Mittwoch, 30. April 2014

Turons Senf zur Absetzung von Almost Human

Wo Licht fällt, gibt es für gewöhnlich auch immer eine ordentliche Portion Schatten, um die flüchtigen Momente des Glücks bei Aufkeimen sofort wieder unterdrücken zu können. Die guten und schlechten Nachrichten betreffen im Moment gleichermaßen J.J. Abrams, dessen Wiederauferstehungshilfe für die totgeglaubte Franchise Star Trek nun auch dem Lokalrivalen Star Wars zugute kommt, für dessen mit allgemeiner Spannung erwarteten siebenten Streich er ja bekanntlich die Regie führen wird (die Tafelrunde berichtete).
Aber während im unter allgemeinem Trommelwirbel die Augen der Medien, Fans und restlichen Welt auf die Bekanntgabe der Neuverpflichtungen für die noch namenlose "Episode VII" gerichtet waren, rückte eine andere Ankündigung in den Hintergrund und erreichte ob des heiteren Trubels erst mit einiger Verspätung die einschlägigen Internetportale.


Die Hiobsbotschaft betrifft die Fernsehserie "Almost Human", für die Abrams' Name aus irgend einem Grund auf der Produzentenlohnrolle steht. Als Hauptstar der Science-Fiction-Serie irgendwo zwischen "Blade Runner", Google Glasses und "T.J. Hooker" wurde immerhin niemand geringeres als Karl Urban verpflichtet (Dr. Leonard "Pille" McCoy in den aktuellen Reboot-Filmen und kürzlicher Star der Star Trek Destination Germany), der nun wieder frei für andere Projekte sein dürfte. Diese Serie wurde vom US-Fernsehsender nicht verlängert und ist somit abgesetzt.


In "Almost Human" verkörperte Urban den kantigen Cop John Kennex, der im Jahr 2048 zusammen mit seinem Data-ähnlichen Androidenpartner Dorian (Michael Ealy) auf Verbrecherjagd geht (die Tafelrunde berichtete). Doch trotz einiger vielversprechender Ansätze gelang es der Serie nicht, an Abrams' vorherige Serieerfolge wie "Alias", "Lost" oder "Fringe" anzuknüpfen.


Abrams und Urban waren allerdings nicht die einzigen Star-Trek-Veteranen, die an diesem Projekt mitwirkten. Auch der durch seine Arbeit bei TNG bekannte Produzent Naren Shankar war an der Konzeption der Serie beteiligt, bevor er wegen 'kreativer Differenzen' vorzeitig das Entwicklerteam verließ. Im Laufe der Serie deutet sich an, dass dieser Verlust tatsächlich größer war als gedacht, denn die Quoten der lediglich dreizehn Episoden sanken von beinahe zehn Millionen Zuschauern rasch auf unter sechs. Wer die Serie verfolgen konnte, wird denn auch zugeben müssen, dass deutliches Potential nach oben bestand und die Serie zwar sehenswert, aber mitnichten außergewöhnlich einzustufen war. Erschwerend kommt hinzu, dass der Fernsehsender drastisch in die eigentlich geplante Ausstrahlungsreihenfolge eingriff, bereits im Vorfeld die den ursprünglich angesetzten Sendestart verlegte und mit "Intelligence" ein recht ähnliches Konzept bei der Konkurrenz unter Vertrag steht.


Mit der gestern verkündeten Absetzung unterstrich der verantwortliche US-Fernsehsender FOX nochmals seinen schlechten Ruf als Seriengrab, den bereits ähnlich kurzlebige Science-Fiction-Projekte wie "Firefly", "Terra Nova" oder "Dollhouse" am eigenen Leib erfahren mussten. Ein schlechtes Omen für zukünftige Produktionen wie etwa einer potentiellen Star-Trek-Fernsehserie (die den Schwung der Abramsfilme ausnutzt), denn damit wird auch der irrige Eindruck geweckt, dass beim Publikum im Moment kein Interesse an SciFi auf dem Fernsehschirm bestehen würde. Kein Wunder also, dass die Entscheidungsgremien der US-Fernsehanstalten heiße Eisen wie dem entsprechende Projekte meiden, da ihnen das Risiko für vergleichsweise teure Weltallserien zu groß erscheint. Dass bisherige Produktionen jedoch durch die Bank weit hinter ihren Erwartungen zurückblieben oder zu Unrecht geopfert wurden, bleibt bei dieser Betrachtungsweise allerdings gern außen vor.



Ob "Almost Human" jemals für den deutschen Fernsehzuschauer ausgestrahlt wird, erscheint nach diesem absehbaren Fehlstart als vergleichsweise unwahrscheinlich. Scheinbar bleibt Science Fiction in den kommenden Jahren erst einmal auf die große Kinoleinwand beschränkt, wie der Medienhype über die Besetzung des kommenden Star-Wars-Films nahelegt. Bei aller Freude der Genre-Fans über den Fortschritt an der siebenten Krieg-der-Sterne-Episode bleibt dieser Tag damit aber auch das Datum, mit dem eine mögliche Star-Trek-Fernsehserie noch mehr in weite Ferne gerückt wurde.


Dienstag, 29. April 2014

Einmal mit Captain Berlin bis Eridani und zurück

Heute war es wieder soweit, das "Eddington " rief und alle kamen...nun, nicht wirklich alle, aber doch einige interessante Aussteller und vor allem auch Comicmacher waren bei der Jubiläumsveranstaltung, die Comicbörse im Eddington wurde 10, vor Ort. Und auch ein einsames Tafelrundenmitglied hat sich mal wieder in die Nürnberger Strasse verirrt.

Popkultur im Keller des Ellington Hotels
Tim Wöhrle bei seinem Panel über die Entstehung des Comics ERIDANI
Unglaublich: Panini Sammelalbum komplett für 99 EURONEN - stolzer Preis!
Star Trek Actionfiguren umrahmen hie das andere star
Nun muss man sagen, dass ich nicht zu den frühen Vögeln gehöre und deshalb schlug ich erst gegen 14:00Uhr am Veranstaltungsort auf. Wenn man aber Schnäppchen machen will, sollte man schon früh aufstehen. Allerdings bin ich dieses Mal aus eher nostalgischen Gründen zur "Comic Con" von Berlin gefahren; es dürfte ungefähr das achte Mal für mich gewesen sein.
Und welche Entwicklung hat die Veranstaltung genommen - man kann nur staunen! Vom Comic-Ramsch-Basar mit Flohmarkt-Charakter mausert sich die Comic Börse, so noch der offizielle Name, zu einem echten Geheimtipp für den gemeinen Fan der Heftchen mit den bunten Bildern. Und nicht nur das, dem aufmerksamen Besucher wird nicht entgangen sein, dass die Veranstaltung sich verändert. Sicher, der Händlerraum bildet nach wie vor das Herzstück. Warum auch nicht? Schließlich ist das Comic ja der wirkliche Stargast auf der Veranstaltung.

