taktikfuchs und einer der besten Trainer überhaupt.
Sein Problem ist allerdings sein Image.
Sein Weg ist mit Skandalen gepflastert, die in typischer amerikanischer Manier dem Begriff 'Watergate' nachempfunden sind: Im "Spygate" wurde er dabei erwischt, wie er Videoaufnahmen der Defense-Abteilung seiner Gegner anfertigen ließ. Im "Deflate-Gate" waren die Bälle während eines Spieles plötzlich mit weniger Luftdruck versehen, was dem Star-Quarterback Tom Brady besser lag. Kurz zuvor legte Belichick bei einem Spiel die Regeln so strikt aus, dass es dem gegnerischen Trainer unmöglich war, auf seine taktischen Veränderungen zu reagieren – ein Manöver, das kurze Zeit später im offiziellen Regelwerk als illegal eingestuft wurde.
Seither hat Belichick seinen Ruf weg:
Star-Wars-Author Drew Karpyshyn verglich ihn mit einem Sith, George R.R. Martin bestätigte Ähnlichkeiten zu den Lannisters seiner "Game of Thrones"-Reihe und das Verhalten des Trainers verleitete Eric Cartman in "South Park" zu folgender Erkenntnis:

"Das ist Bill Belichick, Trainer der New England Patriots. Er hat schon drei Superbowls gewonnen. Wie? Er hat betrogen! Der Mann wurde sogar dabei erwischt, aber keinen hat es interessiert. Bill Belichick hat bewiesen, dass es in Amerika in Ordnung ist zu betrügen, solange Du mit dem Betrügen erfolgreich bist."


Sein Gegenüber Dan Quinn ist im Vergleich dazu ein ruhiger Zeitgenosse, der sich seinen Weg an die Spitze mühsam erarbeitet hat. Die Falcons sind seine erste Station als Chefcoach, wobei er jedoch bereits einige Super-Bowl-Erfahrungen als Assistenz-Trainer sammeln konnte. Ähnlich wie Belichicks Einfluss bei den Patriots wird auch ihm der Verdienst zugeschrieben, aus den Falcons ein Top-Team geformt zu haben – nur das Quinn Skandalen bislang aus dem Weg ging.
Vorteil: Falcons.


Die Quarterbacks.
Beim Football neigt man gelegentlich dazu, ganze Spiele auf die sich gegenüber stehenden Quarterbacks zu reduzieren. Das wird zwar dem Spiel nicht unbedingt gerecht, doch trotzdem bleibt festzuhalten, dass dieser Position eine zentrale Rolle zukommt.
Mit dem 31jährigen Matt Ryan verfügen die Falcons über einen Spieler, der die bislang beste Saison seiner bisherigen Karriere nun mit einem Super-Bowl-Sieg krönen könnte. Er hat nicht nur in den letzten Jahren an Flexibilität gewonnen, sondern auch ein schlagkräftiges Team zur Verfügung.
Für Tom Brady (der auf der NFL-Seite übrigens mit dem Reboot-Kirk gleichgesetzt wird) spricht hingegen seine immense Erfahrung und der damit verbundene Umstand, dass er seine Karriere um den fünften Super-Bowl-Sieg bereichern könnte. Er dirigiert sein Team und versteht es, die taktischen Vorgaben seines Coaches umzusetzen. Darüber hinaus verpasste er die ersten vier Spiele wegen einer Sperre für das Deflate-Gate und steht nun in der Beweispflicht.
Dabei ist der 39jährige Spieler längst eine Legende – ein Status, den sich Ryan erst noch verdienen muss.
Vorteil: Patriots.


Die Offense.
Zugegeben, eigentlich spielen beide Mannschaften so ziemlich auf Augenhöhe. Während die Patriots im Angriff aber vor allem durch ihre Durchschlagskraft und ihrer körperbetonten Spielweise ihre Stärken haben, verfügt Atlanta über große Flexibilität und individuell herausragende Spieler wie Julio Jones, die die Falcons zum Top Scoring Team der zurückliegenden Saison gemacht haben.
Vorteil: Falcons.


Defense.
Der Vorteil der Patriots liegt in ihrer taktischen Disziplin. Sie sind darüber hinaus genau das, was Sportreporter gern als Kollektiv bezeichnen.
Die Falcons hingegen haben auch hier ihre Stärken eher im individuellen Bereich und auch wenn die Defense das Spezialgebiet des Trainers Dan Quinn ist, liegen dessen Stärken scheinbar eher in der Offensive.
Vorteil: Patriots.


Das meinen die Experten.
Der allgemeine Tenor lautet, dass es zwischen beiden Teams ziemlich eng zugehen könnte, wobei (besonders in den US-amerikanischen Medien) ein leichtes (beinahe hauchdünnes) Übergewicht für die Patriots zu verbuchen ist. Diesem Trend kann sich auch Dennis Rösner, der Defense-Captain der Potsdam Royals in unserem Experten-Kommentar nicht verschließen:

Dennis Rösner fängt eine Interception gegen Bonn. Quelle: @potsdam_royals auf Instagram

Wie auch die Jahre zuvor wurde ich gebeten hier meine Meinung über das anstehende Finale am Sonntag abzugeben.
Bevor ich damit beginne muss ich zugeben, dass ich dieses Jahr nicht ganz objektiv sein kann, da "meine" Patriots einer der Finalisten sind und damit natürlich meine Prognose feststeht.
Dennoch möchte ich beide Teams wie jedes Jahr beurteilen und deren Stärken sowie Schwächen kurz zusammenfassen.
Die Atlanta Falcons haben in den letzten Jahren ein erstaunlich schlagkräftiges und vor allem ein sehr solide spielendes Team auf die Beine gestellt. Die richtige Mischung aus jungen, hungrigen Rookies und Second-Year-Spielern sowie den sogenannten "Veteran-Players" hat sie dorthin gebracht wo sie heute stehen. Vor allem die Defense besteht zu einem großen Teil aus den eben angesprochenen jungen Spielern, die den Superbowl das erste Mal erleben und natürlich besonders motiviert sind, die Trophäe nach vier gespielten Vierteln auch in die Höhe zu recken.
Anders sieht es auf der Seite der Offense aus. Dort bestimmt der Quarterback mit der Nummer 2 die Geschicke. Matt Ryan spielt wie ich finde eine seiner besten (wenn nicht sogar die beste) Saison die ich von ihm bisher gesehen habe. Mit präzisen Pässen, einem guten Auge für die gegnerische Defense sowie enormer Unterstützung von seinen Mitspielern WR Julio Jones und den beiden RBs Coleman und Freeman wurde der Weg zum Superbowl geebnet. Diese sogenannte "High-Scoring Offense" rollte quasi im Halbfinale über die Greenbay Packers hinweg (Zur Halbzeit gab es bereits eine Führung von 31:0 (!)).
Ich denke, dass wir aus diesem Grund auch im Superbowl einige Touchdowns auf Seiten der Falcons sehen werden. Den einzigen Schwachpunkt, wenn man ihn so nennen möchte, sehe ich in der noch unerfahrenen Defense in Bezug auf wirklich große und wichtige Spiele. Oft gab es schon Spieler, die aufgrund fehlender Erfahrung oder auch Nervosität nicht ihr ganzes Potenzial abrufen konnten. Hier gilt es also für die Patriots möglichst schnell und viel Druck aufzubauen, um vielleicht die sonst sehr solide spielende Defense wackeln zu lassen.
Auch die Patriots sind einmal mehr im Superbowl vertreten. Angeführt vom hoch gehandelten GOAT (Greatest Of All Time) spielen sie ein weiteres Mal um die begehrte Lombardi-Trophäe. Die Rede ist natürlich von der Nummer 12 QB Tom Brady, der dieses Jahr um seinen fünften Ring spielt und damit - sollte er tatsächlich gewinnen - einer der wenigen Spieler wäre, denen dies in der Geschichte der NFL gelungen ist. Dass die Patriots überhaupt im Superbowl stehen war am Anfang der Saison noch alles andere als in Stein gemeißelt. Brady musste nämlich eine, (aus meiner Sicht) lächerliche Sperre von vier Spielen absitzen. Von diesen vier Spielen konnten die Patriots jedoch drei gewinnen; nicht zuletzt durch eine stark aufspielende Defense, die den Gegnern oft schon früh im Spiel zeigte, dass gegen sie nicht viel zu holen ist.
Auch in den Playoffs selbst behielten die Patriots aus New England ihre weiße Weste und kamen mehr oder weniger ungefährdet abermals ins Finale. Besonders stark ist der Passangriff der "Pats", in dem ein bis vor kurzem noch unbekannter Spieler seine Qualitäten unter Beweis stellen konnte: WR Chris Hogan, der neben seinem Partner Julian Edelman die Lieblingsanspielstation von Brady ist. Beide werden auch wieder im Superbowl für große Raumgewinne sorgen. Die Verletzung vom besten Passempfänger Bradys (Rob Gronkowski fehlt aufgrund eines Bandscheibenvorfalls nahezu die ganze Saison) ließ die Offense bisher nicht wirklich straucheln. Ersatzmann Bennett zeigt ebenso seine Qualitäten und wird ebenfalls gern von Brady angeworfen.
Doch der Hauptgrund, weshalb es dieses Jahr den fünften Ring für Brady und die Patriots geben wird, ist die Patriots Defense.
So konstant, so aggressiv und effizient wie sie diese Saison spielen, haben sie bewiesen, dass sie sich nach dem letzten Titelgewinn gegen die Seahawks noch einmal steigern konnten. Vor allem das Defensive Backfield ist fehlerfrei aufeinander abgestimmt und die Spieler haben die Möglichkeit, sich blind aufeinander verlassen zu können. Hier wird der sonst starke Passangriff der Falcons einiges zu tun bekommen. Noch dazu können die "Schweren Jungs" in der Defensive Line enormen Druck auf den gegnerischen Quarterback ausüben, weshalb ich glaube, dass Matt Ryan einige Fehlentscheidungen oder riskante Bälle werfen wird. Diese Bälle gilt es abzufangen und dadurch die  eigenen Offense wieder aufs Feld zu holen. Sollte ihnen das gelingen, steht einem Sieg im Finale nichts mehr im Wege.
Abschließend lässt sich sagen, dass sich hier zwei Mannschaften auf Augenhöhe begegnen. Wir können uns auf einen Schlagabtausch mit vielen Punkten einstellen, mit dem (hoffentlich) besseren Ende für die New England Patriots.
Mein Tipp: Atlanta Falcons 24- 31 New England Patriots.