Nein, ganz still und heimlich etabliert sich auf der Messe ein "Rahmenprogramm". Waren es bei einer der letzten Messen zum Beispiel die Macher des Comics "RIA" mit einem eigenen Stand vor der Messehalle die mich begeisterten,  gab es dieses mal Performancemäßig noch eine Steigerung. Auf zwei Panels, hier liebevoll "Aktionsraum" genannt, präsentierte sich das ebenfalls aus Berlin stammende kleine Comicprojekt "ERIDANI". Genau wie "Ria" entsteht dieser Comic ausschließlich in Berliner Wohnzimmern...und kann sich wirklich sehen lassen.
Tim Wöhrle und Sascha Bragulla mit den ersten beiden Bänden von Eridani
 Eridani spielt im Jahr 2143 auf einer menschlichen Ansiedlung auf Epsilon Eridani. Der geneigte Star Trek Fan wird sich hier sofort an 40 Eridani erinnert fühlen, dem System, dem sich der Planet Vulkan zugehörig fühlt. Aber damit nicht genug, in diesem "fotorealistischen" Comic wird die Geschichte der Menschheit bei ihrem zukünftigen Trek in die Weiten des Weltraums erzählt. Und natürlich spielt auch hier wie in Star Trek ein Schiff die Hauptrolle, die Aashwaasaan.
Das Ganze ist so spannend gemacht und wunderschön erzählt, dass die Tafelrunde darüber demnächst hier im Rahmen ihrer Reihe Star Trek in Berlin und Brandenburg noch ausführlicher berichten wird.


Ein zweites Panel (hier Podiumsgespräch) gab es übrigens mit dem Zeichner Hermann Huppen, das sogar in englisch!
Und das war noch nicht alles. Natürlich präsentierten sich wieder einige namhafte Zeichner mit ihren Werken und signierten Hefte und gaben Kostproben ihres zeichnerischen Talents für lau preis.
Zugegen waren dieses Mal:

Hermann                           (Andy Margan, Jeremiah, Comanche u.v.m.)
Jean-Marc Rochette        (die Schneekreuzer)
Marc Bourgne                   (Frank Lincoln)
Edward Winokan              (Kinder der Dämmerung)
Robert Heracles               (Nam-Tech)
Tim Wöhrle                        (Eridani)
Jan Suski                            (Luzian Engelhardt)
Tomppa                              (Engel)
Thorsten Kiecker              (RIA)
Dörte Dettlaff                    (Blood Baptism)
Rainer Engel                      (Horrorschocker, Geister-Schocker)

Fazit: Die Comic Messe mausert sich, auch wenn sie bei weitem noch nicht die Ausmasse anderer Veranstaltungen dieser Art hat. Aber mit der Einführung von Podiumsgesprächen im Eventraum eröffnen sich hier ganz neue Möglichkeiten. Und wer weiß, vielleicht kann man in einigen Jahren, wenn die Messe dann wirklich Berlin ComicCon heißt und die Besucher in Scharen herbeiströmen, sagen: "Ich war damals dabei gewesen"!



Und natürlich habe ich mir als leidenschaftlicher Sammler neben Band 1 von Eridani wieder eine Kleinigkeit mitgebracht:

Montag, 28. April 2014

Setz Dir selbst ein Denkmal!

Vor nicht allzu langer Zeit begab sich eine kleine Abordnung der Star-Trek-Tafelrunde auf eine gewagte Außenmission in die Metropole des Hessen, pardon, der Hessen, nach Frankfurt/ Main. Der aufmerksame Leser des Blogs wird sich noch an die Berichterstattung aus berufenen Munde erinnern können, wenn nicht, kann man hier die Beiträge von Turon, Rok, Mirima und K'olbasa noch einmal nachlesen.
Technisch gesehen war die die Reise eine echte Entdeckungsreise, und damit meinen wir jetzt nicht das futuristische aussehen der Messehalle selbst. Neben beeindruckenden Spielereien, wie dem auf einem Emotionschip á la Data basierenden "Zentralnervensystemmanipulators", mit dessen Hilfe man mittels purer Gedankenkraft nicht nur ganz putzige Ohren bewegen sondern sogar eine Drohne steuern konnte.

video


Das besondere Highlight der Destination Star Trek war für uns alle zweifelsohne der Stand einer kleinen britischen Firma mit dem klangvollen Namen LEVAVO. (Laut Turon sogar einer der heimlichen Höhepunkte).


Das futuritische Aussehen der Alkoven-gleichen Fotobox erregte schon von weiten das Interesse der Besucher, darunter auch solch klangvoller Namen wie Gates McFadden, Karl Urban, Dominic Keating, Michael Dorn, Armin Shimerman und K'olbasa.


Anhand der letztgenannten Person wollen wir hier nun die Entstehungsgeschichte solch einer Figur nachzeichnen.


Nicht weniger als 64, auf drei Ebenen im Kreis angeordneten digitale Spiegelreflexkameras schossen dort gleichzeitig ein Bild von der jeweiligen Person.


All diese Informationen wurden dann zu einem 3D-Bild zusammengefügt.




Dies wiederum war die Matritze für einen Hochleistungscomputer, welcher aus diesen Daten auf wundersame Art und Weise ein Replikationsgerät beauftragte, ein maßstabsgetreues Abbild jener Person zu erschaffen.


Je nach Geschmack und Finanzlage konnte man nun aus drei verschiedenen Größen auswählen: Fünfzehn Zentimeter für 120 Pfund, zwanzig Zentimeter für 175 Pfund oder fünfundzwanzig Zentimeter für 250 Pfund. In diesem Fall fiel die Wahl auf das günstigste Angebot.


Vierzehn Tage später klingelt dann der Postbote zu Hause an der Tür und übergibt ein kleines Päckchen mit dem fertigen Endprodukt. Und das kann sich wirklich sehen lassen:


Die Figur ist sehr leicht und besticht durch einen hohen Detailgrad. Angefangen bei der beim Rasieren übersehenen unterschiedlichen Länge der Koteletten (wirklich!) bis hin zur TWOK-Gürtelschnalle -alles, bis hin zu den Ohrmuscheln ist genau zu erkennen! Selbst das Gesicht wird von einer handelsüblichen Sony-Kamera mühelos erkannt. Unglaublich, Fotos gehören wohl bald der Vergangenheit an; der Trend geht zur eigenen Plastik!