Vorteil: Patriots.


Mein Tipp.
Nach einer Vorhersagehistorie, die in die Mitte der Nuller-Jahre zurückreicht ist dem Autor das Kunststück gelungen, bei elf Super Bowls ganze neun Mal daneben zu liegen, wenn es darum ging, den späteren Sieger vorherzusagen.
So ist es auf dieser Seite und innerhalb der Tafelrunde längst zur Tradition geworden, meinen eigenen Tipp pauschal gegen jene Mannschaft auszulegen, der er gilt.
Mein Vorhersage lautet übrigens – nachdem ich mit eigenen Augen miterleben musste, wie Matt Ryan 'meine' Packers auseinandergenommen hat - dass diese verdammt gut aufgelegten Falcons auch vor New England nicht haltmachen werden.
Vorteil: Patriots.


Tierorakel.
Großer Beliebtheit erfreuen sich bei größeren Sportereignissen heutzutage vor allem jene Vorhersagen, die durch unbescholtene Tiere getroffen werden. Und das scheinbar nicht zu Unrecht, denn viele dieser Wesen haben eine bessere Quote vorzuweisen als der Autor dieser Zeilen. So ist Teddy das Stachelschwein genauso wie Wilson der Goldfisch der Überzeugung, dass die Patriots gewinnen. Jim Fallons Vorhersage, bei der Hundewelpen als Entscheidungshilfe genutzt werden, sieht hingegen die Falcons vorn. Dieser Ansicht schließt sich auch Fred der hellsehende Hase an. So muss – aufgrund der Gesetzmäßigkeiten des Internets – eine Katze das Zünglein an der Waage spielen:
In einem dramatischen Endspurt entscheidet auch der tiefsinnige Tiger Tibet diese letzte Kategorie pro Falcons.
Vorteil: Falcons.




Endergebnis.
Nach dieser detaillierten Analyse bleibt als Endergebnis festzuhalten, dass auch bei uns das Pendel in Richtung Patriots ausschlägt. Natürlich hoffen wir dabei, dass unser finales Resultat von 7:13 nicht der Endspielstand sein wird und vor allem drücken wir die Daumen, dass es kein so langweiliger Super Bowl wie im letzten Jahr wird.

Nachspielzeit.
Natürlich ist der Super Bowl viel mehr als bloß ein Sportereignis. Es geht auch um die Halbzeitshow, deren künstlerische Ausgestaltung dieses Mal Lady Gaga überlassen wurde. Doof nur, dass die bekennende Clinton-Unterstützerin auf Druck der NFL auf politische Statements verzichten soll. Ob die provozierfreudige Sängerin dieser Forderung nachkommen wird, ist wohl ähnlich spannend wie der Ausgang des Spieles.
Schließlich sind auch die Werbeeinspieler, die während dieses Spieles für bis zu fünf Millionen Dollar verhökert werden, in den USA so bedeutsam, dass knapp ein Viertel der Zuschauer in einer Umfrage angab, der Übertragung vor allem deswegen zu folgen.
Für besonders viel Gesprächsstoff sorgt dabei der Clip von Anheuser-Busch, deren Werbung den Tenor einer Flüchtlingssituation heraufbeschwört und damit dieser Tage ein deutliches Ausrufezeichen gegen die Politik Donald Trumps aussendet. Direkt schade, dass ausgerechnet ein 'Getränk' wie (das amerikanische) Budweiser zum Gegenstand dieses Filmchens gerät, denn das eine rigide Einwanderungspolitik eine Flüssigkeit wie Bud Light verhindert hätte, ist zumindest Bier auf die Mühlen alteuropäischer Genusstrinker.
Mir bleibt an dieser Stelle nur noch Dank an jene auszusprechen, die sich das hier bis zum Ende durchgelesen haben und nochmals alle zu ermutigen, mir meinen Falcons-Tipp in den Kommentaren unter die Nase zu reiben. So wünsche ich allen eine spannende Super-Bowl-Nacht und wer weiß, vielleicht treffen wir uns ja in irgendeiner Berliner Kneipe auf ein (hoffentlich tschechisches) Budweiser, um auf dieses Spiel anzustoßen…