Wer also möchte, kann problemlos die Big-Bang-Theory-Episode "Willkommen in der Donnerkuppel" in seinem eigenen Heim nachspielen und ohne zuviel verraten zu wollen: Die stilvolle Levavo-Figur überflügelt das seelenlose Howard-Wolowitz-Püppchen um Längen. Ein ideales Geschenk für den Sammler, der schon alles zu haben glaubt...

Samstag, 26. April 2014

Shakespeare und Star Trek - Zehn Fakten über eine zeitlose Beziehung

Heute vor vierhundertfünfzig Jahren wurde ein Mann getauft (wann genau er geboren wurde, ist umstritten), ohne den Star Trek nicht das wäre, was es heute ausmacht. Unmittelbar nach dem Namen Roddenberrys sollte eigentlich der Name dieses Universalgenies stehen. Und lägen nicht ebenjene vierhundertundfünfzig Jahre dazwischen, so würden sich einige ältere Helden im englischen Original wohl so anhören (die Wortbeiträge entstammen dieser sehr lesenswerten Quelle):





Die Rede ist natürlich von niemand geringerem als William Shakespeare. Der Autor aus dem beschaulichen Avon-Städtchen Stratford war für die englische Sprache in etwa das, was Martin Luther für die deutsche war: Ein Leuchtfeuer, das bis in die sprachliche Gegenwart scheint.
Und als ob das noch nicht genug wäre, sind Shakespeare-Dramen, -Tragödien und -Lustspiele bis heute so etwas wie die Königsdisziplin anglophoner Schauspieler, darunter natürlich auch verdiente Star-Trek-Veteranen wie etwa dem Briten Sir Patrick Stewart, der kürzlich zu Protokoll gab, dass er zwischen beiden Metiers gar nur geringe Qualitätsunterschiede ausmachen kann:

"It is as valid as Shakespeare. I don't distinguish one from the other."

Meine sehr freie Übersetzung:

"Es ist ebenso angemessen wie Shakespeare. Ich unterscheide das eine nicht vom anderen."

In einem anderen Interview ging er sogar noch einen Schritt weiter:

"I think that the experience that we get in making a fourhundred-year-old text work is exactly what you need for giving credibility and believability to fantasy, science fiction, and the like. I think that's why I was so good at it!"

Meine wiederum sehr freie Übersetzung dazu:

"Ich glaube, dass die Erfahrung die wir darin sammeln, einen vierhundert Jahre alten Text zum Leben zu erwecken, genau das beinhaltet, was man benötigt, um Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft in Fantasy, Science Fiction und ähnlichen Genres unterzubringen. Ich denke, das ist der Grund, warum ich so gut darin bin!"


Neben der Fähigkeit, sich besser in eine Serie wie Star Trek hineinversetzen zu können, bietet das Erbe Shakespeares einen reichhaltigen Fundus, den die Fans rund um den Erdball zur Genüge kennen. Ich denke nicht, dass ich an dieser Stelle noch einmal auf den Hamlet in klingonischer Sprache hinweisen muss, den es mittlerweile für ein paar Darseks zu kaufen gibt. Ich muss wohl auch nicht noch einmal auf die zeitlosen Kommentare des Spiegeluniversums-Phlox hinweisen, der im Enterprise-Zweiteiler "Die dunkle Seite des Spiegels" feststellte, dass Shakespeares Werke in beiden Wirklichkeiten gleichermaßen eine der wenigen – wenn auch sehr düsteren - Konstanten bot. Und ganz sicherlich muss ich nicht noch einmal auf die TOS-Folge "Kodos der Henker" oder den sechsten Star-Trek-Kinofilm "Das unentdeckte Land" verweisen, die vor Zitaten und Auszügen nur so triefen.


Aus diesem Grund wollen wir aus gegebenem Anlass einmal versuchen, zehn andere, eher unbekannte Fakten zu finden, die noch nicht so öffentlich breit getreten wurden wie die eingangs erwähnten Beispiele. Damit möchten wir verdeutlichen, wie eng Star Trek in seinem Kern mit Shakespeare verbunden ist und wie groß der Einfluss des legendären Dramatikers auf die Science-Fiction-Franchise tatsächlich ausfiel.

Also frei nach Woody Allen: Die Tafelrunde präsentiert - Was sie schon immer über Star Trek und Shakespeare wissen wollten und sich nicht zu fragen trauten!

Fakt #01. Wer den Einfluss Shakespeares auf Star Trek ablesen will, musss sich nur einmal die vielen Folgentitel vor Augen führen, die auf direkte Shakespeare-Anleihen zurückgehen. Dem deutschen Zuschauer bleiben sie jedoch verborgen, denn die hiesige Synchronisation machte sich nicht die Mühe, diese oft hintergründigen Wortspiele adäquat ins Deutsche zu übertragen. So bleibt dem deutschen Fan nur das bloße Wissen darum, dass die Episoden "Der Zentralnervensystemmanipulator" (TOS, "Dagger of Mind"/ MacBeth), "Kodos der Henker" (TOS, "The Conscience of the King"/ Hamlet), "Stein und Staub" (TOS, "By Another Name"/ Romeo und Julia), "Was summt denn da?" (TOS, "Wink of an Eye"/ Das Wintermärchen), "Portal in die Vergangenheit" (TOS, "All Our Yesterdays"/ MacBeth), "Kulkulkan - der Mächtige" (TAS, "How Sharper than a Serpent's Tooth"/ König Lear), "Die Sünden des Vaters" (TNG, "Sins of the Father"/ Der Kaufmann von Venedig), "Das Experiment" (TNG, "Remember Me"/ Hamlet), "Verräterische Signale" (TNG, "The Mind's Eye"/ Hamlet), "Radioaktiv" (TNG, "Thine own Self"/ Hamlet), "Die Khon-Ma" (DS9, "Past Prologue"/ Der Sturm), "Herz aus Stein" (DS9, "Heart of Stone"/ Was Ihr wollt), "Der geheimnisvolle Garak, Teil II" (DS9, "The Die is Cast"/ Julius Caesar), (DS9, "Once More Unto the Breach"/ König Heinrich der Fünfte), "In den Wirren des Krieges" (DS9, "The Dogs of War"/ Julius Caesar) und "Leben nach dem Tod" (VOY, "Mortal Coil"/ Hamlet) auf direkte Zitate aus den Werken Shakespeares zurückgehen.

Fakt #02. In der TOS-Episode "Brot und Spiele" ist sogar ein Stück Shakespeare zu sehen. Obwohl das Geschehen eine Parallelentwicklung zum alten Rom nahelegt, trägt Prokonsul Claudius Marcus ein Wappen auf der Brust, das zufälligerweise mit dem William Shakespeares identisch ist. Warum dieses Wappen Verwendung fand (vielleicht eine Anspielung auf dessen Werk "Julius Caesar"?) wird wohl ebenso ein Rätsel bleiben wie die Verwendung dänischer Maschinengewehre in der selben Episode.


Fakt #03. Nicht nur für Folgentitelinspirationen bedienten sich die Drehbuchautoren bei Shakespeare. Auch in den Inhalten orientierte man sich großzügig am literarischen Vorbild. So wurde die Handlung ganzer Episoden wie "Planet der Unsterblichen" oder "Brautschiff Enterprise" einfach übernommen, während in anderen Folgen wie "Das Spukschloss im Weltall", "Der Blutschwur" oder "Neue Intelligenz" zumindest Handlungselemente 'ausgeborgt' wurden. Allerdings ist diese Vorgehensweise schon damals nichts Verwerfliches gewesen: Bereits die heimliche Inspiration für Star Trek, der Fünfziger-Jahre-Sci-Fi-Streifen "Alarm im Weltall" ging in Gänze auf ein Shakespeare-Werk zurück.

Fakt #04. Der als leidenschaftliche Shakespeare-Fan bekannte Patrick Stewart ließ sich in "Der Überläufer" nicht die Chance entgehen, selbst in den Genuss zu kommen, an der kurzen Inszenierung von "König Heinrich der Fünfte" am Anfang der Folge teilzuhaben. Mit schwerer Maske unkenntlich gemacht spielte er eine kleinere Nebenrolle. Daher ist in dieser Szene zweimal Patrick Stewart zu sehen: Einmal als Captain Jean-Luc Picard, der Data beim Schauspielern begutachtet und einmal als Michael Williams, der den Kommandanten der USS Enterprise am Ende als unwillkommenen Eindringling wahrnimmt.


Fakt #05. Wer sich auch nach der zehnten Wiederholung noch immer fragt, wieso Kanzler Gorkon in Star Trek VI: "Das unentdeckte Land" eigentlich allen Ernstes behauptet, "Sie werden Shakespeare erst richtig genießen, wenn Sie ihn im klingonischen Original lesen." obwohl der Mann ja nun eindeutig ein Mensch war, dem sei dies gesagt:
Im Film diente die Verwandlung des menschlichen Dramatikers in einen klingonischen Autor um als Gleichnis auf Versuche Nazi-Deutschlands, den Nationaldichter Großbritanniens für sich zu vereinnahmen. Dementsprechend kann man im (englischsprachigen) Vorwort des klingonischen Hamlets auch von den Propaganda-Versuchen der Föderation lesen, Wil'yam Shex'pir widerrechtlich für sich zu beanspruchen. Allerdings streut bereits die TOS-Episode "Fast unsterblich" deutliche Indizien für eine ganz andere Identität des Engländers: Der Fund eines unveröffentlichten Originalscripts Shakespeares auf Holberg 917G legt die Vermutung nahe, dass auch Shakespeare tatsächlich nur ein Alter Ego des unsterblichen Flints war.
Auf jeden Fall spielen sämtliche dieser Theorien auf die streckenweise sehr dürftigen Informationen über das Leben und Wirken des Mannes an, die uns heute überliefert sind und damit eine Vielzahl kruder Verschwörungstheorien befeuerte.


Fakt #06. Auch eine Vielzahl an Schiffen geht direkt auf William Shakespeares Vorlagen zurück. Der Name der USS Horatio in "Die Verschwörung" etwa geht weniger auf Horatio Hornblower zurück (sonst wäre es wohl eher die USS Hornblower), sondern eher auf den Charakter aus "Hamlet". Auch die USS Hathaway fußt in ihrer Bezeichnung wohl auf dem Mädchennamen der Ehefrau Shakespeares  und selbst die Miranda-Klasse kann ihre Wurzeln in "Der Sturm" wiederfinden. Zudem kann man selbst auf der Widmungsplakette der USS Prometheus einen Ausspruch des großen Dramatikers als Leitmotiv finden.

Fakt #07. Eine der bekanntesten Einrichtungen zur Pflege des Erbes William Shakespeares ist heutzutage die renommierte "Royal Shakespeare Company". Schauspieler wie Ian McKellen, David Tennant oder Ian Holm, die in ihren Produktionen mitwirkten, umgibt eine gewisse Aura des Darsteller-Adels. Insgesamt sechs Schauspielern aus dem Star-Trek-Universum gelang es, ebenfalls auf den Lohnzettel dieser Einrichtung zu gelangen. Neben Sir Patrick Stewart waren dies David Warner, Malcolm McDowell, Christopher Plummer und William Morgan Sheppard. Als einziger Frau in dieser illustren Runde gelang auch Alice Krige dieser Coup.


Fakt #08. William Shakespeare kann man übrigens auch bei Star Trek Online begegnen. Allerdings nicht leibhaftig, doch immerhin als (lila) Hologramm, das auf dem eigenen Schiff die Position des Doff-Quartiermeisters übernimmt. Alles was man für den Erwerb tun muss, ist den Zwanzig-Stunden-Auftrag eine Aufführung von Hamlet auf dem Holodeck mit einem "Critical Success" abzuschließen (allerdings hat man nur einmal die Chance dazu). Natürlich gibt es diesen Auftrag auch für die klingonische Fraktion; hier winkt als Belohnung das rein klingonische Hologramm Wil'yum Sheks'per [sic!]. Wahrhaft episch!

Fakt #09. Dass in Picards Bereitschaftsraum mindestens eine Shakespeare-Ausgabe herumliegt, gehört fraglos zum Star-Trek-Grundwissen. Allerdings lag das Buch nicht nur dekorativ im Raum herum, wie eine Analyse von Jörg Hillenbrand und Bernd Schneider auf Ex Astris Scientia beweist: In mühsamer Detektivarbeit ist ihnen gelungen nachzuweisen, welches Werk gerade die Aufmerksamkeit des Captains oder seiner Besucher in welcher Episode beanspruchte. Eine absolut lesenswerte Zusammenstellung!

Fakt #10. Schließlich kann sogar eines der am häufigsten mit Star Trek verbundenen Markenzeichen zur Hälfte auf Shakespeare zurückgeführt werden. Zwar ist die Fingerstellung des Vulkanischen Grußes ohne Frage durch Leonard Nimoy höchstpersönlich von einem jüdischen Segenszeichen abgeleitet, doch die dazugehörige Formel "Live long and prosper." lässt sich ebenfalls mit einem Zitat aus "Romeo und Julia" in Verbindung bringen:


In diesem Sinne wünscht auch die Star-Trek-Tafelrunde "Hermann Darnell" Potsdam Babelsberg ein angenehmes Wochenende und schließt mit einem Zitat ab, das beweist, dass die Beziehung zwischen Star Trek und Shakespeare keineswegs so einseitig gewesen ist, wie es die lineare Zeitbewältigung vermuten lässt und sogar über eine gewisse tagesaktuelle Brisanz verfügt:



Freitag, 25. April 2014

Tummelplatz der Nerds- Comicmesse in Berlin

Es ist zwar nur noch ein Tag, aber vielleicht hat ja doch noch jemand Interesse an Berlins größter Comicbörse und weiß noch nicht, was er oder sie am kommenden Sonntag vorhat. Hier der Veranstaltungstipp fürs Wochenende!

Quelle: Comic-Boerse-Berlin.de

Donnerstag, 24. April 2014

Star Trek Jumps the Shark 01: Star Trek

Teil 1 einer wöchentlichen, sechsteiligen Kolumne


Unter amerikanischen Serienliebhabern kursiert eines der schrecklichsten Schimpfwörter, die ein Serienproduzent sich vorstellen kann. Es heißt "Jumping the Shark" und beschreibt den Moment, in der eine Serie den Zenit ihrer Kreativität überschreitet und beginnt, sein Publikum immer zu weniger zu interessieren, so dass es allmählich das Interesse daran verliert, ihr weiter zu folgen.

Der Ausdruck stammt ursprünglich aus einer der erfolgreichsten Fernsehproduktionen überhaupt. Sie hieß "Happy Days" und glorifizierte das Leben in der USA um die Fünfziger und Sechziger Jahre. Die älteren Leser unseres Blogs werden sich eventuell erinnern, dass "Happy Days" 1985 auch auf dem damals noch jungen Sender Sat.1 lief; den jüngeren könnte das Format aus der ein oder anderen Wiederholungswelle auf Kabel Eins bekannt sein.
Zuerst als heimlicher Antiheld, mit weiterem Verlauf der Serie immer mehr als Hauptstar der Serie gefeiert wurde der von Henry Winkler verkörperte Arthur Herbert "Fonzie" Fonzarelli. Als der populäre und unglaublich coole Charakter mit Lederjackenfetisch in Staffel fünf (von insgesamt elf) auf Wasserski den todesmutigen Sprung über einen eingesperrten Hai sprang, kreierte er damit, ohne es zu wissen, einen eingängigen Fachterminus. Der Internetkolumnist Jon Hein prägte mit einem Studienfreund die Phrase "Jumping the Shark" in Bezug auf den langsam einsetzenden Niedergang einer Fernsehserie und eröffneten eine gleichnamige Website, die verschiedene Serie unter diesem Aspekt betrachtete und dem Begriff daraufhin eine weite Verbreitung bescherte. Nachdem der Betreiber jedoch die erfolgreiche Seite verkaufte, geriet sie ihrerseits ebenfalls auf einen absteigenden Ast. Mittlerweile wird der Begriff nicht nur auf Fernsehserien, sondern auch auf Websites, Personen, Computerspiele, technische Geräte oder Marken übertragen.


Doch bei aller Eingänglichkeit des Begriffs zieht er auch einige Kritik auf sich. Die Episode "Fonzie in Hollywood, Teil III" ("Hollywood: Part 3") war mit knapp 30 Millionen Zuschauern nicht nur eine der erfolgreichsten Shows bis dato, sondern "Happy Days" büßte auch bis weit über die Folge hinaus nichts an seiner Popularität ein. Fred Fox Junior, der Autor von "Fonzie in Hollywood" wehrte sich entschieden dagegen, dass ausgerechnet das von ihm verfasste Script zum Ausgangspunkt einer solchen Einteilung herangezogen wurde.


Aus diesem Grund hatten bereits Jon Hein und andere Autoren mehrere augenscheinliche Merkmale zusammengefasst, an denen sich punktuell festmachen lässt, wann eine Serie erste Symptome dafür zeigt, diesen knorpelfischverseuchten Rubikon zu überschreiten. Nach einer Auflistung der zu dieser Thematik besonders empfehlenswerten Webpräsenz von "TV Tropes" (und natürlich aus der in Jon Heins Buch "Jumping the Shark") wollen wir an dieser Stelle einmal einen genaueren Blick auf diese Kennzeichen werfen, die nach Besetzungswechsel, Charakterentwicklung, Handlungsentwicklung, Kunstgriffe und Produktionsentwicklungen sortiert werden können (die genauen Bezeichnungen für jeden Punkt sind allerdings von mir persönlich frei erfunden, um damit in den kommenden Wochen besser arbeiten zu können).


1. Besetzungswechsel

Rauswurf eines Hauptcharakters. Ein beliebter Charakter wird aus der Serie entfernt. Besonders, wenn es zu einem herzlosen, unbefriedigenden oder kaum nachvollziehbaren Ausstieg kommt, fehlt dem Zuschauer dafür zuweilen der Zugang. Häufig wird dabei ein ruhiger, friedvoller und introvertierter Frauen-Charakter abgesäbelt, den die Produzenten durch eine attraktivere Person mit mehr Sex-Appeal austauschen wollen. Manchmal liegen die Gründe auch darin, einen Charakter mit besseren Erzählmöglichkeiten auszustatten oder durch jemanden zu ersetzen, dessen schauspielerisches Potential höher ist.

Die große Lücke. Die Produzenten haben einen Charakter als Nachfolger installiert, der dem Anspruch, der Qualität oder den Leistungen seines Vorgängers hinterherhinkt.

New Kid. Ein neuer Charakter wird in der Serie untergebracht, der – aus welchen Gründen auch immer – den Hass der Fans auf sich zieht. Manchmal wird aber auch einfach nur auf Biegen und Brechen versucht, einen weiteren Darsteller in der Schauspielerriege unterzubringen, ohne dass allzu viel Rücksicht auf Glaubwürdigkeit, bestehende Figurenkonstellationen oder gar Notwendigkeit für diesen Schritt geübt wird.


Pubertät. Einer der jungen Hauptdarsteller, beginnt plötzlich erwachsen zu werden. Symptome für diese Entwicklung sind u. a. Stimmbruch, plötzliches Absinken des Niedlichkeitsfaktors oder Installation eines neuen, jüngeren Darstellers, der das entsprechende Zielpublikum bei der Stange halten soll.

Zuwachs. Die Geburt eines Kindes stellt die Chemie einer Serie auf den Kopf und führt mitunter in eine völlig neue Richtung. Nicht selten gelangt der Nachwuchs auch ohne die unmittelbare Kenntnisse der Erzeuger in die Serie oder stößt erst dann zur Hauptbesetzung, wenn keiner mehr mit ihm rechnet.


Richtungswechsel. Ein Charakter, der für die Chemie der Serie eine zentrale Rolle spielt, wird entfernt, woraufhin sich der Fokus der Serie verlagert.

Das zweite Gesicht. Obwohl der Darsteller wechselt, bleibt die Rolle allen Unähnlichkeiten zum Trotz die selbe. Zuweilen wird dieses Thema aber auch aufgeweicht, indem es zwar unterschiedliche Darsteller und Charaktere gibt, aber die Anlage der Charaktere auffällige Ähnlichkeiten birgt.




2. Charakterentwicklung

Autorenliebling. Verhasste Charaktere bekommen zusätzliche Aufmerksamkeit und auch wenn es zuweilen hilfreich scheint, die ein oder andere Facette zur Rolle hinzuzufügen, enden die Versuche meist damit, das er nur umso mehr zu einem Spielzeug der Drehbuchschreiber mutiert.

Substanzverlust. Die Tiefe eines bereits etablierten Charakters verflacht zusehends, so dass alle zuvor gewonnenen Errungenschaften des selben hinfällig erscheinen. Die kann zur Folge haben, dass sich die Fans von diesem abwenden.

Beziehungsschwierigkeiten. Das offizielle Pärchen der Serie löst die vorhandenen sexuellen Spannungen zu früh auf und vergrault damit Zuschauer, die eigentlich durch dieses Spannungselement bei Laune gehalten wurden.



3. Handlungsentwicklung


Plötzlicher Richtungswechsel. Die Rahmenbedingungen einer Serie werden urplötzlich durch einen Umzug oder einen Berufswechsel radikal geändert.

Durststrecken. Eine Serie läuft zu lange vor sich hin, ohne irgend eine Form von Fortschritt, Entwicklung oder Auflösung gibt. Das kann darin liegen, dass die Serien Lückenfüller einfügt oder zu offensichtlich wird, dass zu große Schritte in der Handlung dem Ende der Serie zu weit vorgreifen würden. Es kann beim Zuschauer zunehmend das frustrierende Gefühl entstehen, dass die Drehbuchautoren hier eine unabsehbar lange Hinhaltetaktik betreiben, so dass sie das Interesse verlieren und einfach umschalten.

Achterbahn. Die Show wird von einer unheimlichen Bandbreite der Gefühle beherrscht, die meist aus dem Eingreifen von Geldgebern resultieren, die Serie kantiger und dunkler oder weicher und positiver zu gestalten. Das Resultat ist eine wilde Achterbahnfahrt auf der emotionalen Skala und unterschiedlichsten Schattierungen von Antagonisten.

Erhobener Zeigefinger. Einige der Schreiber bringen zu viel aus ihrer eigenen Persönlichkeit innerhalb der Serie unter. So können Episoden missbraucht werden, um die eigenen religiösen, politischen oder philosophischen Ansichten breitzutreten, ohne dass die Haupthandlung daraus irgendwelche Vorteile ziehen kann.


Wildwuchs. Die Handlung wird mit zu vielen unerwarteten Wendungen versalzen, die der Hauptstory widersprechen, schlecht umgesetzt wurden und/ oder schlichtweg dämlich sind.

Messlattenhoch. Die Serie erlebt einen so außergewöhnlich ikonografischen Moment, so dass alles was folgt, darin scheitert, diesem Qualitätszustand zu genügen.

Hochzeit. Die endgültige Zementierung einer Beziehung entfernt die Spannung unwiederbringlich aus der Serie oder verbaut anderen (attraktiveren) Kombinationen den Weg.


Trennungsschwierigkeiten. Das offizielle Pärchen (oder das Nebenpärchen) trennt sich ständig voneinander, nur um schon bald wieder zusammen zu kommen. Das verschärft nicht nur bei dem Paar auf unnötige Weise die Konflikte, sondern auch beim Zuschauer.

Schema F. Die Haupt- und/ oder Nebenhandlungen beginnen immer mehr vorhersehbar und berechenbar zu werden. 

Jumping the Shark. Die Handlungsstränge und Charakterentwicklungen beginnen soweit hergeholt zu wirken, dass sie den Zuschauer über dessen Grenzen der Akzeptanz für Außergewöhnliches beanspruchen und daher unglaubwürdig wirken.

Schwarzmalerei. Die Überdosis an dunklen Elementen und nur wenigen Lichtblicken kann dem Zuschauer die Identifikationsbasis mit den Hauptcharakteren genommen werden, wodurch sie ebenfalls die Lust an einer Serie verlieren können.


4. Kunstgriffe

Gaststarinflation. Die Serie beginnt zu sehr, auf attraktive Gastauftritte zu setzen, die jedoch an der Plausibilität der Serie zerren.

Michael-Bay-Syndrom. Grafische Spielereien (etwa der extensive Einsatz von 3D, Action und Explosionen) werden vermehrt genutzt, um von anderen Probleme (etwa bei der Charakterentwicklung) abzulenken.


Verfrühter Filmeinschub. Der Film zur Serie wird veröffentlicht, wodurch das Kreativlevel der Serie ins Wanken gerät. Da clevere Führungskräfte überwachen die Beliebtheit einer Serie oder Franchise und lassen den Film just in dem Moment einsetzen, zu dem die Serie ihren absoluten Höhepunkt erreicht. Dadurch kann man ihn häufig als sicheres Zeichen dafür werten, dass es von nun an bergab geht.

Jojo-Gefühl. Ein Haupthandlungsstrang wird aufgelöst, nur um unmittelbar danach wieder aufgemacht zu werden. Der Zuschauer verliert das Interesse und die Übersicht – ganz besonders, wenn es wieder und wieder geschieht.

Urlaub. Manchmal genügt schon eine Ferienreise, um eine Fernsehproduktion umzukrempeln. Entweder sind sie das Armutszeugnis einer Drehbuchautorenriege, die keine Ideen mehr hat oder ein Wendepunkt für den ein oder anderen Charakter.

Heiße Kartoffeln. Eine bestimmte Idee oder ein ständig wieder aufgegriffener Witz, die sich beim Publikum großer Beliebtheit erfreuen, werden zuweilen ohne Erklärung aufgegeben.

Fragwürdige Beförderung. In der Serie wird ständig betont, wie großartig etwas ist, wobei dann schließlich nicht deutlich wird, warum dies eigentlich der Fall sein soll. Zum Beispiel können Charaktere in höhere Ränge befördert werden, nur um anschließend weniger Spezialausrüstung zu erhalten und gegen schwächere Gegner zu kämpfen.

Faule Eier. Man produziert einen Musical-Episode, oder noch schlimmer, eine Clip-Show.


Unangemessener Aktualitätseifer. Die Serie versucht auf Biegen und Brechen tagesaktuell zu bleiben, obgleich es offensichtlich ist, dass die Drehbuchautoren ihrer Zeit mindestens zwei Jahrzehnte hinterherhinken.

Haarteil. Mit einer grundlegenden Veränderung im Aussehen eines Hauptdarstellers oder einer Hauptdarstellerin wird versucht, neue Zuschauerschichten (üblicherweise im Segment der 14- bis 20-Jährigen) zu erschließen.

Abkehr von der Nischenunterhaltung. Eine Serie versucht, massenkompatibler zu werden oder verliert ihren Fokus dadurch, zu viele Zuschauerschichten gleichzeitig glücklich zu machen.

Augenwischerei. Eine Show verlässt sich zu sehr auf vermeintlich quotenbringende Elemente, die allerdings für jeden erkennbar dazu dienen sollen, die offensichtlichen Defizite der Serie zu übertünchen. So häufen sich spärlich bekleidete Hauptcharaktere, um dafür Belohnungszuschauer zu erhalten, oder die Intensität von Vulgärhumor steigt rapide an. 

Schoßtierchen. Um Defizite in der Hauptbesetzung auszugleichen oder die Abwesenheit von sympathietragenden Kindern zu übertünchen, müssen zuweilen Haustiere herhalten, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Besonders deutliches Anzeichen für den Niedergang einer Serie war der Einsatz eines Schimpansen. 



5. Produktionsentwicklungen


Charlie-Sheen-Syndrom. Einer der Hauptdarsteller wird in einen handfesten Skandal verwickelt, was mit der Zeit interessanter wird, als die Serie in der er mitspielt.

Zeitumstellung. Die Serie wird im amerikanischen Fernsehen auf eine traditionelle Familienfernsehzeit gelegt, was zur Folge hat, dass umfangreiche Zensurmaßnahmen die Handlung beschränken.

Erschöpfter Schöpfer. Der Urheber einer Serie wird befördert oder verkauft sich zu sehr, was zur Folge hat, dass er nicht mehr in der Lage ist, seine eigene Schöpfung angemessen zu beaufsichtigen. Häufig wird dieser Zeitpunkt von anderen genutzt, um ihre eigenen Visionen zu verwirklichen.

Absolutismus. Ein Hauptdarsteller wird entweder zum ausführenden Produzenten der Serie oder gar zum Produzenten selbst. Zum Leidwesen der restlichen Darsteller wird es dadurch häufig zu "seiner Serie", was man auf der Mattscheibe auch gut erkennen kann.


Vitamin B. Eine wichtige Rolle wird mit einem Verwandten, Bekannten oder Bettgefährten eines Strippenziehers hinter der Kamera besetzt, ohne darauf zu achten, wie geeignet oder ungeeignet die Person für diese Rolle eigentlich ist

Kreativer Burn-Out. Der Schöpfer einer Serie ist mit seiner Situation so unzufrieden, dass er absichtlich beginnt, sein Werk zu sabotieren. Dies kann am ausufernden Fantum, dem zu starken Eingriff von außen oder privaten Sphären begründet sein.

Sendeunzeit. Die Serie wird im US-TV-Programm auf eine Zeit gelegt, die weitaus weniger attraktiv für die Zuschauer ist und somit weitere Quoteneinbußen vorprogrammiert sind. Manchmal wird eine Show sogar auf einen anderen, weniger beliebten Sender verschoben.

Musikalischer Neustart. Um einen dynamischeren Eindruck zu hinterlassen, wird auch gern das Intro einer Serie überarbeitet, um peppiger, aufregender oder gefälliger zu wirken.


Anhand dieser Kriterien wollen wir in der Folge jeden Donnerstag einmal gemeinsam untersuchen, welche Anzeichen bereits sichtbar waren und ab welchem Zeitpunkt die einzelnen Star-Trek-Serien den legendären Hai übersprungen haben. Allerdings wollen wir den Moment des Hai-Sprungs lieber an einer Folge festmachen, denn wie Hein in seinem Buch "Jumping the Shark" deutlich beweist, wirkt die alternativlose Suche nach einem ikonografischen Moment meist zu bemüht um glaubwürdig zu bleiben.

Den Anfang machen wir nächste Woche mit der Originalserie. Die einzige Serie, die aus den Betrachtungen ausgeklammert wird, ist allerdings die animierte Serie (TAS), obwohl sie bis dato die einzige ist, die jemals einen der begehrten Emmys ergattern konnte. Dennoch habe ich mich aufgrund des abweichenden Formats und der fehlenden Qualität für einen Totalverzicht entschieden – zumal Auszeichnungen wie Emmys oder Oscars bekanntermaßen nichts mit der Qualität von Serien, Filmen oder Schauspielern zu tun haben.

Doch bevor wir uns Kirk, Spock und Pille widmen, sollten wir vielleicht einleitend erst einmal eine Frage klären, die immer wieder aufs Neue die Fanseele beschäftigt:

Wann begann das allgemeine Zuschauerinteresse an der Franchise selbst zu schwinden? 

Niemand wird schließlich bestreiten können, dass die Goldenen Jahre Star Treks mittlerweile der Vergangenheit angehören und dass es irgendwo einen Punkt gab, ab dem die immense Popularität abzuflauen begann. Doch wann genau dies geschah, ist ein allgemeiner Gegenstand einer anhaltenden Diskussion unter Trekkies.

Der Moment des Hai-Sprungs: "Star Trek VIII: Der Erste Kontakt".
Nach meiner Ansicht war das entscheidende Jahr in der Star-Trek-Geschichte 1996. In diesem Jahr liefen zwei verschiedene Star-Trek-Serien über den Bildschirm, doch während der überaus erfolgreiche Reboot "The Next Generation" bereits ausgelaufen war, kämpften "Deep Space Nine" und "Voyager" gleichzeitig und in Konkurrenz zueinander gegen sinkende Quoten. Während "Deep Space Nine" mit der Integration Michael Dorns, einer überarbeiteten Titelmelodie und der Konzentration auf den telegenen Dominion-Krieg die Kurve kriegte, dümpelte Voyager in seiner zweiten Staffel antriebslos vor sich hin und durchlebte eine längere Durststrecke, in der ansprechende Drehbücher die Ausnahme bildeten und statt dessen Folgen wie "Prototyp", "Die Schwelle" oder "Das Ultimatum" die Sympathien der Zuschauer auf eine harte Probe stellten.
Und als wäre diese Belastungsprobe nicht bereits genug, markierte 1996 auch das Jahr, in dem der erfolgreichste TNG-Kinofilm überhaupt seine Premiere feierte. Der von Kritikern wie Fans gepriesene Streifen "Der Erste Kontakt" ließ nicht nur sämtliche folgenden TNG-Kinofilme alt aussehen, sondern grub als dritte treibende Kraft innerhalb der Franchise auch den beiden aktuell laufenden Serien das Wasser ab. Im Zuge dieser Dreifachbeanspruchung stellte es eine ziemlich Herausforderung dar, weiterhin den Überblick zu behalten und das Überangebot begann zusammen mit der sinkenden Qualität vieler Episoden den schleichenden Niedergang einzuleiten.



Alternative Hai-Sprünge. Allerdings kann man auch andere Fixpunkte ins Rennen schicken. Anhand eigener Überlegungen, externen Forenbeiträgen zum Thema und Befragungen von Mitgliedern der Tafelrunde kämen auch folgende Episoden als Hai-Sprung-Momente in Frage.

"Die Suche, Teil I"/ "Der Fürsorger". Nach sieben erfolgreichen Staffeln wurde die Erfolgsserie TNG 1994 eingestellt. Dennoch bedeutete dies mitnichten das Ende von Star Trek, denn mit der ersten Folge der dritten Staffel "Deep Space Nine" stand bereits längst ein Nachfolger in den Startlöchern. Doch quotentechnisch konnte der Ableger mit dem gefeierten Vorgänger nicht mithalten (sie sanken von knapp elf Millionen in der ersten Staffel auf unter fünf Millionen in der siebenten).
Deep Space Nine begann auch umgehend, mit den zuvor zart geknüpften Banden zur "Next Generation" (z.B. die Auftritte Picards, der Duras-Schwestern oder Qs) radikal zu brechen und seinen eigenen Weg zu finden. Doch der führte über einen Krieg, die Thematisierung von Religion und die unablässige Zentrierung auf eine Raumstation in Sphären hinab, die mehr und mehr der Leitidee des Star-Trek-Patrons Gene Roddenberrys widersprachen. Auch der zunehmend folgenübergreifende Erzählstil bildete einen radikalen Bruch mit den vorherigen Star-Trek-Sehgewohnheiten, die auf allein stehende Einzelepisoden ausgerichtet waren und trug ebenfalls dazu bei, dass viele Zuschauer den Anschluss verloren und sich von der Franchise und ihrer Entwicklung abwendeten.
Ein völlig anderes Bild bot sich mit dem Voyager-Pilotfilm "Der Fürsorger". Die Produzenten setzten deutlich auf Kontinuität, die sich in Themen, Handlungselementen und Mitarbeiterstab niederschlugen. Den Episodencharakter behielten sie ebenso bei wie die den beweglichen Handlungsort eines umherfliegenden Raumschiffes. Als TNG abgesetzt wurde, empfanden viele Fans Voyager als nahtlosen Übergang und bezeichneten die Serie daher zuweilen scherzhalft als "TNG, Staffel acht bis vierzehn".
Doch auch Voyager kämpfte verzweifelt gegen den Quotenteufel an. Dem Pilotfilm folgte eine lange Durststrecke an wenig kreativen oder aufgewärmten Inhalten, die Glaubwürdigkeit litt mit jeder weiteren Episode (keine Verluste innerhalb des Main Casts, kaum Versorgungsprobleme, drastisch verkürzte Reisezeit) und im direkten Vergleich zu DS9 war Voyager beinahe steril und konfliktarm.
Das Überangebot und der Mangel an wirklich frischen Ideen führte zu einer zunehmenden Ermüdung bei der Zuschauerschaft. Zusammen mit der einsetzenden TNG-Kinofilmreihe begann eine Abwärtsspirale, deren Quittung schließlich der letzten Star-Trek-Serie "Enterprise" ausgestellt wurde.
Keiner der beiden Nachfolger schaffte es also, einen adäquaten Ersatz für TNG zu bieten und Star Trek war ab diesem Punkt vielleicht noch lebendig, doch bereits auf einem absteigendem Ast.


"Zurück in die Gegenwart". Der vierte Star-Trek-Kinofilm aus dem Jahr 1986 war insbesondere für eine Reihe älterer Trekkies der Moment, an dem Star Trek unwiederbringlich kippte. Nie zuvor begleitete Merchandise in diesem Umfang einen Star-Trek-Streifen und nie zuvor war ein Film von Beginn an auf ein Massenpublikum ausgerichtet.
Anschließend sollte nichts mehr sein wie es war. Auf den Höhepunkt des Erfolges folgte bereits ein Jahr später der Fernsehstart von TNG, der Star Trek komplett umkrempeln sollte. Von nun an musste sich die liebgewonnene Originalcrew den Platz an der Sonne mit einer weiteren Besatzung teilen und die erste Staffel der neuen Serie "The Next Generation" war auch nicht unbedingt in der Lage, höheren Qualitätsansprüchen zu genügen. Danach folgte eine neue Serie auf Serie, die sich insbesondere nach dem Tod des Star-Trek-Urvaters mehr und mehr von den Idealen der ursprünglichen Serie entfernten.
Das Star Trek, wie Fans es bis dahin kannten, war mit der Reise "Zurück in die Gegenwart" endgültig zu Grabe getragen worden und für all jene, die mit der Neuauflage nichts anfagen konnten, war die Franchise damit gestorben. Allerdings müsste man das Ganze in diesem Fall wohl eher "Star Trek Jumped the Whale" nennen... 



Wie man an diesem scheinbar harmlosen Einleitungsbeispiel sehen kann, kann man dieses Thema durchaus kontrovers diskutieren. Wer also meine Sichtweise teilt, ihr widersprechen möchte oder gar ein viel besseres Beispiel parat hat, kann dies gern in den Kommentaren kundtun. Vielleicht hat bereits jetzt schon jemand konkrete Vorstellungen, wann welche Star-Trek-Serie ihren Zenit überschritten hat.
In einer Woche gibt es jedenfalls meine Gedanken darüber zu lesen, wann die Originalserie über den legendären Hai sprang. Und keine Angst: Die kommenden Artikel werden etwas umfangärmer...

Weiterführende Leseliste:

Star Trek Jumps the Shark 01: Star Trek 
Star Trek Jumps the Shark 02: TOS 
Star Trek Jumps the Shark 03: TNG
Star Trek Jumps the Shark 04: DS9
Star Trek Jumps the Shark 05: Voyager
Star Trek Jumps the Shark 06: Enterprise